Feindbild und Identifikationsfigur

  • VonGerhard Kollmer
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Nur wenigen Personen in der westdeutschen Nachkriegsöffentlichkeit schlug so viel Spott, Kritik bis hin zu blankem Hass entgegen wie ihr. Von ihren Anhänger/innen hingegen wurde und wird sie als Lichtgestalt der bundesrepublikanischen Frauenbewegung verehrt. Die Rede ist von der 1942 in Wuppertal geborenen Alice Schwarzer, über die die Friedberger Schauspielerin und Rezitatorin Monica Keichel am Weltfrauentag einen informativen, mit vielen Zitaten aus Schwarzers 1975 erschienenem Bestseller »Der kleine Unterschied und seine großen Folgen« sowie ihrer Autobiografie »Lebenslauf« angereicherten Vortrag hielt.

Nur wenigen Personen in der westdeutschen Nachkriegsöffentlichkeit schlug so viel Spott, Kritik bis hin zu blankem Hass entgegen wie ihr. Von ihren Anhänger/innen hingegen wurde und wird sie als Lichtgestalt der bundesrepublikanischen Frauenbewegung verehrt. Die Rede ist von der 1942 in Wuppertal geborenen Alice Schwarzer, über die die Friedberger Schauspielerin und Rezitatorin Monica Keichel am Weltfrauentag einen informativen, mit vielen Zitaten aus Schwarzers 1975 erschienenem Bestseller »Der kleine Unterschied und seine großen Folgen« sowie ihrer Autobiografie »Lebenslauf« angereicherten Vortrag hielt.

Im Mittelpunkt standen die Jahre zwischen Schwarzers Übersiedlung nach Frankreich 1964 und dem Erscheinen der ersten Ausgabe von »Emma« im Januar 1977. Im Umfeld des legendären Pariser »Mai 68«, also der französischen Studentenunruhen, nahm die als Au-pair-Mädchen ins Land gekommene Alice Kontakt zu bedeutenden Feministinnen – wie vor allem zu Simone de Beauvoir – auf und war an der Gründung des MLF, der französischen Frauenbefreiungsbewegung, beteiligt. Aus der Beobachterin, die für das Pariser ARD-Studio arbeitete, war die Mitwirkende geworden.

»Ich habe abgetrieben und verlange das Recht dazu für jede Frau«: Dieses 1969 in der Zeitschrift »Nouvel Observateur« veröffentlichte Bekenntnis von über 300 Frauen – einschließlich zahlreicher Prominenter wie Cathérine Deneuve oder Francoise Sagan – schlug in der französischen Öffentlichkeit wie eine Bombe ein und führte zur Einführung der sogenannten »Fristenlösung« (Straffreiheit von Abtreibung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten).

Nach einem vergleichbaren Manifest in der Bundesrepublik – es erschien 1971 im »Stern« – begann eine jahrelange erbitterte Kontroverse um die Reform des § 218 StGB. Schwarzer war mittlerweile nach Deutschland zurückgekehrt und prangerte unter anderem die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen an. Sie führte einen – leider erfolglosen – Feldzug gegen Prostitution und kriminellen Frauenhandel, stritt für das Verbot von Pornografie.

Kein Kampf gegen Männer

Immer wieder hob Schwarzer hervor, dass es ihr nicht um einen »Kampf gegen die Männer« gehe, sondern um die Schaffung von Verhältnissen, in denen der biologische Geschlechtsunterschied seine sozial diskriminierende Bedeutung verliert. Diese Klarstellungen schützten sie nicht vor wütenden Angriffen – bis in die eigenen Reihen hinein. Selbst seriöse Blätter wie »Süddeutsche Zeitung«, »Frankfurter Rundschau«, »Zeit« und andere griffen sie erbittert an und verloren dabei nicht selten jedes Maß. Nach langer Vorlaufzeit gelang es schließlich, im Januar 1977 die erste Ausgabe von »Emma« herauszubringen. Das Zweimonatsmagazin von Frauen, aber nicht nur für Frauen existiert – allen Unkenrufen zum Trotz – bis zum heutigen Tag. Gerade ist Nr. 343 erschienen.

Dank ihrer Konzentration auf die Anfangsjahre des westdeutschen Feminismus, der Einbeziehung des zeithistorischen Hintergrunds sowie der Verwendung zahlreicher Zitate gelang Keichel ein äußerst anschaulicher Vortrag, der sich nicht zuletzt durch größtmögliche Objektivität auszeichnete.

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