1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Bad Nauheim

Erster Kandidat wirft Hut in den Ring

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Bad Nauheim (bk). Mit einem Debakel für die Kurstadt-CDU hatte die Bürgermeister-Direktwahl 2005 geendet: Hedwig Rohde, Kandidatin eines völlig zerstrittenen Ortsverbandes erhielt gerade mal 14,3 Prozent der Stimmen und musste sich mit Platz drei begnügen.

Aus diesem Fiasko haben die Christdemokraten, die im Stadtparlament die stärkste Fraktion stellen, offenbar ihre Lehren gezogen. Früh legte sich die Union auf Ersten Stadtrat Armin Häuser als Kandidaten für den Urnengang am 27. März nächsten Jahres fest, jetzt hat der 46-Jährige als erster offiziell seine Bewerbung angemeldet. Bei einer CDU-Mitgliederversammlung am Freitagabend wurde Geschlossenheit demonstriert. Häuser erhielt 49 von 50 abgegebenen Stimmen - »ein überwältigendes Ergebnis«, kommentierte Ortsverbandsvorsitzender Oliver von Massow gestern vor der Presse. Auch wenn bislang offen ist, ob Amtsinhaber Bernd Witzel (UWG) im kommenden Frühjahr noch einmal antreten wird, positioniert sich der Erste Stadtrat eindeutig gegen den Bürgermeister. Häuser präsentiert sich unter dem Motto »Miteinander füreinander« als Mann des Dialogs und des Ausgleichs, will »verbinden statt zu trennen, zusammenführen statt zu spalten, anerkennen statt abzuwerten«.

 Der im Butzbacher Stadtteil Nieder-Weisel geborene Häuser hat eine klassische Verwaltungskarriere durchlaufen und könnte als »idealer Schwiegersohn« durchgehen: Stets lächelnd und ein charmantes Wort auf den Lippen tritt er in der Öffentlichkeit auf, seitdem er 2006 mit dem klaren Ziel, Bürgermeister zu werden, wieder in die Kurstadt gekommen ist. Damals galt er zunächst als »zweite Wahl«, denn für die Position des hauptamtlichen Ersten Stadtrats hatte Häuser gar keine Bewerbung abgegeben. Erst als sich der ursprünglich von der CDU ausgesuchte Kandidat als nicht geeignet erwies, kam Fraktionschef Klaus Dietz auf die Idee, den damaligen Ersten Stadtrat von Nidda anzusprechen. »Ich habe mich nie als Notlösung verstanden. Beworben hatte ich mich nicht, weil wir uns in Nidda damals mitten im Kommunalwahlkampf befanden«, sagt Häuser rückblickend. Letztlich habe ein Zufall seine berufliche Rückkehr nach Bad Nauheim bewirkt, eine Stadt, die faszinierend sei und hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten habe.

Das »Schwiegersohn-Image« des Christdemokraten kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der 46-Jährige seine Ziele energisch verfolgt und notfalls die Ellenbogen ausfährt. Bestes Beispiel ist die Debatte um die Zukunft des Eissports in Bad Nauheim. Hartnäckig argumentierte Häuser gegen die Stadion-Neubaupläne von Bürgermeister Witzel und setzte sich mit seiner Linie durch. Die alte Sportstätte wird saniert, das Neubaukonzept landete im Papierkorb.

»Sollten uns auf Therme konzentrieren«

Als wichtigstes Projekt der kommenden Bürgermeister-Amtszeit bezeichnet Häuser das neue Nutzungskonzept für den Sprudelhof. Auch in diesem Fall hat er klare Vorstellungen: »Wir sollten uns auf den Neubau der Therme konzentrieren. Ein weiteres Hotel in Bad Nauheim wäre zwar wünschenswert, der Standort Sprudelhof-Parkdeck kommt aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage, und im Park zu bauen, scheitert am Widerstand des Denkmalschutzes«, erklärt der CDU-Kandidat. Ob eine neue Therme machbar ist, wird sich laut Häuser erweisen, wenn das Vergabeverfahren abgeschlossen ist, das nach den Ferien gestartet werden soll. Sei ein Neubau nicht zu finanzieren, müsse das alte Thermalbad umfassend saniert werden.

