Bundes-Programm

Förderprogramm: Firmeninhaber verliert einen Monat durch Warten

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Der Bad Nauheimer Karsten Dietz hat einen Antrag für ein Förderprogramm des Bundes für Unternehmensberatung gestellt. Was er nicht wusste: Er hatte gar keine Chance, davon zu profitieren.

Schwierig war es in der Branche ohnehin schon geworden. Doch, sagt Karsten Dietz: Mit dem Beginn der Corona-Pandemie »haben sich die ersten Firmen wie Schildkröten in ihr Gehäuse zurückgezogen«.

Der Bad Nauheimer Solo-Unternehmer hat sich mit seiner Firma »WKD-Solution« auf die Automatisierung von chemisch-physikalischen Anlagen spezialisiert - zum Beispiel Filtrationsanlagen, die industrielle Abwässer klären. Er baut die Steuerungen für solche Anlagen. Sein Hauptgeschäft besteht jedoch neben dem Bau aus dem sogenannten After Sale Support. Bedeutet: Fernwartung der Anlagen für seine Kunden, die meisten davon international tätige Firmen. Der Service ist auf Vertragsbasis 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche verfügbar. Sollte es also ein Problem mit einer Anlage geben, erklärt Dietz, kann er jederzeit darauf zugreifen, den Fehler analysieren und entweder telefonisch oder zur Not durch eine Anreise direkt vor Ort beheben.

Doch dann kam der Februar. Der Kundenstamm sei gebröckelt, die ersten Verträge gekündigt worden. Letztlich seien von zwölf Verträgen zwei übriggeblieben, »wovon nur noch ein Kunde aktiv ist«.

Wieso die Firmen ihre Verträge gekündigt haben, kann sich Dietz nur mit deren Angst vor den finanziellen Folgen der Corona-Krise erklären. »Ich kann nur spekulieren: Sie versuchen wohl, alles Geld zusammenzuhalten.« Und Abwassertechnik sei nichts, was Geld bringe.

Eine weitere Vermutung: die Angst davor, sich durch externe Dienstleister das Virus in die Firma zu holen.

So oder so: Dietz braucht eine Alternative. Er habe sich durch das Angebot an staatlichen Hilfen gearbeitet und die sogenannte Corona-Soforthilfe bekommen. Zudem stieß er auf ein Förderprogramm des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Dieses Programm, am 3. April aufgelegt, garantierte die 100-Prozent-Förderung (bis zu 4000 Euro) einer Unternehmensberatung für »Corona-betroffene« Firmen.

Der Firmeninhaber bewarb sich. Von einer Beratung erhoffte er sich Ideen - »dazu, wie ich mich verändern kann. Denn das muss ich jetzt.«

Wie er berichtet, reichte er einen Antrag beim RKW ein (Verein Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft) und sprach mit Mitarbeitern der IHK, die ihm einen Unternehmensberater empfahlen. Der Kontakt kam zustande. Die BAFA-Förderung allerdings nicht.

Dietz wartete über einen Monat auf eine Zusage, bis er sich schließlich erkundigte: »Da ich in den nächsten Wochen eine Entscheidungen bezüglich der Zukunft meiner Firma treffen muss, wird die Sache langsam dringend.«

Die Antwort vom RKW: Leider müsse man mitteilen, dass das BAFA-Programm seit dem 16. April auf Eis gelegt sei. Zu viele Unternehmen hätten sich beworben. Zudem hätten sich zu viele unseriöse Berater listen lassen wollen. Aktuell sei eine Beratung mit Eigenbeteiligung möglich.

Die Begründung auf der Homepage des Amts klingt ähnlich: »Das BAFA hat (...) mehr Anträge erhalten als an Haushaltsmitteln zur Verfügung gestellt werden konnte«, heißt es dort. Allerdings gibt es diese Information erst seit Ende Mai.

Als Dietz seinen Antrag gestellt hat, am 28. April, war offiziell keine Rede davon, dass das Programm gestoppt worden ist. Die Möglichkeit, eine Förderung zu erhalten, gab es aber längst nicht mehr.

Bereits zwei Wochen nach Programmstart, so berichtete es die »Süddeutsche Zeitung«, waren so viele Anträge eingegangen (rund 12 000), dass intern festgelegt wurde, keine weiteren anzunehmen.

Doch bis in den Mai gab es auf der BAFA-Homepage Infos rund um die Fördermittel und das Bewerberverfahren.

Laut »Süddeutsche«-Bericht haben sich bis dahin noch mehr als 21 000 Antragssteller um die Förderung beworben.

Da das nicht kommuniziert worden ist, sagt Dietz, hat er »einen wertvollen Monat in einer Warteschlange gestanden, die kein Ziel hat.« »Für mich und meine Firma bedeutet das, dass ich die Kosten aus den bereits sehr geringen Liquiditätsreserven bzw. privaten Rücklagen bezahlen muss.« Und, sagt er: »Vielleicht mag der Shutdown für die Regierung vorbei sein, in meinem Geschäft fangen die Wirkungen erst an.«

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