Fast zehn Jahre Haft für Überfall auf Juwelier

  • vonConstantin Hoppe
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Bad Nauheim (con). Fast zehn Jahre Haft für einen besonders schweren Raub, gefährliche Körperverletzung und illegalen Waffenbesitz in Bad Nauheim: So lautet das Urteil gegen den 36-jährigen Litauer G., das am Freitagmittag vor der 9. Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts fiel. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass G, am Abend des 1. November 2019, mit einer Pistole bewaffnet und maskiert, kurz vor Geschäftsschluss das Juweliergeschäft in der Bad Nauheimer Bahnhofsallee betreten hatte.

Dort überraschte er den Ladeninhaber und wollte ihn zur Herausgabe von Wertgegenständen zwingen.

Doch dieser wehrte sich, es kam zum Handgemenge, bei dem der Täter dem Besitzer des Ladens mehrfach mit der Pistole auf den Kopf schlug. G. soll den Geschädigten danach gefesselt und sich daran gemacht haben, den Laden nach Wertgegenständen zu durchsuchen.

Doch die Fesseln waren wohl nicht fest genug, der Ladenbesitzer konnte sich befreien - daraufhin schoss ihm der Räuber gezielt ins Bein. Danach flüchtete der Mann samt Beute im geschätzten Wert von 20 000 bis 30 000 Euro vom Tatort.

Angeklagter bestreitet die Tat

Am letzten Verhandlungstag ging es noch einmal um die DNA-Spuren an der Kleidung des Opfers und auf aufgefundenen Gegenständen. Diese Spuren sind die Hauptpunkte, über die der Angeklagte mit den Geschehnissen in Verbindung gebracht werden kann, nachdem Zeugenaussagen den 36-Jährigen nicht klar haben identifizieren können.

»Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war es der Angeklagte, der den Gegenstand in der Hand hatte«, erklärte die Vertreterin der Gießener Gerichtsmedizin, die einen im Juwelierladen gefundenen Kistenöffner untersucht hatte.

Zudem stand am letzten Verhandlungstag eine Einlassung des Angeklagten an - begangen haben will er den Überfall jedoch nicht: »Ich habe an diesem Tag einem Freund von mir mit pakistanischer Herkunft meinen Kistenöffner und auch dunkle Kleidung gegen Geld ausgehändigt - ich hatte aber vergessen, die Kleidung zu waschen, nachdem ich sie beim Sport getragen hatte«, ließ der Angeklagte von seinem Verteidiger verlesen. Dieser Freund, den G. nicht näher beschrieb, soll dann den Überfall verübt haben.

Gleichzeitig räumte G. aber auch andere Einbrüche in diesem Zeitraum ein, wie beispielsweise einen Einbruch in Frankfurt. »Aber ich hatte dabei nie eine Waffe dabei, und wurde ich von jemandem bemerkt, bin ich immer geflohen.« Weitere Fragen zur Sache wollte G. nicht beantworten.

Auf Staatsanwalt Alexander Hahn machte die Einlassung des Angeklagten wenig Eindruck: »Die Einlassung ist für mich im Grunde nur: Ich war es nicht - und damit fast eine Nichteinlassung«, erklärte Hahn in seinem Plädoyer. »Seit Februar sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft - es ist zulässig, einer so späten Einlassung einen geringeren Beweiswert beizumessen, da er seine Einlassung an den Verfahrensverlauf anpassen konnte.« Der Staatsanwalt fügte dann noch hinzu: »Ich bin mir sicher, dass der Täter hier vor uns sitzt.« Deshalb sah Hahn eine zehnjährige Haftstrafe für den Überfall auf den Juwelier als angemessen an. Dabei wirke sich vor allem der Einsatz der Pistole als strafverschärfend aus: »Bevor er den Laden verlassen hat, hat er dem Geschädigten aus kurzer Distanz noch in den Oberschenkel geschossen, obwohl da der Überfall im großen und ganzen beendet war - das war einfach unnötig und sehr gefährlich«, sagte der Staatsanwalt weiter. Für Verteidiger Frank M. Peter sah die Sache ganz anders aus: »Wir wissen nicht sicher, ob er wirklich der Täter war - und da muss gelten: ›In dubio pro reo‹ - im Zweifel für den Angeklagten«, erklärte er. Dabei berief er sich vor allem auf die Einlassung des Angeklagten und dass es durchaus auch so gewesen sein könnte, wie dieser erklärt hatte. Deshalb forderte die Verteidigung für G. den Freispruch.

20 000 Euro werden eingezogen

Das Gericht schloss sich jedoch den Ausführungen des Staatsanwalts an: Eine Freiheitsstrafe über neun Jahre und sechs Monate verkündete der Vorsitzende Richter Dr. Klaus Bergmann am Freitag. Dazu kommt noch der Einzug von 20 000 Euro bei G.. Dieser Betrag entspricht der angenommenen Höhe der Beute des Raubs. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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