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In den nächsten Tagen erwartet Okan Demirtas eine weiterhin steigende Nachfrage nach medizinischen Masken. Die hatte der Bad Nauheimer EInzelhändler bereits während des ersten Lockdowns im Sortiment.

Neue Corona-Bestimmung

FFP2-Masken: Menschen im Wetteraukreis sind Pflichtbewusst, aber nicht begeistert

  • vonPetra Ihm-Fahle
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In Hessen ist es jetzt Pflicht, in bestimmten Bereichen medizinische Masken zu tragen. Wie denken Menschen in Friedberg und Bad Nauheim darüber?

Friedberg/Bad Nauheim - Das Wetter ist trüb, mittags war am Samstag aber trotzdem eine Menge in der Stresemannstraße in Bad Nauheim los. Es ist Tag eins der Pflicht, medizinische Masken in Hessen zu tragen: in Geschäften, im öffentlichen Personennah- und Fernverkehr und in Gottesdiensten. Die WZ will sich umhören, was Bürger darüber denken. Aber anders als Ende April, als das Land das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen anordnete, sind die Passanten nicht sehr auskunftsfreudig.

Im Frühjahr zeigten viele Gesprächspartner bereitwillig ihre genähten Masken, erzählten darüber und ließen sich gern damit ablichten. Die Maske war wie ein neues Kleidungsstück. Diesmal hingegen winken viele Menschen ab. »Dazu sage ich lieber nichts«, grummelt ein Mann.

Dann muss es eben ein Blick in den Tegut-Markt tun: Fast alle Kunden haben entweder eine blaue OP- oder eine weiße FFP2-Maske auf. Manch einer trägt die OP-Maske allerdings falsch herum, sprich, die weiße Seite zeigt nach außen statt nach innen.

FFP2-Masken: Weniger Luft als durch Stoffmasken

Wieder im Freien, lässt sich ein junges Paar in blauen OP-Masken auf die Fragen ein. »Wir haben schon vorher medizinische Masken getragen, aber auch Stoffmasken«, sagt der 28-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Seine Begleiterin erklärt, komplett auf die medizinischen Modelle umsteigen zu wollen, auch wenn es Bereiche gibt, in denen Alltagsmasken noch erlaubt sind. »Dann sind wir auf der sicheren Seite«, findet die 24-Jährige.

Ein 52-jähriger Bad Nauheimer mit FFP2-Maske will das ebenso handhaben. »Ich habe die Maske gekauft, weil die neuen Auflagen da sind. Vorher habe ich die Stoffmasken getragen und auch regelmäßig«, erzählt er. OP-Masken findet er nicht gut, »selbst die Stoffmasken liegen enger an«. Die Kosten für eine FFP2-Maske stören ihn nicht, wie er betont: »Man kann das Geld schlechter anlegen.«

Schwenk nach Friedberg, wo Marco Heidrich aus Ockstadt in einen Drogeriemarkt auf der Kaiserstraße will. Seine FFP2-Maske besitzt er erst seit Freitag. »Ich war gestern eine halbe Stunde damit einkaufen und fand es anstrengend. Man merkt, dass man weniger Luft bekommt als durch die Stoffmaske, die ich vorher hatte«, erzählt er. Zudem findet der 26-Jährige FFP2-Masken kostspielig, da sie nicht unbegrenzt tragbar sind.

Wetteraukreis: Apotheken sehen keinen Engpass bei FFP2-Masken und OP-Masken

Kaufen kann man die Masken in Apotheken, etwa der Engel-Apotheke in Friedberg. »Einen Engpass gibt es nicht, zumindest bei allem, was Erwachsenenmasken anlangt. Und wir spüren auch wieder eine vermehrte Anfrage«, erklärt Filialleiterin Gisela Jeschke. Das gelte für OP- wie FFP2-Masken gleichermaßen.

»Engpässe gibt es zurzeit nicht«, sagt auch Erich Basten, Inhaber der Central-Apotheke in Bad Nauheim. Probleme sieht Basten allerdings bei der Versendung der Berechtigungsscheine durch die Bundesregierung, wonach Senioren zweimal sechs FFP2-Masken in den Apotheken bekommen können. »Es kommt etwa alle halbe Stunde jemand, um die Masken abzuholen. Aber es kommen immer wieder auch Leute, die fragen, wie es eigentlich funktioniert.«

In der Kurstadt verkauft unter anderem auch Okan Demirtas (»Pamukkale Store«) Masken. »Seit dem ersten Lockdown hatten wir schon sehr viele Masken, als es in den Apotheken keine gab. Zuerst FFP2-, dann dreilagige medizinische Modelle. Die Stoffmasken kamen dann dazu«, erzählt Demirtas. Das Geschäft habe jetzt wieder viel in OP- und FFP2-Masken investiert, sei per Anruf oder Facebook-Nachricht erreichbar. »Die Anfragen sind hoch, das wird in den nächsten Tagen mehr«, erwartet Demirtas.

Wie der 34-Jährige festgestellt hat, gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede. »Es gibt Masken, die sind sehr günstig, aber da sitzt der Drahtbügel nicht oder das Material ist hart oder die Ohrenschlaufen stören.« Drei Modelle habe er getestet und sich für eine Variante entschieden, die »perfekt« sitzt.

FFP2-Masken: Höchstens acht Stunden tragen, nicht am Stück

OP- und FFP2-Masken haben laut Gisela Jeschke (Filialleiterin Engel-Apotheke, Friedberg) eine Tragezeit von acht Stunden. »Das ist die Empfehlung von Arbeitsschutz und Herstellern, wobei nicht acht Stunden am Stück gemeint sind, weil sich dann zu viel Feuchtigkeit ansammelt.« Jeschke empfiehlt, Masken nach dem Tragen an einem trockenen Ort aufzuhängen. Zudem solle der Benutzer nicht mit den Händen drauffassen, da dort Keime sein könnten, sondern er solle die Maske an den Ohrlaschen abnehmen.

FFP2-Masken im Backofen oder Reiskocher zu desinfizieren, hält Jeschke für keinen guten Rat. Es könne aber Sinn machen, sich für jeden Wochentag eine Maske zuzulegen, diese getrennt voneinander aufzuhängen, jedoch insgesamt die Tragezeit von acht Stunden pro Exemplar nicht zu überschreiten. »Es ist ein Filter drin, Filter setzen sich mit Benutzung zu. Jeden zugesetzten Filter kriege ich nicht wieder sauber - im Gegensatz zu den Alltagsmasken.« Erich Basten, Inhaber der Central-Apotheke in Bad Nauheim, empfiehlt allen Kunden, die Masken kühl und trocken aufzuhängen. »Nicht in der Nähe der Heizung, nicht in der Küche, nicht im Bad.« Masken sollten laut Basten dicht am Gesicht anliegen, damit der Träger durch die Maske atmet und nicht an der Maske vorbei. (Petra Ihm-Fahle)

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