Hüftschwung im schillernden Jumpsuit: Mit der kleinen Originalbesetzung der ersten Jahre präsentiert Nil Strassburg die Hits der Anfänge. FOTO: HMS
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Hüftschwung im schillernden Jumpsuit: Mit der kleinen Originalbesetzung der ersten Jahre präsentiert Nil Strassburg die Hits der Anfänge. FOTO: HMS

Fans kreischen wie anno 1960

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim(hms). "Are you ready, baby?" Ein Blick in den sich langsam verdunkelnden Platanenhof des Dolce - und Nils Strassburg legt los. Der Elvis-Interpret und seine Band "The Roll Agents" präsentierten mit unglaublicher Power eine zweistündige grandiose Bühnenperformance. Das war das Finale der "Elvis Celebration 2020", die das Hotel Dolce und die Elvis World Minden gemeinsam veranstalteten.

Nicht umsonst wurde der in USA geborene Deutsche aus Baden-Württemberg von Time Warner New York (HBO) zum besten Elvis Interpreten Deutschlands gekürt. Interpret, nicht Imitator, darauf legt er Wert, denn er will, auch aus Verehrung zum King, er selbst bleiben. Wie er die Songs in der neuen Show "Elvis Hitstory" in Ausdruck, Stimme und Outfit interpretiert, ist so gut, dass man sich im siebten Elvis-Himmel wähnt.

Die Show beginnt, original wie alle Konzerte der letzten Elvis-Jahre, mit Richard Strauss’ "Also sprach Zarathustra". Dann reihen sich fetzige Rock’n’Roll-Nummern an sanften Blues und Traditionals von 1956 bis 1973. Strassburg hat Lust auf sein Publikum, geht mitten hinein, hängt bei "Love me tender" den verzückten Damen einen pastellfarbenen Schal um, immer bedacht, alle Corona-Regeln einzuhalten. Das Virus bescherte zwar eine deutlich verringerte Anzahl an Besuchern und verbot auch Shakehands und die so heiß ersehnten Küsschen, dafür entlud sich die Stimmung von Song zu Song mehr in pure Begeisterung.

Ein Fan erzählt

Grüppchen tanzten an ihrem Platz und das Kreischen der Fans klang so wie anno 1960. Dabei waren alle Generationen vertreten, was die Unsterblichkeit des Kings und seiner Musik belegt.

In amerikanischem Englisch und charmantem Schmelz moderiert er sich, oft atemlos, durchs Programm. Fetzige Rock-Titel mit Hüftschwung, Kniefall, Beinezittern im schillerndem Jumpsuit mit dem fulminanten Klang der großen Band und Spitzengitarristen stehen im Gegensatz zu den Anfangsjahren. Tutti Frutti, Heartbreak Hotel, Blues Suede Shows singt Strassburg, wie Elvis mit seiner ersten TCD-Combo, nur mit Kontrabass, Trommel und Gitarre. Was viele nicht wissen: Elvis coverte in den Siebzigern auch Songs anderer Gruppen, zum Beispiel der Beatles. So kamen auch "Let it be" und "Hey Jude" ins Programm. "You are great", lobt er das begeisterte Publikum, wenn es ausflippt, sobald er sich, sichtlich amüsiert, das Hemd aufreißt. Natürlich singt es "In the Ghetto" mit und "Viva las Vegas", bei "Falling in love with you" flimmern Leuchtstäbe durch die Nacht.

Ganz still wird es bei der zweiten Zugabe, die am 43. Todestag des Kings, exakt am 16. August, einen emotionalen Höhepunkt erfährt: "You are always on my mind".

Aus persönlicher Erinnerung an Elvis erzählt in der Pause der Friedberger Insider Claus-Kurt Ilge, zum Beispiel wie er als 15-Jähriger seinem Idol bei Eiseskälte am 8. Januar vor dessen Haus zum Geburtstag gratulierte und ihn anschließen bat, ihn mit nach Friedberg zu nehmen. Beim Aussteigen fand Ilge den Türgriff im Cadillac nicht, und Elvis persönlich hielt dem Gymnasiasten den Schlag auf.

Bleibt die Frage: Wie wird man ein so genialer Elvis-Interpret, wenn man den Star nie selbst erlebt hat? Nils Strassburg sah mit sechs Jahren einen Film über Elvis und war so fasziniert, dass er fortan nur noch seine Musik hörte. Mit acht Jahren gründete er einen Elvis-Fanclub, zwei Jahre später stellte er ein Elvis-Magazin aus kopierten Seiten zusammen, das er für fünf Mark verkaufte. Den ersten Auftritt hatte er beim Geburtstag seiner Schwester. Er war vermutlich so erfolgreich, dass er seine Passion weiter ausbaute und seit Jahren - nebenberuflich - viele Tourneen bestreitet.

In Bad Nauheim hinterließ dieser Auftritt, der allen Beteiligten finanzielle Kompromisse abverlangte, beeindruckende Spuren. Stimmung, Applaus und eine lange Fanschlange bewiesen es.

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