Vollziehen den ersten Spatenstich (v. l.): Matthias Mroncz (Fachdienstleiter Stadtplanung), Steffen Schneider (Fachbereichsleiter Kur- und Servicebetrieb), Lara Knüppe, Peter Krank, Klaus Kreß, Tobias Hoffmann, Jochen Mörler, Heiko Heinzel (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung), Oliver von Massow und Bernd Werner.
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Vollziehen den ersten Spatenstich (v. l.): Matthias Mroncz (Fachdienstleiter Stadtplanung), Steffen Schneider (Fachbereichsleiter Kur- und Servicebetrieb), Lara Knüppe, Peter Krank, Klaus Kreß, Tobias Hoffmann, Jochen Mörler, Heiko Heinzel (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung), Oliver von Massow und Bernd Werner.

Areal für die Jugend

Eine Idee der Jugend wird Wirklichkeit: Spatenstich für »Freiraum« in Bad Nauheim

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Platz für Jugendliche gilt als rar in Bad Nauheim. Dieser Zustand dürfte sich bald deutlich verbessern. Am Donnerstag gab es den ersten Spatenstich für den »Freiraum« im Goldsteinpark.

Bad Nauheim – Im oft so stillen Goldsteinpark in Bad Nauheim ist am Donnerstagvormittag Leben. Kinder spielen auf der Wiese, ein Team städtischer Erzieherinnen und Erzieher bildet sich im KIKS-UP-Gebäude fort. Im Greifvogelpark machen sich die Falkner Stefan Zwätz und Ernst Marscheck für den Besuch einer Schulklasse fertig. Es ist aber noch etwas anderes los: Ein Bagger steht an der Stelle, an der sich früher die Bühne der Landesgartenschau befunden hat. Spaten stecken in einem Erdhaufen, Bürgermeister Klaus Kreß und andere Beteiligte gehen darauf zu. Gleich werden sie den ersten Spatenstich für den »Freiraum« in Bad Nauheim vollziehen, einen künftigen Anlaufpunkt und Aufenthaltsort für junge Menschen.

Lange kämpfte der städtische Jugendbeirat dafür. Nun, nach vielen Jahren der Vorbereitung, ist es endlich so weit. »Zeiträume sind für Jugendliche etwas anderes als für Erwachsene«, sagt Jochen Mörler, der städtische Fachbereichsleiter für Soziales und Kultur. Insofern sei es nicht selbstverständlich gewesen, dass der Jugendbeirat über mehrere Wahlperioden am Ball geblieben sei.

„Freiraum“ in Bad Nauheim: Einst Skater-Anlage im Rennen gewesen

»Es ist der guten Arbeit von Tobias Hoffmann geschuldet«, sagt Mörler und schaut zum Leiter des städtischen Kinder- und Jugendbüros. Der steht neben der stellvertretenden Jugendbeiratsvorsitzenden Lara Knüppe, die sich über den Baustart freut. »Die Idee war sehr früh da - schön, dass es Wirklichkeit wurde«, sagt die 18-Jährige. »Wir haben eine Basis geschaffen«, beschreibt Stadtverordnetenvorsteher Oliver von Massow die Fortschritte.

Viele Hindernisse waren auf dem Weg bis zum ersten Spatenstich zu überwinden. Schon vor vielen Jahren wünschte sich der Jugendbeirat eine Skater-Anlage, die der Lions Club Hessischer Löwe finanzieren wollte. Das Projekt scheiterte an den geplanten Ausmaßen von 3000 Quadratmetern, was Vertreter der städtischen Politik teilweise zu groß fanden. Ein zweiter schwieriger Punkt war, dass die Greifvogelfreunde ebenfalls in den Goldsteinpark wollten. Sensible Tiere einerseits, ein mutmaßlicher Lärmpegel andererseits - das schien nicht kompatibel zu sein.

Stadt investiert 400.000 Euro in das Konzept „Freiraum“ in Bad Nauheim – nach den Ideen der Jugend

Irgendwann änderten sich die Pläne, kam das Konzept des »Freiraums« ins Spiel, konzipiert nach Ideen der Jugend. Das Ganze nun doch in jener Nachbarschaft, die zunächst als unvereinbar galt: dem Falknerpark mit seinen Tieren. 400 000 Euro investiert die Stadt in den »Freiraum«, wie Bürgermeister Kreß mitteilt. Das Geld ist im Haushaltsplan eingestellt. Bühne, Arenen für Soccout und Disc-Golf, ein Basketballfeld und Tischtennisplatten werden im Frühjahr voraussichtlich fertig sein. Es wird WLAN geben, am KIKS-UP-Haus ist ein Trinkbrunnen geplant.

Die Sitzgelegenheiten im überdachten Begegnungsraum werden aus robusten Materialien gestaltet, denn Vandalismus soll möglichst keine Chance haben. Die Ecke des Parks ist abgelegen. Doch da im Bad Nauheimer Goldsteinpark künftig mehrere Gruppierungen aktiv sind, darunter seit zehn Jahren die Goldsteinfreunde, hoffen Kreß und Erster Stadtrat Peter Krank auf die intensiver werdende soziale Kontrolle.

Keine Probleme mit der Koexistenz von „Freiraum“ und Greifvogelpark in Bad Nauheim

Die Beteiligten schwingen nun die Schaufeln zum ersten Spatenstich, dann legt der Bagger mit der Arbeit los. »Wir freuen uns sehr, hier tätig zu werden«, sagt der Inhaber der Garten-und-Landschaftsbau-Firma, Bernd Werner.

Mittlerweile sind die Kinder, die anfangs auf der Wiese spielten, zu den Greifvogelfreunden gegangen. Wie Vorsitzender Stefan Zwätz dort erläutert, sieht er keine Probleme in der Koexistenz beider Nutzungen. Jüngst stellte der Verein Juka (Jugendkultur und Jugendarbeit) sein Event »Couch n’ Sofa« im Goldsteinpark auf die Beine. »Ich habe morgens beim Juka gebeten, sie möchten die Musik anmachen, in der Lautstärke, wie sie es haben werden«, erzählt Zwätz. Die Geräusche, die er maß, hätten bei 60 Dezibel gelegen, was nicht störend sei. Zwätz nimmt Schleiereule Seppl auf die Hand. Seppl schaut und lässt sich streicheln.

Für die Interessen der Jugendlichen

Seit 1998 sind hessische Kommunen verpflichtet, Kinder und Jugendliche an politischen Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss die Bildung eines Jugendbeirats im Juni 2003 einstimmig - gegen den Willen des Bad Nauheimer Magistrats. Der hatte dafür plädiert, den Jugendlichen stattdessen projektbezogene Arbeit anzubieten. Laut seiner Geschäftsordnung vertritt der Jugendbeirat die Interessen der Jugendlichen aus Bad Nauheim. Das Gremium berät die Organe der Stadt in allen Angelegenheiten, die Jugendliche berühren. Stadtparlament, Magistrat und Ausschüsse, insbesondere der Sozialausschuss hören den Jugendbeirat zu allen wichtigen Angelegenheiten, die Jugendliche betreffen. Der Jugendbeirat hat ein Vorschlagsrecht.

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