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Filmproduzentin Christina Christ im WZ-Gespräch

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Schwanger, gestresst und in New York – Sarah (Mina Tander) und Jan (Christian Ulmen) sind in den Flitterwochen. Doch es gibt ein Problem. 
	(Fotos: Fox/pv)
Schwanger, gestresst und in New York – Sarah (Mina Tander) und Jan (Christian Ulmen) sind in den Flitterwochen. Doch es gibt ein Problem. (Fotos: Fox/pv) © pv

Bad Nauheim (sda). Die Bad Nauheimerin Christina Christ hat den Film »Antonio, ihm schmeckt’s nicht« produziert. Im Interview erzählt sie, wieso Schwiegerväter schwierig sind und warum Bad Nauheim für sie Klein-München ist.

Ein Ehepaar und ein Schwiegervater sind auf Reisen, einem schmeckt es nicht. Was ist das Problem?

Christina Christ: Antonio schmeckt es überhaupt nicht, dass seine Tochter Sara mit Jan eine eigene Familie gründet, dass er als Familienoberhaupt abgelöst wird. Sara ist schwanger, Antonio freut sich natürlich auf den Nachwuchs. Er ist aber im Zwiespalt, er geht jetzt in Rente, hat nicht mehr den Hut in der Familie auf und das macht ihm schwer zu schaffen.

Deswegen, so die Ausgangssituation des Films »Antonio, ihm schmeckt’s nicht«, kommt er mit in die Flitterwochen seiner Tochter nach New York. Fans der Stadt können sich auf Sightseeing-Szenen freuen. Wer wird noch Spaß an dem Film haben?

Christ: Jeder, der Spaß an Familie hat, kann etwas wiederfinden, was ihm Freude bereitet. Ob es der italienische Papa, der deutsche oder der türkische ist. Familienkonstellationen bringen immer viel Liebe, aber auch ein großes Chaos und dadurch eine ordentliche Portion Komik mit sich.

Vor allem Schwiegervater-Schwiegersohn-Beziehungen. Sind die wirklich so kompliziert?

Christ: Ich glaube, Väter möchten ihre Töchter beschützen, sie wollen, dass sie in die besten männlichen Hände geraten. Wenn es sich dann um einen italienischen Vater wie Antonio handelt, fällt es umso schwerer, die geliebte Tochter in andere Hände zu geben. Das lernt Antonio auch: Dass er ein bisschen loslassen muss. Eigentlich liebt er auch seinen Schwiegersohn, aber er macht es ihm nicht ganz leicht.

Was, so heißt es in einer Filmkritik, zu einer turbulenten, witzigen Handlung führt. In einer anderen Kritik heißt es aber, der Film sei vorhersehbar. Was sagen Sie dazu?

Christ: Der Film ist definitiv eine turbulente, witzige, aber auch emotionale Familienkomödie. Vorhersehbarkeit ist immer so eine Sache, gerade bei Komödien. Aber wichtig ist doch, dass der Zuschauer mit Spaß bis zum Ende dabei bleibt und mit einem guten Gefühl abgeholt wird. Und ich denke, das ist uns hier im besten Sinne gelungen.

Sie haben auch einige Tatort-Folgen mit produziert, etwas ganz anderes. Wie kam es jetzt zu der Komödie?

Christ: Ich mag unterschiedliche Genres und Abwechslung. Es macht mich bei meiner Arbeit sehr glücklich, diese unterschiedlichen Formate bedienen zu dürfen.

Thema Arbeit: Im WZ-Archiv gibt es einen Artikel, in dem es um Ihren Besuch bei Angela Merkel geht. 2003 war das. Sie wurden geehrt als Deutschlands beste Auszubildende als Kauffrau für audiovisuelle Medien. Der erste Schritt zu Ihrer Arbeit als Produzentin?

Christ: Genau, ich habe die Ausbildung bei dem Fernsehsender RTL II gemacht und habe meine Arbeit vertieft, indem ich an der Hochschule Fernseh- und Filmproduktion studiert habe.

Im Artikel steht auch über Sie: »Dass solch ein Wirbel um sie gemacht wird, ist ihr fast ein bisschen unangenehm.« Haben Sie sich deswegen für die Produktion entschieden – weil Sie hinter der Kamera stehen?

Christ: Ich liebe das Mischverhältnis von kreativer und organisatorischer Tätigkeit. Die Produktion ist genau das Richtige für mich, weil sie beide Komponenten verbindet.

Gehen wir noch weiter zurück: Sie sind in Bad Nauheim aufgewachsen, haben Abi an der St-Lioba-Schule gemacht. Bleiben wollten Sie nicht?

Christ: Ich bin der Stadt sehr verbunden, weil meine Familie und sehr gute Freunde dort leben. Ich freue mich auch immer zurückzukommen. Natürlich bietet Bad Nauheim keine Filmhochschule, deswegen hat mich mein Weg nach München geführt. Hier habe ich mich wohlgefühlt, habe mich verliebt und auch meinen Traumjob gefunden, weswegen ich letztlich geblieben bin. Ich finde aber, dass es zwischen München und Bad Nauheim einige Parallelen gibt.

Zum Beispiel?

Christ: Bad Nauheim ist für mich ein bisschen Klein-München. Beide Städte sind sehr gepflegt und liebevoll gestaltet.

Sie haben einmal über sich gesagt, Sie sind ein weiteres »Bad Nauheimer Filmgewächs«. Ihr Kollege Doron Wisotzky beispielsweise kommt auch aus Bad Nauheim. Benjamin Herrmann aus Friedberg. Zufall oder ist die Wetterau wirklich eine Filmemacher-Region?

Christ: Schwer zu sagen, aber es ist schon auffällig, wie viele tolle Kollegen von dort kommen. Vielleicht liegt es unter anderem daran, dass Bad Nauheim ein wunderschönes kleines Kino hat. Das war schon immer ein Punkt, an dem man sich gesammelt hat, ich bin oft und gerne ins Kino gegangen. Es ist auch eine Stadt, in der man viel Freiraum hat, um sich zu entfalten.

Und vielleicht, um einen Film zu drehen?

Christ: Es wurden schon tolle Filme in Bad Nauheim gedreht. Ich habe mich besonders über die ZDF-Serie »Morgen hör ich auf« mit Bastian Pastewka gefreut und darüber, hier so viel von meiner Heimat wieder zu entdecken – das war ein bisschen wie Postkarten anschauen. »Hin und weg« wurde auch zu Teilen in Bad Nauheim gedreht.

Es fehlt noch ein Elvis-Film, am Wochenende, wenn Sie Ihren Film im »Fantasia« zeigen, ist übrigens Elvis-Festival. Wäre das nicht was, ein Biopic zum Beispiel?

Christ: Trotz meiner Verbundenheit zu der Stadt bin ich nicht der größte Elvis-Hörer. Deswegen habe ich Bad Nauheim nie als Elvis-Kulisse wahrgenommen, sondern als Stadt, die noch sehr viel Raum für anderes bietet.

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