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Gedenkplatte auf dem Alten Friedhof in Bad Nauheim beschmiert

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Von: Christoph Agel

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Jemand hat auf dem Alten Friedhof in Bad Nauheim die Gedenkplatte beschmiert, mit der an die Opfer des NS-Terrors erinnert wird. Danach ist die Platte schnell gereinigt worden. © pv

Wegen eines Vorfalls in Bad Nauheim hat die Kripo Ermittlungen aufgenommen. Eine Gedenkplatte, mit der an die Ermordeten und Verfolgten der NS-Zeit erinnert wird, ist beschmiert worden.

Auf dem Alten Friedhof in Bad Nauheim gibt es mehrere Stelen, eine davon erinnert an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors. Die Stadt hat den etwa zwei Meter hohen Quarzitstein 1997 errichten lassen. Unten rechts in der Ecke der daran angebrachten Bronzeplatte ist das Datum 27. Januar 1997 zu sehen, der 27. Januar ist der Holocaust-Gedenktag. Dieses Gedenken hat jemand mit Füßen getreten, denn die Platte wurde mit blauer Farbe besprüht.

Der Bad Nauheimer Klaus Ruß hatte der Redaktion am Mittwochvormittag ein Foto der beschmierten Gedenkplatte gesendet, mit dem Zusatz, das Bild am selben Morgen um kurz vor 9 Uhr aufgenommen zu haben. Daraufhin fragte die WZ bei Stadt und Polizei nach, ob die Tat bereits bekannt sei. Das war nicht der Fall.

Polizeiliche Ermittlungen

Auch Martin Fink, dem Vorsitzenden des Fördervereins »Alter Friedhof - Historischer Bürgerpark«, war dies neu. Am Dienstag sei die Schmiererei noch nicht da gewesen, sagte er. »Das wäre mir aufgefallen.« Er habe da einen seiner regelmäßigen Rundgänge gemacht.

Der Gedenkstein für die Ermordeten und Verfolgten des Nationalsozialismus sei die einzige Stele gewesen, die schon da gewesen sei, ehe der Förderverein 2007 die anderen Stelen gesetzt habe, erläuterte Fink. Bisher habe es dort nie Vandalismus beziehungsweise Schmierereien gegeben. Vielmehr hätten Menschen eher Kerzen am Gedenkstein abgestellt. Nie sei etwas Verletzendes oder Zerstörendes vorgekommen. Bis zum Vorfall mit der blauen Farbe.

Die Schmiererei ist nicht als ein Symbol zu erkennen, ein Hakenkreuz beispielsweise soll es wohl nicht darstellen. Dennoch: Eine Gedenkplatte für die Opfer des Nationalsozialismus wurde geschändet. »Nach unserem Gespräch heute Vormittag haben wir von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.«, teilte Tobias Kremp, Sprecher der Wetterauer Polizei, am Mittwochnachmittag der Redaktion mit. Eigentlich wird bei Sachbeschädigung nur dann ein Verfahren eingeleitet, wenn jemand Strafanzeige stellt. Doch es gibt Ausnahmen. Kremp verwies auf den Paragrafen 303c des Strafgesetzbuches (StGB). Darin heißt es, dass »die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten« halten könne. Zudem komme es darauf an, was konkret beschädigt worden sei. »Da hier eine Gedenktafel beschmiert wurde, ermittelt unserer Kriminalpolizei nun, unter anderem wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung (§304 StGB).« Wäre beispielsweise ein Hakenkreuz geschmiert worden, dann hätte dies zudem Ermittlungen aufgrund der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zur Folge gehabt. Im Fall der beschmierten Gedenkplatte in Bad Nauheim ermittelt die Kriminalpolizei wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung und prüft auch einen möglichen politisch motivierten Hintergrund.

Stadt reinigt die Platte schnell

»Von dem Vandalismusschaden an der Plakette ›Zum Gedenken aller Opfer und Verfolgten des Nationalsozialismus‹ hatten wir noch keine Kenntnis. Ob es sich dabei um eine gezielte Tat oder eine willkürliche Beschädigung handelt, lässt sich nur mutmaßen«, hieß es am Mittwoch aus dem Bad Nauheimer Rathaus. Normalerweise würde die Stadtverwaltung diesen Schaden zur Anzeige bringen, die Ermittlungen seien aber bereits am Laufen. »In jedem Fall wird die Stadt Bad Nauheim für die Reinigung sorgen.«. Letzteres ging ziemlich schnell, denn schon am frühen Nachmittag war die Farbe auf der Gedenkplatte entfernt, etwas Blau war noch auf dem Granitblock zu sehen.

Die Polizei bittet mögliche Zeugen, sich unter Tel. 0 60 31/60 10 zu melden. Sie fragt, inwieweit sich der Tatzeitraum eingrenzen lässt, wem vor Mittwoch um 9 Uhr verdächtige Personen auf dem Gelände aufgefallen sind oder ob jemand die Tat beobachtet hat.

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