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Geduldiger Patient: Golden Retriever Junior lässt sich von Jana Neumann einen Pfotenverband anlegen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Erste Hilfe für den Hund: Von Atemnot bis Zeckenbiss - Tipps mit Videos

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Wenn der Hund in eine Glasscherbe tritt oder sich an einem Knochen verschluckt, ist schnelle Hilfe nötig. Was dabei zu beachten ist, erklärt Johanniter-Rettungssanitäterin Jana Neumann.

Erste Hilfe rettet Leben. Das gilt nicht nur für Menschen. Auch bei Tieren ist in Notsituationen schnelles Handeln gefragt. Jana Neumann ist tiermedizinische Fachangestellte und Tierphysiotherapeutin. Im vergangenen Jahr hat sie bei den Johannitern in Bad Nauheim die Ausbildung zur Rettungssanitäterin gemacht. Am Sonntag, 11. August, bietet sie zum ersten Mal den Kurs "Erste Hilfe für Hundebesitzer an". Den WZ-Lesern erklärt sie vorab, was in Notfallsituationen zu tun ist.

Die Erste-Hilfe-Tasche:Es ist sinnvoll, eine Erste-Hilfe-Tasche für den Hund anzulegen. Hinein gehören neben Verbandsmaterial wie Polsterwatte, Kompressen, Mullbinden und selbstklebenden Binden ein mildes Desinfektionsmittel, Handschuhe, eine Pinzette, eine Verbandsschere, eine Zeckenzange und ein Fieberthermometer. Das Set eignet sich gut, um es auf längeren Spaziergängen oder Reisen mitzunehmen.

Vitalfunktionen testen und beobachten:Jeder Hundebesitzer sollte die Vitalparameter seines gesunden Hundes kennen. Dazu gehören Puls und Körpertemperatur, aber auch sein Verhalten. Wenn man den Normalzustand kennt, kann man besser beurteilen, wann es dem Hund schlecht geht. Wenn das Tier apathisch oder unruhig ist, komisch läuft oder den Rücken krümmt, sind das Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Der Puls wird beim Hund in der Leiste an den Hinterbeinen gemessen. Um die Atmung zu kontrollieren, legt man die Hände flach auf den Brustkorb. Auch die Schleimhaut unter der Lefze gibt Auskunft über den Gesundheitszustand. Sie sollte immer leicht rosa sein. Ist sie bläulich verfärbt, deutet das auf Sauerstoffmangel hin.

Die Lefzen des Hundes sollten rosa gefärbt sein, dann geht es ihm gut.

Erste Hilfe für den Hund: Zecken möglichst schnell entfernen

Zeckenbiss:Wenn der Hund eine Zecke hat, sollte sie schnellstmöglich entfernt werden. Je länger sie drin bleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Krankheitserreger übertragen werden. Es ist dabei egal, in welche Richtung man die Zecke rausdreht, solange man sie richtig packt. Die Stelle sollte anschließend beobachtet werden. Wird sie rot, dick oder heiß, muss der Hund zum Tierarzt. Gleiches gilt auch für das Herrchen, dass beim Gassigehen auch von einer Zecke gebissen werden kann.

Verletzung an der Pfote:Neben Zecken lauern beim Gassigehen noch andere Gefahren für den Hund. Wenn er in eine Glasscherbe tritt oder sich eine Kralle abreißt, sollte ein Pfotenverband angelegt werden. Dabei ist es wichtig, die Zwischenräume zwischen den Zehen mit Watte zu polstern. Sonst können sie unter dem Verband wund werden oder sich entzünden. Auf die Wunde kommt eine Kompresse. Dann wird die Pfote von unten nach oben mit Polsterwatte eingewickelt, bis über das Gelenk. Es sollte aber nicht zu fest gewickelt werden, sonst staut sich das Blut. Die Polsterwatte wird mit einer selbstklebenden Binde fixiert und zum Schluss mit Pflaster festgeklebt. So geht es zum Tierarzt. Die Erste-Hilfe-Maßnahmen ersetzen nicht den Besuch beim Tierarzt. Er kann die Wunde professionell reinigen und gegebenenfalls Medikamente verschreiben. Ein Pfotenschuh über dem Verband schützt die Stelle zusätzlich. Außerdem sollte man darauf achten, dass der Verband nicht stinkt und das Bein darüber nicht anschwillt.

Ein Pfotenverband muss gut sitzen, darf aber nicht zu fest gewickelt werden.

Verletzung am Ohr:Ist der Hund am Ohr verletzt, zum Beispiel durch eine Dorne oder den Biss eines anderen Hundes, wird ein Kopfverband angelegt. Dazu werden beide Ohren hochgeklappt. Auf die Wunde kommt eine Kompresse. Die wird mit Polsterwatte fixiert, die mehrmals um den Kopf des Hundes gewickelt wird. Darüber kommt die selbstklebende Binde. Auch die darf nicht zu stramm gewickelt werden.

Joker bekommt einen Kopfverband.

Atemnot:Wenn der Hund etwas verschluckt hat und keine Luft mehr bekommt, sollte man zunächst sein Maul öffnen und schauen, ob man den Fremdkörper entfernen kann. Geht das nicht, kann man, mit Hilfe einer zweiten Person, den Hund an den Hinterläufen hochnehmen und ihm links und rechts mit kräftigen, flachen Schlägen auf den Brustkorb klopfen, so dass der Fremdkörper gelöst wird. Klappt das auch nicht, muss das Tier schnellstmöglich zum Tierarzt. Wird der Hund bewusstlos oder tritt Atemstillstand ein, muss er beatmet werden.

Herzstillstand:Wenn der Hund mit starkem Strom in Berührung kommt, weil er zum Beispiel ein Stromkabel durchknabbert, kann es zum Herzstillstand kommen. Dann muss er wiederbelebt werden. Das funktioniert wie beim Menschen: 30 Mal Herzdruckmassagen, zweimal beatmen. Den richtigen Punkt für die Herzdruckmassage sollte man sich allerdings im Vorfeld von einem Experten zeigen lassen, sonst kann der Hund verletzt werden.

Die Wiederbelebung eines Hundes funktioniert – wie beim Menschen auch – mit Herzdruckmassagen und Beatmung.

Kurs in Bad Nauheim: "Erste Hilfe für Hundebesitzer"

Der Erste-Hilfe-Kurs für Hundebesitzer mit Jana Neumann am Sonntag, 11. August, ist schon ausgebucht. Ein zweiter Kurs ist aber bereits geplant. Er findet am Sonntag, 24. November, in der Johanniter-Wache in Bad Nauheim statt. Die Teilnehmer üben, Verbände anzulegen und erhalten viele wichtige Tipps. Die Teilnahmegebühr beträgt 30 Euro. Der Kurs findet ohne Beteiligung des eigenen Hundes statt. Anmeldung unter Telefon 0 60 32/9 14 60 oder per E-Mail an ausbildung.rhein-main@johanniter.de.

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