Es ist Wahl, und gerade einmal 40 Prozent der Wetterauer gehen hin.
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Es ist Wahl, und gerade einmal 40 Prozent der Wetterauer gehen hin.

Europawahl: AfD und SPD legen zu

Wetteraukreis (jw). 40,3 Prozent Wahlbeteiligung wurde am Sonntag bei der Europawahl im Wetteraukreis errechnet. Das Ergebnis: Die CDU muss teils deutliche Verluste hinnehmen, liegt annähernd gleichauf mit der SPD, die fast genauso viel zulegt (6,2 Prozentpunkte) wie die CDU verliert (-6,5).

Die FDP sinkt fast überall weit unter die (imaginäre) 5-Prozent-Hürde, die Grünen verharren (- 1,6), die Linke legt leicht zu und die Euro-kritische AfD, die neben der rechtsextremen NPD wohl am meisten im Wahlkampf plakatiert hat, fährt mit kreisweit 9,9 Prozent ein noch besseres Ergebnis als bei der Bundestagswahl ein, wo die neue Partei auf 5,9 Prozent kam.

Die Verluste der CDU bewegen sich in den größeren Städten zwischen minus 6,3 (Friedberg) und minus 7,9 Prozentpunkten (Bad Vilbel). Überall wurden Christdemokraten gerupft, am glimpflichsten kam noch die Echzeller CDU davon (- 2,3). In ihrer Europa-Politik bestätigt fühlen darf sich hingegen die SPD. Sie legte überall zu: in Bad Nauheim um 7 Prozentpunkte, in Bad Vilbel um 8,8, in Butzbach um 8,3, in Karben um 6,6, in Niddatal um 6,4, in Rockenberg um 6,7 und in Rosbach gar um 9,1 Prozent, der höchste Zuwachs im Kreis.

Die Grünen liegen in den größeren Kommunen über und in den kleineren meist unter 10 Prozent, sie können nur in Reichelsheim zulegen (+ 1 Prozent), verlieren sonst meist um die 1 bis 2 Prozent, in Rosbach werden gar minus 3,9 Prozent gezählt.

Die FDP landete vor fünf Jahren bei kaum geglaubten 14 Prozent im Wetteraukreis, wurde damals in Bad Nauheim mit 17,9 Prozent sogar drittstärkste Kraft. Der Absturz ist nun umso heftiger, meist bewegen sich die Verluste der Liberalen um die 10 Prozentpunkte. Als Gewinner darf sich auch in der Wetterau die AfD fühlen: 10,7 Prozent in Friedberg, 11,2 in Bad Nauheim, in Altenstadt, Bad Vilbel, Büdingen, Karben und Wölfersheim ebenfalls über der 10-Prozent-Grenze, in Nidda sogar 11,5 Prozent und in Reichelsheim kommt die AfD auf 12,2 Prozent, ihr bestes prozentuales Ergebnis. Die Linke legt in den meisten Kommunen leicht zu, erreicht ihre stärksten Ergebnisse in Butzbach (6 Prozent) und Friedberg (5,9).

Die rechtsextreme NPD liegt im Wetteraukreis bei 1,6 Prozent, konnte in Büdingen 3,7 Prozent holen (215 von 16 193 Wählern) und in Altenstadt 3 Prozent (89 von 8890 Wählern). In der früheren Hochburg Wölfersheim lockten die Rechtsextremen 87 Wähler an die Urne (3 Prozent). Hinter ihren Erwartungen zurück blieben wohl auch die Freien Wähler. In Wöllstadt kamen sie auf 2,1 Prozent, in Büdingen auf 1,7, ansonsten kamen sie auf rund 1 Prozent, ein Wert, der in Rosbach mit 38 Wählern exakt erzielt wurde. Damit liegen sie auf Augenhöhe mit den Piraten, die in Rockenberg 2 Prozent holten, sonst aber meist unter diesem Wert blieben.   Gutes Wetter, höhere Beteiligung   Die gegenüber 2009 etwas höher ausgefallene Wahlbeteiligung mag mit dem guten Wetter zusammenhängen; vor fünf Jahren regnete es in Strömen, diesmal schien die Sonne. Der Trend in der Wetterau (Verluste bei CDU und FDP, Gewinne bei AfD und SPD) zeichnete sich schon kurz nach Schließung der Wahllokale ab, als die ersten Ergebnisse aus Kefenrod und Ortenberg eintrudelten.

Der Blick auf die einzelnen Ortschaften zeigt: In Wölfersheim gewinnt die SPD fast genauso viel wie die CDU verliert; in Karben hat die SPD wieder die Nase vorn und gewinnt fast ebenso so viel hinzu, wie die CDU einbüßen muss; in Nidda zieht die SPD an der CDU vorbei; in Bad Vilbel dürfte die SPD ihre 25,6 Prozent wohl heftigst gefeiert haben und auch in Bad Nauheim bleibt die CDU zwar stärkste Kraft, verliert aber 7 Prozentpunkte. Ob das auf die Erhöhung der Grundsteuer B zurückzuführen ist, bleibt fraglich, das Thema sei an den Wahlständen keines gewesen, hieß es.

Die SPD erholt sich in Bad Nauheim, kommt auf 24,5 Prozent, ein Plus von 7,5 Punkten. Die Grünen hingegen verbuchen ein Minus von 1,2 (13,1 Prozent) und die Linke kommt mit 5,4 Prozent fast an die FDP heran.

In Friedberg lag die CDU bei der Europawahl 2009 satte 15 Prozent vor der SPD. Dieser Vorsprung ist geschmolzen. Die CDU büßte 6,9 Prozent ein, kommt auf 30 Prozent, die SPD folgt mit 26,5 (+ 4,9), die Grünen verlieren leicht (- 2,4), die FDP massiv (- 8,9).

Dass die FDP in Rosbach auf 5,6 Prozent kommt (mit Bad Nauheim das beste Ergebnis im Kreis), dürfte die Liberalen kaum trösten. Auch hier sind die Verluste hoch (-11,3 Prozentpunkte). Die letzten Ergebnisse kamen am Wahlabend aus Niddatal, doch auch hier herrscht weitgehend das gleiche Bild: SPD (+ 6,4 Punkte) vor CDU (- 6,9), leichte Verluste bei den Grünen (- 0,8), starke bei der FDP (- 10,4), die Linke legt zu und die AfD holt satte 8,8 Prozent.

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