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. Kompetenz und Ideen bringen die Diskussionsteilnehmerinnen aus der Modebranche ein (v. l.): Claire Nungesser, Moderatorin Andrea Neudeck, Annette Hufnagel, Nicole Mündelein und Christine Fehrenbach.

Fair zu Mensch und Umwelt

  • VonHanna von Prosch
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Bad Nauheim (hms). »Bad Nauheim Fashion fair« lautete am Samstag der Titel einer Ausstellung in der Trinkkuranlage. Dabei ging es nicht nur um Mode, sondern vor allem auch um den Begriff »fair«: Fairtrade - also fairer Handel -, Naturprodukte und die Chancen von Mode-Unternehmen und Gesellschaft, sich auf Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch umzustellen.

Die Steuerungsgruppe Fair-Trade-Stadt Bad Nauheim als Veranstalterin deckte beide Bedeutungen des Wortes fair ab: anständig und Warenmesse. Die Veranstaltung bot Informationen über Ausbeutung und Ressourcenverschwendung, machte aber auch bewusst, was gerecht und ökologisch sinnvoll ist. Die »Modemesse« Bad Nauheim zeigte also nicht den neuesten Chic, sondern praktikable Zukunftsideen.

Kritisch betrachtete Moderatorin und Modedesignerin Andrea Neudeck in der Podiumsdiskussion die Entwicklung auf dem Modemarkt. »Wie kann man große Konzerne zum Umdenken bewegen?«, fragte sie. Dazu gab sich Christine Fehrenbach, die unter anderem die Otto-Gruppe in Nachhaltigkeit beriet, zuversichtlich: »Fast jedes große Unternehmen ist auf diesem Weg. Sicher fangen viele nur mit kleinen Kollektionen an. Das ist auch sinnvoll. Wie lange der Weg allerdings dauert, ist fraglich.«

Transparenz durch QR-Code

»Solostücke« aus Wiesbaden bringt bereits seine Rohstoffe in den Kreislauf. Nicole Mündelein erklärte, dass es Lieblingsstücke gebe, die man gerne lange behalten wolle. Das Unternehmen repariere, tausche getragene Sweatshirts gegen einen Gutschein, verwende die Reststücke vom Zuschnitt und mache alle Abläufe per QR-Code transparent.

Die Art von Gewinnmaximierung zum Beispiel über weniger wertige Stoffe missfiel Claire Nungesser in ihrer ersten Berufsstation nach dem Studium. Sie machte sich mit dem Slow-Fashion-Label »6zehn« in Bad Nauheim selbstständig. Die Designerin entwirft, näht, upcyclet, verarbeitet Restzuschnitte zu Accessoires, vermarktet nach ihren Vorstellungen und hat dabei schon gute Stammkundschaft.

Auch Annette Hufnagel von der seit fast 30 Jahren bestehenden Kleiderkammer des Zonta-Clubs war in der Diskussionsrunde und mit einem Stand vertreten. Hier wird Secondhand-Mode für alle Altersgruppen und wenig Geld angeboten. »So kann das Überangebot an noch wertigen Textilien in den Kreislauf kommen. Auch ärmere Menschen sollen und können sich auf diese Weise hübsch machen«, sagte sie.

Eine Vorreiterrolle für faires Handeln haben die seit den 1960er Jahren bestehenden Weltläden. Die treue Kundschaft denke bereits über den Tellerrand hinaus und interessiere sich für die Unterstützung der Menschen in den Herstellerländern, bestätigte eine Mitarbeiterin.

Johannisberg als Bienenstandort

Was kann man mit Wollresten und einer Gabel anfangen? Kleine Bommel als Anhänger fertigen, um die Welt und die Wetterau bunter zu machen. Wie einfach es geht, zeigte die Gruppe »BuntErleben«. Das Vertrauen der Verbraucher sei wichtig, um Verständnis zu erzeugen und zum Umdenken zu bewegen, argumentierte Hufnagel in der Diskussion.

Dem rückstandsfreien Bienenhonig aus dem evangelischen Gemeindegarten, den Imker Peter Schulze anbot, kann man sicher vertrauen. Der Johannisberg sei ein guter Bienenstandort, sagte er. 240 Kilo konnte er im vergangenen Jahr aus acht Bienenstöcken ernten.

Wie man im Alltag anfangen kann, bewusst Ressourcen zu schonen, zeigt Simone Schmidt mit ihrem Nix-Drum-Rum-Laden. So zum Beispiel mit Verpackungen aus Jutesäcken, Segeltuch, Seifenschalen aus Flüssigholz, selbst gemachten Wachstüchern zum Frischhalten von Käse und Gemüse oder Wäschesäckchen, die Mikroplastik zurückhalten.

Das Rechenbeispiel gegenüber Industrieprodukten müsse jeder selbst aufmachen. Und ja, sie weiß, dass Naturprodukte heute noch zu teuer sind. »Es muss sich was ändern, wenn sie in der Breite Akzeptanz finden sollen«, sagte Schmidt. So blieb der Ruf nach der Politik und nach mehr Konsequenz, wenn jeden Tag »fashion fair« sein soll.

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