Künstler, Freunde des Kunstvereins und Interessierte sind in die Trinkkuranlage gekommen, um nach der Freilufteröffnung die mehr als 100 Werke in der Galerie grüppchenweise und mit Mundschutz zu betrachten.	FOTO: HMS
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Künstler, Freunde des Kunstvereins und Interessierte sind in die Trinkkuranlage gekommen, um nach der Freilufteröffnung die mehr als 100 Werke in der Galerie grüppchenweise und mit Mundschutz zu betrachten. FOTO: HMS

Galerie in Sommerfarben

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim (hms). Rund 100 Objekte hängen und stehen bei der Ausstellung »Inside.art« des Kunstvereins in der Trinkkuranlage. Doch wohin unter Corona-Bedingungen mit den 54 Künstlerinnen und Künstlern, die bei der Eröffnung natürlich dabei sein wollen? Vom interessierten Publikum ganz zu schweigen. Erster Stadtrat Peter Krank begrüßte die Kunstschar einfach draußen.

Wein und Brezeln, wie üblich zur Vernissage, hatte Corona verschluckt. Den Blick auf Kunst jedoch nicht. »Die Kurstadt hat sich zu einer kleinen Metropole entwickelt. Dazu tragen die Aktivitäten des Kunstvereins entscheidend bei«, lobte Krank die aufwendige Organisation und Vielfalt der Exponate. »Kunst will verbinden, dazu muss man sie sichtbar machen. Wir brauchen in dieser Zeit Impulse. Sie lassen andere daran teilhaben«, bedankte er sich bei den Mitgliedern und Kuratorin Karin Merchel.

Inzwischen seien viele künstlerische Aktivitäten wieder lebendig geworden, anregend, aufregend, kreativ - es sei fast wie eine Bürgerbewegung. Krank stand dabei unter dem Gerüst, das zur energetischen Dachsanierung aufgebaut ist. Mit Blick auf die gegenüberliegende, derzeit ungenutzte Seite des Cafés ließ er seinen Gedanken freien Lauf und meinte, man könne doch dort vorübergehend die städtische Spielstätte unterbringen und somit eine Kulturoase schaffen. Diese Idee gefiel den Anwesenden ebenso wie seine ermunternden Worte, weitere Künstler an den Kunstverein zu binden. Die Mitgliederausstellung ist dazu besonders geeignet, denn es sind Menschen aus Bad Nauheim, die im Malen ihre Erfüllung finden, und die so mancher von dieser Seite her nicht kennt. Doreen Hofbeck-Pfister, eine etablierte Künstlerin, zeigt in der Rotunde ein großformatiges, expressionistisches Floralmotiv. Es sei aber nicht verkäuflich, sagte sie, der Familienrat habe es so beschlossen. Die anderen Werke haben Preise zwischen 90 und 13 000 Euro. Man könnte sich zum Beispiel die plastischen knallroten Kirschen von Susan Thormann an einer großen freien Wand vorstellen.

Oder »Summertime« von Pauline Heiligenthal, von der Karin Merchel sagt, sie male mit dem Foto. Farbkräftig und glänzend strahlt das Hochformat eine besondere Faszination aus. Reimund O. Boderke malt mit Sand, zeigt aber auch eine Collage aus Plakaten.

»Unsere Mitglieder sind in unterschiedlichen künstlerischen Entwicklungsprozessen. Neben denen, die in der Kunst eine Möglichkeit zur rein persönlichen Entfaltung sehen, gibt es eine ganze Reihe mit langjähriger Erfahrung, die auch internationale Wege gehen«, erklärt Merchel und zeigt zwei Werke von Petra Reissmann.

Bekannt ist die Bad Nauheimer Kunstszene inzwischen weit über die Wetterau hinaus. Chunqing Huang hat ihr Atelier in Frankfurt und hätte hier am liebsten eine Einzelpräsentation. Die Städelschülerin wurde Mitglied im Kunstverein und zeigt jetzt wenigstens eine ihrer imposanten Kompositionen in satten Ölfarben auf Leinwand: »Abenteuer auf Sizilien.«

Als Kurgast verlor Markus Staab sein Herz in der Galerie. Er ist mit upcycleten Stühlen und einem auffallenden Gemälde, über dem »Holbein« steht, vertreten. Es lohnt sich, diese vielseitige Ausstellung zu besuchen und Künstlergespräche wahrzunehmen.

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