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»Faustdicke Geschichtslüge«

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Von: Brigitte Lepper

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Nach ihm wurde ein Planet benannt. Das war 2010. Jetzt war der renommierte Wissenschaftler Prof. Dieter Herrmann zu Gast beim Kulturforum und hat mit seinem Vortrag »Die Astronomie und Astrologie der Lutherzeit« die Reihe fortgesetzt. Herrmann stellte Parallelen zwischen Martin Luther und Nicolaus Copernikus her. Den beiden Zeitgenossen sei die Kraft, der Wille und die Fähigkeit eigen gewesen, Überliefertes infrage zu stellen und beide waren der Legendenbildung ihrer Nachwelt ausgesetzt. Astronomie und Astrologie galten zur Lutherzeit als Wissenschaften und waren noch nicht getrennt. Gleich zu Beginn des Vortrags wurde jedoch deutlich, dass der Referent der Astrologie nichts abgewinnen kann. Hier ist er mit Luther einig, der ebenfalls ein Gegner der Astrologie war. Copernikus sah sie dagegen als Wissenschaft an.

Nach ihm wurde ein Planet benannt. Das war 2010. Jetzt war der renommierte Wissenschaftler Prof. Dieter Herrmann zu Gast beim Kulturforum und hat mit seinem Vortrag »Die Astronomie und Astrologie der Lutherzeit« die Reihe fortgesetzt. Herrmann stellte Parallelen zwischen Martin Luther und Nicolaus Copernikus her. Den beiden Zeitgenossen sei die Kraft, der Wille und die Fähigkeit eigen gewesen, Überliefertes infrage zu stellen und beide waren der Legendenbildung ihrer Nachwelt ausgesetzt. Astronomie und Astrologie galten zur Lutherzeit als Wissenschaften und waren noch nicht getrennt. Gleich zu Beginn des Vortrags wurde jedoch deutlich, dass der Referent der Astrologie nichts abgewinnen kann. Hier ist er mit Luther einig, der ebenfalls ein Gegner der Astrologie war. Copernikus sah sie dagegen als Wissenschaft an.

Herrmann wandte sich auch gegen die immer noch in Biografien zu findende Behauptung, Luther habe sich gegen Copernikus ausgesprochen. Der Wissenschaftler tauche in den Schriften des Reformators nicht auf; Luther habe sich für Copernikus nicht interessiert. Erst im 19. Jahrhundert sei Luther zu einem Anticopernikaner gemacht worden, um die Wissenschaftsfeindlichkeit der Kirche zu kritisieren.

Es handle sich jedoch um eine faustdicke Geschichtslüge. Auch ohne Gegnerschaft zu Copernikus blieb Luther Anhänger des überlieferten geozentrischen Weltbildes. Eine Stimme gegen das geozentrische Weltbild erhob sich bereits in der Antike, als ein Mathematiker die Sonne als Mittelpunkt des Universums sah.

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