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Bad Nauheimer Stadtbrandinspektor

Feuerwehr-Chef: Vom Kindertraum zum Beruf

  • VonHanna von Prosch
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Die Feuerwehr Bad Nauheim gleicht einem modern Unternehmen. Ihr Chef Wolfgang Löffler ist seit 42 Jahren Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Ein erfüllender Job, wie er erzählt.

Herr Löffler, Sie haben die klassische Feuerwehrlaufbahn durchlaufen. Welche Aufgaben haben Sie jetzt als Stadtbrandinspektor?

Löffler: Zuerst muss ich sagen: Feuerwehr ist immer Teamarbeit. Mein Stellvertreter Jens Christiansen und ich sind an allem gleichermaßen beteiligt. Aufgabe des Stadtbrandinspektors sind Aufstellung, Ausrüstung und Ausbildung der Feuerwehr. Wir haben zur Zeit etwa 145 aktive Einsatzkräfte, die müssen in die digitale Datei aufgenommen und diese muss gepflegt werden. Die Anmeldung zu den Lehrgängen läuft über mich, und ich kümmere mich um den aufwändigen Schriftverkehr. Ich bin auch verantwortlich für die Wehrführer der fünf Einsatzabteilungen Kernstadt, Nieder-Mörlen, Rödgen, Steinfurth und Schwalheim. Dort gibt es die gleichen klaren Strukturen und Teams.

Wo ist die Schnittmenge zur Stadt?

Die Aufgabe des Brandschutzdezernenten hat der Bürgermeister selbst übernommen. Ich bin für feuerwehrtechnische Planung zuständig. Ich muss mir also überlegen, welches Feuerwehrhaus erweitert werden soll, weil die neuen Autos, die altersbedingt ausgetauscht werden, nicht mehr hineinpassen. Oder welche Teile der Ausrüstungen erneuert oder angeschafft werden müssen. Dazu gibt es in der Stadtverwaltung einen Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Feuerwehr, der alle zehn Jahre fortgeschrieben wird. Da machen wir uns jetzt schon Gedanken, was 2026 auf uns zukommt. Das ist immer ein der Stadtentwicklung angepasster Wachstumsprozess. Natürlich stehe ich auch in engem Kontakt mit dem Landkreis, zum Beispiel, wenn es um Brandmeldeanlagen geht.

Wie gut ist die Nauheimer Feuerwehr aufgestellt?

Mit 25 Fahrzeugen sind wir gut ausgestattet, auch mit Material. Wir haben ein neues Fahrzeug für Gefahrgutunfälle. Vier Fahrzeuge sind in der Beschaffung. Sehr gut sind wir mit Schutzkleidung ausgerüstet. Bei Atemschutzgeräten haben wir einmalig in Deutschland mit allen Kommunen im Kreis einen Verbund gegründet: Bei uns lagern 1600 Geräte und Masken, die von hier aus nach einem Einsatz im Kreis ausgetauscht und gewartet werden. Damit sind allein drei Hauptamtliche beschäftigt. Ich bin auch sehr froh, dass wir für die Einsatzplanung ein ›Redundanzprogramm‹ haben. Das heißt: Die Führungskräfte bekommen den Alarm auf das Smartphone und können jederzeit feststellen, wie viel Einsatzkräfte sich gemeldet haben. So kann man notfalls schnell nachordern.

Das ist beruhigend. Gibt es noch weitere Ziele?

Natürlich! Wir wollen die Digitalisierung im Einsatzbereich weiter vorantreiben. Ich denke an Tablets in den Fahrzeugen, worauf die Gruppenführer alle Angaben rund um den Einsatz bekommen. Außerdem strebe ich ein papierloses Büro an, der Papierkrieg ist einfach zu viel. Und dann müssen die Gerätehäuser aus den 60er- und 70er-Jahren in Steinfurth und Nieder-Mörlen erweitert werden.

Was bereitet Ihnen Sorge?

Meine größte Sorge sind die Personalprobleme. Wir haben zu wenig Freiwillige. Auch wenn die Verantwortlichen für die Kinder- und Jugendfeuerwehr, aus der der Nachwuchs kommt, einen super Job machen, genügt das nicht. Es ist wie überall: Nach der Schule gibt es einen Ortswechsel oder die Interessen ändern sich. Wir haben gerade unsere Homepage neu aufgestellt und setzen gezielt auf Mitgliederwerbung. Es kann wirklich jede und jeder zur Feuerwehr kommen, der gesundheitlich geeignet ist. Wir haben bereits ein Drittel Frauenanteil.

Vom Kindertraum zum Beruf: Was motiviert Sie?

Ich empfinde den Beruf als Berufung. Es ist für eine Führungskraft ungeheuer wertvoll, wenn man auf unterschiedliche Berufs- und viel Lebenserfahrung zurückgreifen kann. Egal, ob ich erster Ansprechpartner nach schweren Einsätzen bin oder erkennen muss, wie es jemandem privat geht oder ob fachliches Verständnis gefragt ist. Mein Leitsatz ist: Ich kann nur von meinen Leuten so viel verlangen, wie ich selbst zu machen bereit bin. Und eins ist ganz wichtig: Ohne den Rückhalt meiner Familie ging das alles nicht. Denn als Freiwilliger bin ich genaugenommen 365 Tage im Jahr in Bereitschaft, egal ob nachts oder feiertags.

Wolfgang »Wolle« Löffler wurde 1966 in Griesheim bei Darmstadt geboren. Ihn faszinierte die Feuerwehr schon immer: Wenn er als Kind die Sirene hörte, fuhr er mit dem Rad den Feuerwehrautos hinterher. So wurde er 1979 als Elfjähriger Gründungsmitglied der Griesheimer Jugendfeuerwehr, wo er 1983 in die Einsatzabteilung wechselte. Löffler schloss Berufsausbildungen als Schornsteinfeger und Straßenbauer ab, machte den Lkw-Führerschein und fuhr ein Jahr lang die Strecke Italien-Spanien. Während des Wehrdienstes lernte er Panzerfahren. 1990 machte er seine Leidenschaft zum Beruf, seit 1997 ist er in Bad Nauheim. 2004 kam er in Führungspositionen, zuerst als stellvertretender Wehrführer in der Kernstadt und 2009 als stellvertretender Stadtbrandinspektor. Wolfgang Löffler wohnt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Steinfurth. Verantwortungsbewusstsein und Genauigkeit begleiten ihn auch im Privatleben. Abspannen kann er am besten in seinem großen Garten. 2019 erfüllte er sich einen Jugendtraum, machte den Motorradführerschein und ist stolzer Fahrer einer Harley.

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