Feuerwehrmann Marcus Müller steht mit einem Funkgerät vor einem Feuerwehrauto.
+
Feuerwehrmann Marcus Müller will die Feuerwehr vorantreiben, etwa bei der Digitalisierung.

Einsatzkraft im Portrait

Feuerwehr-Problemlöser Marcus Müller: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen“

  • vonRedaktion
    schließen

Der Freiwilligen Feuerwehr Bad Nauheim gehören 150 Frauen und Männer an. Sie müssen sich zu 100 Prozent auf ihre Partner verlassen können, wenn sie in ein Feuer gehen.

Bad Nauheim – In der Feuerwehr packen Frauen und Männer, neue Kräfte und »alte Hasen« gemeinsam mit an, um Menschen in Not zu helfen. Auch Marcus Müller, 47 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in Bad Nauheim, zählt zu den Einsatzkräften. Hier spricht er über seine Motivation und sein Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Wie bist du zur Feuerwehr gekommen?

Ich bin damals mit 14 über einen Schulkameraden zur Jugendfeuerwehr gekommen. Mit Eintritt in die Einsatzabteilung wollte ich damals in der Feuerwehr meinen Ersatzdienst leisten. Ich wurde zwar als untauglich für den Wehrdienst eingestuft, aber nicht untauglich für die Feuerwehr, und so bin ich dabei geblieben.

Gab es einen speziellen Grund, warum du dennoch dabeigeblieben bist, obwohl du nicht mehr den Ersatzdienst leisten musstest?

Anfänglich in der Jugendfeuerwehr wird man spielerisch an das Thema Feuerwehr herangeführt. Diesem Sog kann man sich nicht entziehen, denn was die Jugendbetreuer machen mit Ausbildung, aber auch Themen wie Zeltlager und Freizeitaktivitäten, ist für Kinder und Jugendliche einfach toll. Später, wenn man in die Einsatzabteilung übernommen werden soll, stellt man sich diese Frage gar nicht. Die Kameraden waren super, und es hat einfach Spaß gemacht. Nach ein paar Jahren Reflektion kann ich sagen, es sind zwei Gründe. Einmal ist es die technische Herausforderung, die man bei der Feuerwehr hat. Der andere Grund ist, dass wir in einer Demokratie leben und mein Engagement das ist, was ich der Gesellschaft zurückgeben möchte. Wir müssen alle an einem Strang ziehen und jeder seinen Beitrag leisten.

Hast du als Problemlöser dann eine liebste Position im Einsatz?

Bei mir hat es sich so entwickelt, dass ich diese Kompetenz nutze, um Einsätze zu leiten oder als Einheitsführer fungiere. Angesichts des Alters lasse ich auch gerne die jüngeren Kameraden den Atemschutz aufziehen. Ich habe aber kein Problem damit, auch in diese Rolle zu schlüpfen, sollte es erforderlich sein. Abseits der Einsätze nutze ich meine Rolle als Problemlöser, um die Feuerwehr voranzutreiben, zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung.

Du sprichst schon das Thema »Abseits der Einsätze« an. Was begeistert dich abseits der Einsätze an Feuerwehr?

Das ist ganz klar der Zusammenhalt. Das fängt auch schon früh in der Jugendfeuerwehr an, egal ob Zeltlager, Gruppenabende oder gemeinsame Übungen. Später dann, wenn man zum Beispiel nach einem schweren Einsatz zurückkommt und vielleicht doch mit dem Tod konfrontiert war, hat man immer eine Gruppe, mit der man über das Erlebte sprechen kann. Im Einsatz unter Atemschutz geht man zu zweit in ein Feuer rein, um Menschenleben zu retten. Da musst du dich 100 Prozent auf deinen Partner verlassen können. Das ist auch eine Erfahrung, die man im Normalfall abseits der Feuerwehr gar nicht hat. Man macht eine Ausbildung oder ein Studium, arbeitet im Büro oder als Handwerker zum Beispiel, da gibt es diese Erfahrung einfach nicht.

Was bedeutet Feuerwehr für dich, wenn du es in einem Satz formulieren müsstest?

Gemeinsam mit meinen Kameradinnen und Kameraden für die Sicherheit der Stadt zu sorgen, egal ob Tag oder Nacht.

Nach 30 Jahren hat man viel erlebt, gibt es irgendetwas, was du noch erreichen möchtest in der Feuerwehr?

Mein Wunsch ist es, die jüngeren Kameraden zu begeistern, damit diese dabeibleiben. Irgendwann muss auch der Staffelstab der Führung weitergegeben werden. Diese zu unterstützen, nicht nur bei der Feuerwehr, sondern auch im Privaten. Das ist mein Ziel, das ich erreichen möchte.

Was würdest du jemandem sagen, der glaubt, er oder sie sei nicht für die Feuerwehr geeignet?

Bei der Feuerwehr treten Dinge wie Alter, Geschlecht, Religion, politische Weltanschauung eher in den Hintergrund. Du triffst Leute, die man im normalen Privatleben oder auch im Beruf so nie treffen würde. Die Vielfalt an Charakteren ist groß, genauso wie die Aufgaben. Die Größe unserer Feuerwehr hat den Vorteil, dass diese auch viel bietet. Wir haben Bedarf an Leuten, die im Einsatzleitwagen Dinge im Internet recherchieren, wir brauchen Leute, die unter Atemschutz in brennende Häuser reingehen, wir brauchen Leute, die spielerisch Wissen an Kinder vermitteln. Ich denke, egal welchen Lebensweg man bestritten hat, bei der Feuerwehr ist für einen das Passende dabei.

Zur Person

Marcus Müller besuchte in Bad Nauheim ein Gymnasium und studierte in der Nachbarstadt Friedberg Mathematik. Er arbeitet in Bad Nauheim als Projektleiter und System-Ingenieur. Der Feuerwehr gehört er seit 33 Jahren an, davon ist er 30 Jahre im aktiven Dienst der Einsatzabteilung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare