Günter Wagner (r.) übergibt die Rezertifizierungs-Urkunde an Bürgermeister Klaus Kreß. FOTOS: MICHAEL HAULER
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Günter Wagner (r.) übergibt die Rezertifizierungs-Urkunde an Bürgermeister Klaus Kreß. FOTOS: MICHAEL HAULER

Dem fairen Handel treu

  • vonCorinna Weigelt
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Bad Nauheim(cor). Anfangs, vor sechs Jahren, ist der heutige Bürgermeister Klaus Kreß noch skeptisch gewesen, schnell hat aber auch ihn die Initiative überzeugt: Seit 2014 ist Bad Nauheim Fairtrade-Stadt. Seitdem bekam die Kurstadt diesen Titel alle zwei Jahre verlängert, zuletzt im März dieses Jahres. Mittlerweile gibt es rund 80 Kooperationspartner, die den Fairer-Handel-Gedanken in der Stadt unterstützen. Am letzten Dienstag im Oktober, noch vor dem Lockdown, wurde die Urkunde dazu von der Steuerungsgruppe "Bad Nauheim - Fairtrade-Stadt" an Kreß überreicht. Die festliche Veranstaltung fand statt im Spiegelsaal des Hotels Dolce, ebenfalls ein Fairtrade-Kooperationspartner, statt.

Zwei weitere Jahre darf sich Bad Nauheim nun Fairtrade-Stadt nennen - bisher als einzige Kommune in der Wetterau. "Damit ist Bad Nauheim weit hinaus über die Grenzen der Region bekannt", sagte Kreß. Selbst in Berlin habe man ihn nicht nur auf die Gesundheitsstadt, Eishockey oder Elvis angesprochen, sondern auch auf die Fairtrade-Stadt Bad Nauheim.

Dahinter stecke ein Engagement von Bürgern, Unternehmen, Vereinen, Kirchengemeinden, Schulen und Kitas. Die Krippe Karlstraße ist als erste Kita der Stadt nämlich gerade auf dem Weg zur Auszeichnung als "FaireKITA", wie Sabine Becker-Gräfe von der Fairtrade-Steuerungsgruppe der Stadt den Kooperationspartnern erläuterte. Die Kampagne "Faire Kitas Bad Nauheim" werde unter der Federführung des Fachbereichsleiters Soziales, Jochen Mörler, umgesetzt. "In einer ›Fairen Kita‹ gehört das globale Lernen als Bildungskonzept zum Alltag", sagte Becker-Gräfe. "Kinder übernehmen schon früh mit ihren Erzieherinnen und Erziehern Verantwortung für einen nachhaltigen Konsum." Unterstützt werden die Kitas durch Programme wie "KIKS UP" und das Bildungsteam des Weltladens.

Harte Folgen der Corona-Krise

Becker-Gräfe ging auch auf die besondere Vernetzung in der Stadt und die Entwicklung des fairen Handels ein. Dieser gewinne nach wie vor an Bedeutung. "Das Bewusstsein der Konsumenten und der Wirtschaft für nachhaltige und faire Produkte steigt nach wie vor", sagte sie. 2019 sei in Deutschland ein Umsatz von zwei Milliarden Euro für Produkte aus fairem Handel erzielt worden. Innerhalb von sieben Jahren habe sich der Umsatz damit fast verdreifacht.

"In diesem Jahr ist aber vieles anders. Handelswege, Lieferketten und Transportwege sind nicht wie gewohnt möglich." Die Folgen seien noch nicht wirklich zu greifen und zu begreifen. Um die Corona-Krise auch wirtschaftlich zu meistern, sei internationale Solidarität notwendig. Schon zu Beginn der Pandemie sei absehbar gewesen, dass Handelspartner im globalen Süden Unterstützung benötigen würden. Fehlende soziale Absicherung und unzureichende Strukturen im Gesundheitswesen seien in vielen Ländern Realität. Gerade die Kleinbauern treffe die Krise während der Erntezeit hart.

Wo Bad Nauheim derzeit als "Faire Stadt" steht, erläuterte Becker-Gräfe den Gästen im Anschluss. Als einzige in der Wetterau agiere Bad Nauheim als kompetenter Unterstützer für den Wetteraukreis, der sich auf den Weg zur Auszeichnung "Fairer Landkreis" befinde. "Auch im gesamten Rhein-Main-Gebiet tut sich etwas. Fairtrade-Städte und -Kreise haben sich zusammengeschlossen und streben die Zertifizierung als ›Faire Metropolregion Rhein-Main ›an", erläuterte Becker-Gräfe. Bad Nauheim werde zudem 2021 Mitglied dieses gemeinnützigen Trägervereins werden und damit Teil des bundesländer-übergreifenden Netzwerks fairer Kommunen und Kreise aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern.

Kochvideos sind geplant

Viele weitere Planungen stehen im Raum. Inspiriert vom Kochbuch "Bad Nauheim is(s)t fair" sollen demnächst Kochvideos entstehen. Ein erfolgreiches Projekt in diesem Jahr ist der Apfel-Mango-Saft, der durch Mitarbeit vieler Akteure ermöglicht und in der "Roten Pumpe" als Mischung des Apfelsaftes von Bad Nauheimer Streuobstwiesen und fair gehandelten Mangopürees von den Philippinen abgefüllt wurde. Auch diese Zusammenarbeit wird fortgesetzt.

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