Scharf und unübersichtlich ist die Kurve in der Straße An der Hohl. Viele Autos, die nachts aus Richtung Schwalheim (l.) kommen, sind zu schnell unterwegs, einige sind bereits in einer Böschung gelandet.
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Scharf und unübersichtlich ist die Kurve in der Straße An der Hohl. Viele Autos, die nachts aus Richtung Schwalheim (l.) kommen, sind zu schnell unterwegs, einige sind bereits in einer Böschung gelandet.

Anwohner befürchtet Schlimmes

Gefährliche Kurve in Schwalheim: Ohne Schilder häufen sich Unfälle

Reifenquietschen - wieder ist ein Auto aus der 90-Grad-Kurve in der Straße An der Hohl in Schwalheim getragen worden. Ein Anlieger befürchtet Schlimmeres und rätselt, warum die Stadt nicht handelt.

Die gute Nachricht: Bisher gab es keine Verletzten. Die schlechte: In diesem Jahr haben sich in der 90-Grad-Kurve am Ortsausgang von Schwalheim (An der Hohl) in Richtung B 455 nach Angaben von Anlieger Jan Hofmann etwa sieben Verkehrsunfälle ereignet. »Ich habe mich bereits mehrfach im Rathaus gemeldet. Warum nichts passiert, kann ich nicht verstehen«, sagt der Anwohner.

Der Grund für die Unfallhäufung liege eindeutig in einer falschen Beschilderung. »30 Jahren lang standen direkt in der scharfen Kurve zwei Schilder mit rot-weißen Richtungspfeilen. Damals hat sich hier so gut wie kein Vorfall ereignet«, berichtet der junge Mann. Doch das änderte sich nach einer Verkehrsschau im April 2018.

Damals waren städtische Straßenverkehrsbehörde, Polizei und Hessen Mobil übereingekommen, diese Richtungspfeile abzumontieren. Seitdem landen regelmäßig Autos, die von Schwalheim kommen und zu schnell unterwegs sind, in der Böschung, die den angrenzenden Acker von der Straße trennt. In einem Fall schleuderte ein Porsche über die schmale Straße und kam nur wenige Zentimeter vor dem Haus der Hofmanns zum Stehen. Zuletzt wurde in der Nacht zum 1. August ein mit drei jungen Leuten besetzter Pkw aus der Kurve getragen und verlor beim Aufprall seinen Frontspoiler. Auch dieses Auto konnte seine Fahrt fortsetzen, ehe die vom Anlieger alarmierte Polizei an der Unfallstelle auftauchte.

Hofmann hat die Stadtverwaltung gebeten, die Schilder mit den Richtungspfeilen wieder zu installieren, um die Kurve zu entschärfen. Sollte weiter nichts passieren, könnte sich eines Tages ein schwerer Unfall ereignen, besonders gefährdet seien Verkehrsteilnehmer ohne Ortskenntnis, die nachts oder bei starkem Regen in die unbeleuchtete und unübersichtliche Kurve einfahren. Im schlimmsten Fall könne sich ein Auto überschlagen oder sogar auf den nahen Bahnschienen landen. Die Unfallgefahr steige auch deshalb, weil sich das Verkehrsaufkommen in dieser Straße seit Sperrung der Frankfurter Landstraße etwa verdreifacht habe.

Unpassend ist nach Ansicht des Anwohners auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit an dieser Stelle. »Mit 50 km/h kann diese Kurve niemals sicher genommen werden«, heißt es in einem Schreiben von Hofmann an die Stadtverwaltung.

Gefährliche Kurve in Schwalheim: Kommt eine Tempo-30-Regelung?

Erstem Stadtrat Peter Krank ist die Situation in der Straße An der Hohl bekannt. Sofortigen Handlungsbedarf sieht er nicht, will das Thema aber bei der nächsten Verkehrsschau zur Sprache bringen, die im März wegen Corona ausgefallen war, aber vermutlich noch in diesem Jahr nachgeholt wird. »2018 wurde bei der Verkehrsschau entschieden, den ›Schilderwald‹ in Bad Nauheim etwas zu reduzieren«, sagt Krank. Auch die Richtungspfeile in dieser Kurve seien mehrheitlich für überflüssig erachtet worden.

Der Verkehrsdezernent verweist in diesem Zusammenhang auf das Schild »Achtung Kurve«, das Autofahrer, die aus Richtung Schwalheim kommen, vor der Gefahrenstelle warne. Laut Jan Hofmann ist dieses Schild allerdings viel zu weit vor der Kurve aufgestellt, erziele deshalb nicht die gewünschte Wirkung.

Krank verweist auf die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung (StVO), wonach die Geschwindigkeit stets den Straßen-, Verkehrs-, Sicht und Wetterverhältnissen anzupassen sei. »Die zulässige Höchstgeschwindigkeit kann eben an dieser Stelle nicht ausgereizt werden.« Eine Verpflichtung, Richtungspfeil-Schilder in dieser 90-Grad-Kurve aufzustellen, gebe es laut StVO nicht.

Trotzdem hält Krank die Argumentation des Anwohners für nachvollziehbar. Um weitere Unfälle zu verhindern, sieht er zwei Möglichkeiten. Zum einen die Rückkehr der Richtungspfeile, zum anderen eine begrenzte Tempo-30-Regelung. Beide Varianten will der Erste Stadtrat bei der nächsten Verkehrsschau zur Diskussion stellen.

Gefährliche Kurve in Schwalheim: »Schilderwald«-Novelle

Seit Jahrzehnten wird über den »Schilderwald« in Deutschland diskutiert. Kritiker sehen die Verkehrsteilnehmer durch die Vielzahl von Schildern überfordert und verlangen eine Reduzierung. Nach Ansicht des ADAC ist mindestens ein Drittel der gut 20 Millionen Verkehrsschilder in Deutschland überflüssig. 1997 startete der Automobil-Club in der Kleinstadt Selm (Münsterland) die Aktion »(K)ein Schild in Selm«, bei der eine Woche lang 600 der 1100 Schilder verhüllt wurden. Die Straßenverkehrsbehörde von Selm war von den Ergebnissen beeindruckt, denn in der Folge wurden 43 Prozent der Verkehrszeichen abmontiert.

Auch die Bundespolitik reagierte, um den »Schilderwald« etwas auszulichten. Bei einer Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) wurde Paragraf 45, Absatz 9 neu geschaffen. Darin heißt es unter anderem: »Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen sind nur dort anzuordnen, wo diese aufgrund der besonderen Umstände zwingend erforderlich sind. Dabei dürfen Gefahrenzeichen nur dort verwendet werden, wo es für die Sicherheit des Verkehrs erforderlich ist, weil auch ein aufmerksamer Verkehrsteilnehmer die Gefahr nicht oder nicht rechtzeitig erkennen kann und auch nicht mir ihr rechnen muss.« Für die öffentliche Hand geht es bei der Zahl der Schilder auch ums Geld. Die Kosten pro Stück liegen je nach Größe etwa zwischen 30 und 150 Euro (ohne Verankerung.

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