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Farbtöne, die mit Licht spielen

  • vonCorinna Weigelt
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Bad Nauheim(cor). Der eine verwandelt Stadtlandschaften in geballte Gefühlswelten, der andere stellt seine Skulpturen in dramatischer Lebendigkeit vor Augen. Erstmals präsentieren die beiden Künstler Thomas Hildenbrand und Lukas Frese ihre Werke nun gemeinsam in Bad Nauheim.

Schon ein Blick in die Rotunde verrät, die neue Ausstellung in der Galerie der Trinkkuranlage hält interessante Werke bereit, die beim Betrachten ganz unterschiedliche "Sichtweisen" erzeugen. "Sichtweisen" lautet auch der Titel der Ausstellung, die nun ab morgen für die Öffentlichkeit zugänglich wird. Zur Freude des Kunstvereins Bad Nauheim folgten zwei Künstler der Galerie Mühlfeld+Stohrer aus Frankfurt der Einladung des Vereins. "Zum ersten Mal sind Thomas Hildenbrand und Lukas Frese zu Gast, erstmals gemeinsam in einer großen Ausstellung", freut sich Karin Merchel, 2. Vorsitzende des Kunstvereins.

Es wird lustvoll kombiniert

Aufmerksam wurde Merchel dank einer früheren Laudatorin. Schnell entstand der Kontakt zur Frankfurter Galerie und den Künstlern, die bereits beide auf zahlreiche erfolgreiche Ausstellungen zurückblicken. Eine Bereicherung für die Galerie und die Stadt. "Aber auch die Künstler waren bei ihrem ersten Rundgang in den Räumlichkeiten gleich begeistert", sagte Merchel.

Betritt der Gast die Rotunde, so wird er zugleich auf die Skulptur "Der letzte Vorhang" des Holzbildhauers Thomas Hildenbrand aufmerksam. Wie all seine Holzskulpturen so ist auch diese geprägt von einer ständigen Auseinandersetzung des Künstlers mit der Kunstgeschichte. Darstellungstraditionen werden aufgegriffen, hinterfragt, lustvoll kombiniert und dekonstruiert. Mit einer an der süddeutschen Barockskulptur geschulten Schnitztechnik entstehen so poetische und oft fragile Menschenbilder. 2005 begann Hildenbrand als freischaffender Künstler. Seitdem gestaltet er Werke in dramatischer Lebendigkeit, entfaltet beinahe lyrisch Geschichten, Erhofftes, Ersehntes und Erwartendes. "In der Ausstellung präsentiert er ganz aktuelle Werke", wie Merchel erklärt. "Erstmals auch mit Malereien."

Dem gegenüber stehen die Werke von Lukas Frese. Diese bewegen sich auf hohem Qualitätsniveau. Jedes seiner Motive hat einen starken persönlichen und emotionalen, oft auch autobiografischen Bezug. Das spürt auch der Betrachter und so verwandeln sich Stadtlandschaften in geballte Gefühlswelten. Die Ölgemälde auf Leinwand oder Holz kreieren eine aufregende Welt von Orten und Szenen mit hoher atmosphärischer Dichte, in denen das Sujet altmeisterlich durch die Beleuchtung inszeniert wird. Lichter, die auf markante Stellen fallen, zugleich auch eine zurückhaltende Farbpalette setzen die realen Orte in Szene und beeindrucken. Lukas Frese präsentiert Werke seiner Habitat-Reihe. Neben den Stadtlandschaften fesseln den Betrachter da auch die Porträts des Künstlers.

Gerne zitiert Frese eine Gedichtzeile des romantischen Sängers und Schriftstellers Leonard Cohen. "Da ist ein Riss, ein Riss in allem. Das ist der Spalt, durch den das Licht einfällt." Ein Zitat, welches man dazu nicht näher umschreiben muss.

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