»Ich finde nichts Bezahlbares«

Friedberg/Bad Nauheim: Für Frauen ist es schwierig, eine Wohnung zu finden

  • vonPetra Ihm-Fahle
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»Ich finde nichts Bezahlbares.« So geht es Frauen, die wenig Geld haben und in der Region Friedberg/Bad Nauheim eine Wohnung suchen. Eine Rentnerin erzählt.

  • Frauen finden in der Region Friedberg/Bad Nauheim oft lange keine Wohnung.
  • Mit privaten Vermietern gibt es oft schlechte Erfahrungen.
  • Auch für 30-Quadratmeter-Wohnungen werden in der Region Friedberg/Bad Nauheim oft hohe Mieten verlangt.

Friedberg/Bad Nauheim - Die Frau will ihren Namen nicht sagen und nicht aufs Foto. In den Räumen des Frauenzentrums Wetterau in Friedberg erzählt die 65-Jährige, was sie bei der Wohnungssuche mitgemacht hat. Sie ist Rentnerin, verdient ein bisschen dazu. Bei dem Gespräch dabei ist Jutta Fenske, Mitarbeiterin des Frauenzentrums.

»Vier Jahre habe ich in meiner letzten Wohnung gelebt und von Anfang an gesagt: ›Hier ist etwas Schimmel drin‹«, erzählt die Seniorin. Schimmel-Ex schaffte Abhilfe, doch nach einem halben Jahr war die Tapete im Flur wieder grau, trotz regelmäßigem Lüften. Der Vermieter wiegelte ab, das Schimmelproblem wuchs. »Meine Kinder sagten, ich solle ausziehen«, blickt die Frau zurück. Sie bewarb sich bei den Wohnungsbaugesellschaften in Bad Nauheim, Butzbach und Friedberg, was innerhalb eines Dreivierteljahrs zum erfolgreichen Abschluss eines Mietvertrags führte. »Die Wohnung ist bezahlbar, auch wenn ich mal nicht mehr arbeiten werde«, freut sie sich.

Eine günstige Mietwohnung zu finden ist ohnehin nicht einfach. Frauen, alleinstehende und auch alleinerziehende, haben es noch ein wenig schwerer, den potenziellen Vermieter zu überzeugen. Das sagt Jutta Fenske vom Frauenzentrum. FOTOS: DPA/IHM

Region Friedberg/Bad Nauheim: Schlechte Erfahrungen mit privaten Vermietern

Bewusst habe sie nicht mehr »privat« gesucht. »Denn es war schon die zweite Wohnung, in der ich schlechte Erfahrungen mit privaten Vermietern gemacht habe.« Es sei schwierig, denn sie habe sich als alleinstehende Frau auf Wohnungssuche oft nicht ernst genommen gefühlt. »Vielleicht denken die Leute, man kann nicht bezahlen. Sehr oft bekam ich Absagen.« Große Ansprüche habe sie nicht, sie suchte nach zwei Zimmern, Küche, Bad und Keller.

In sieben Jahren siedelte sie fünfmal um, etwa, weil Vermieter Eigenbedarf ankündigten. Ein anderes Mal war sie in einen Ort gezogen, in den sie nicht wollte, bloß, weil sie nichts Besseres fand. Und sie wollte wieder zurück in die Nähe der Kinder. »Es gibt viele Wohnungen, aber vieles kann man nicht beziehen. Es ist dunkel, man hat das Gefühl, im Keller zu sitzen. Mir wurde einmal eine Wohnung mit Toilette im Treppenhaus und Dusche in der Küche angeboten. Da muss man schon ein bisschen auf sich achten und sagen, ich bin mir etwas mehr wert«, konstatiert sie. Viele Wohnungen seien nicht bezahlbar. »Und wenn doch, waren sie zu klein.« Als Beispiel nennt sie 500 Euro kalt für eineinhalb Zimmer in Bad Nauheim. »Manchmal sind es nur 30 Quadratmeter. Man kann sich kaum umdrehen, und die Kaltmiete beträgt mindestens 400 bis 450 Euro. Wer soll das denn bezahlen?«

Wohnungen in der Region Friedberg/Bad Nauheim: „Vermieter, die junge attraktive Frauen bevorzugen“

Sie suchte und suchte. »Immer in einer inneren Unruhe. Man kann nicht schlafen, nicht essen, weil man Frust in sich hat. Man kommt sich so ungewollt vor. Und ich musste immer gucken, ob ich den nächsten Umzug bezahlen kann.« Bei der Eigenbedarfskündigung habe sie sich gefragt: »Was passiert, wenn ich keine Wohnung finde?« Sie hätte ins Gästezimmer der Tochter gekonnt, das wäre aber kein Dauerzustand gewesen. Nun ist sie gerade umgezogen, fühlt sich wohl: Mit Sonne, zwei schönen Zimmern und netten Nachbarn.

Jutta Fenske vom Frauenzentrum in Friedberg hat öfter mit Frauen zu tun, die wegen der Wohnungssuche unter Druck stehen. »Frauen haben oft ein niedriges Einkommen, und wenn sie dann noch Kinder haben und alleinerziehend sind, ist es schwierig. Es gibt auch Vermieter, die junge attraktive Frauen bevorzugen und dabei andere Ideen haben.« Gerade Frauen, die im Frauenhaus waren, hätten einiges hinter sich und seien schnell einzuschüchtern. Sie hätten »gute Chancen«, an Vermieter zu geraten, die das ausnutzten. »Daher ist es wichtig, dass öffentliche Gesellschaften ein Angebot machen können«, betont Fenske. Zum Frauenzentrum kämen Frauen mit allen möglichen Sorgen. »Wir sind eine Anlaufstelle im Wetteraukreis für Frauen, die in Not sind. Eine Wohnung können wir nicht vermitteln, aber die Frauen unterstützen. Wir sprechen mit ihnen alles durch: Was sie machen und wohin sie sich wenden können, wer ihnen Auskunft gibt, wie hoch die Miete sein darf.« (Petra Ihm-Fahle)

Auch wenn das Coronavirus weiterhin wütet – die Wohnungssuche lässt sich bei gekündigtem Mietvertrag nicht aufschieben. Aber was gilt während Corona bei Wohnungsbesichtigungen?

Rubriklistenbild: © Petra Ihm-Fahle

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