"Pater" Holger Paetz arbeitet sich im Theater am Park an den Parteien, der Gesellschaft und den Bayern ab. 	FOTO: HKR
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»Pater« Holger Paetz arbeitet sich im Theater am Park an den Parteien, der Gesellschaft und den Bayern ab. FOTO: HKR

Für SUV und Fleischverzehr

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Bad Nauheim (hkr). Ein Schaumschläger will er nicht sein, aber wenn Holger Paetz jedes Frühjahr im Theater am Park in die Rolle des Paters mit dem Schalk im Nacken schlüpft ist klar, dass nicht nur gegen alles und jeden gewettert wird. Die Predigt im Auftrag des Herrn ist Chance und Herausforderung. Mit seiner »Bußpredigt« legt er den Finger in die Wunde. Paetz als Mann in schwarzer Soutane und mit erhobenem Zeigefinger, fester Stimme und strengem Blick schaut dem Volk aufs Maul und fordert eindringlich: »Fürchtet euch!«

Den Aufruf will der Münchener Kabarettist nicht nur wohlverstanden wissen, auch Biss und Doppeldeutigkeit haben es in sich. Genauso wie aufgesetzte Frömmigkeit und Doppelmoral, Heuchelei mit Hintertür und verstaubte Dogmen von der Kanzel. Paetz nimmt kein Blatt vor den Mund, auch wenn das Programm »Fürchtet euch!« ein weitreichender Rundumschlag ist, der rote Faden ist »von allem etwas«.

Der Prediger sucht sich dabei sein »gottesflüchtiges« Volk, prangert mit Engelszungen die Maßlosigkeit allerorts an und spricht sich für »Seelenreinigung« aus, die sich jedes Jahr in der Kollekte ernüchtert.

Auf der Suche nach der »reinen Wahrheit« zeigen sich die Gläubigen widerspenstiger als gedacht: Der Weltschmerz wird durch Weizenbier abgelöst, und die Seelenpein-Ansagen haben im Smartphone-Zeitalter bei der Jugend ihren Reiz eingebüßt. Im Zeitalter der Neuorientierung müsse selbst die CSU eine konfessionelle Selbstfindung neu auflegen, um dem »Karneval der Deppen« zu widerstehen. In Bayern wanken die Institutionen, und im Osten obsiegen die Nationalisten, Zeit, sich gegen die Selbstzersplitterung wortgewaltig zu erheben.

Der »Pater« ist dabei Allzweckwaffe, Zweifler im Auftrag des Herrn, aber auch moralische Instanz gegen politischen Verfall. Auch in Bayern ist eben nicht alles okay, »ruppig, aber geschmeidig« müsse sich auch Söder gegen das Vordringen der Glatzen wehren. auch wenn er sich mit Grammatik und Syntax schwertue. Paetz als »Pater« auf der Suche nach der Sinnsuche wettert gegen den ADAC und den Irrsinn mit dem Tempolimit, alles »ökologischer wie ökonomischer Quatsch«. An der SPD arbeitet sich die Bußpredigt gleich mehrfach ab, am »Schlitzohr« Gabriel lässt er kein gutes Haar, und die Doppelspitze sei eine Farce im Schatten von Brandts Erbe.

Dass die CSU mit dem Verkehrsminister auch nicht ideal aufgestellt sei, will Paetz nicht verheimlichen, und auch bei der Verteidigung habe die CSU schon Haare lassen müssen.

Übers Ziel hinaus

Der Prediger kehrt jetzt mal richtig aus, eine neue Politik brauche das Land und weniger Populismus. Der »Pater« setzt der Radikalisierung die Vernunft entgegen, mit Wortwitz für Bockbier und Digitalisierung nach Maß.

Die pointierten Aufreger richten sich gegen einseitige pseudoanspruchsvolle »Fridays for Future«-Aktivisten und ihre Klimaziele. Paetz fürchtet sich vor Greta und Co. und spricht sich für SUVs und Fleischverzehr aus - mit Maß und Selbstironie. Natürlich ist Paetz die Welt nicht egal, aber sein Pater schießt im Theater am Park auch mal über das Ziel hinaus.

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