Für den Sprudelhof, der mit 50 Millionen Euro an Landesmitteln restauriert werden soll, käme dann eine »kleinteilige Lösung« in Frage. Theater Alte Feuerwache und Jugendstilverein, die viel Geld und Zeit in den Sprudelhof investiert hätten, müssen dort nach Ansicht Häusers auf jeden Fall ihre Heimat behalten. »Ein Jugendstilzentrum zu errichten, ist die originäre Aufgabe der Stiftung Sprudelhof, die dabei mit dem Verein kooperieren sollte«, betont Häuser, der die Zukunft des europaweit einmaligen Jugendstilensembles aus dem Wahlkampf heraushalten möchte.

»Stadt nicht kaputtsparen«

Weitere wichtige Themen der kommenden Jahre seien das Sanierungsprojekt »Östliche Innenstadt« und die Gesundung der Finanzen. Trotz eines Haushaltsdefizits von fast 10 Millionen Euro in diesem Jahr warnt der 46-Jährige davor, die Stadt »kaputtzusparen«. Die Kommune sei aufgrund ihrer hervorragenden Infrastruktur nicht nur für ältere Leute, sondern auch für Familien besonders attraktiv. Das zeige sich einmal mehr bei der Vermarktung der Housing Area. Fahre man die Ausgaben massiv zurück, indem man beispielsweise Schwimmbäder schließe, entstehe eine »Spirale nach unten«.

Häuser will stattdessen die Grundsteuern erhöhen und einige Dinge »entprofessionalisieren«. Exemplarisch erwähnt er das Rosenfest, das zu sehr von der Stadt dominiert werde. Bei dieser und anderen Veranstaltungen könnten das Engagement der Vereine und die außergewöhnliche Identifikation der Bürger mit Bad Nauheim stärker als bisher genutzt werden. »Ein vertretbares Haushaltsdefizit kann die Stadt verkraften, bis die Gesamtwirtschaft wieder richtig läuft und wir höhere Schlüsselzuweisungen erhalten«, sagt der CDU-Kandidat. Häuser zufolge kann allerdings in einigen Fällen Verzicht geübt werden. Das gelte fürs Sportheim: »Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wohnungsbau-Gesellschaft auf Dauer ein Bürgerhaus, das gar keines ist, betreiben wird.« Vereine wie die Hiesbach müssten sich mittelfristig mit der Trinkkuranlage anfreunden, wobei über die Bedingungen zu reden sei.

Die CDU wird den Wahlkampf nach Angaben des Vorsitzenden von Massow am kommenden Samstag mit einem Infostand an der Stele eröffnen. Weitere Veranstaltungen sind geplant, bevor im September das Wahlprogramm und die Kandidatenliste für die Kommunalwahl verabschiedet werden. Die heiße Phase des Wahlkampfs soll nach Weihnachten beginnen.

Zur Person: Armin Häuser

Als »Spätberufener« bezeichnet sich Erster Stadtrat Armin Häuser bezüglich seines politischen Engagements: Erst 2004, mit fast 40 Jahren, trat er in die CDU ein. Beeinflusst wurde die Entscheidung in erster Linie von der damaligen Bürgermeisterin von Nidda und heutigen Bundestagsabgeordneten Lucia Puttrich.

Häuser wurde am 30. Juni 1964 in Nieder-Weisel geboren, ist evangelisch, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Nach dem Abitur begann er eine Inspektoranwärter-Ausbildung bei der Stadtverwaltung Bad Nauheim, dem ein Studium an der Verwaltungsfachhochschule in Frankfurt (Abschluss: Diplom-Verwaltungswirt) folgte. Nach beruflichen Station in Bad Nauheim (1986 bis 1991) und in der Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin (1991 bis 1996) wechselte Häuser nach Nidda. Zwischen 1996 und 2001 leitete er dort das Haupt- und Personalamt, anschließend wurde er Erster Stadtrat dieser Kommune.

2006 folgte er dem Ruf seiner Bad Nauheimer Parteifreunde und wurde mit den Stimmen von CDU und UWG zum Ersten Stadtrat von Bad Nauheim gewählt.

Seit 1985 ist der christdemokratische Bürgermeisterkandidat Mitglied der Gewerkschaft Verdi (früher ÖTV), seit 2006 gehört er dem Kreistag an. (bk)

Auch interessant

Kommentare