Liebevoll pflegt Nicole Thuy-Neubert ihren schwerstbehinderten Partner Jochen Scholz. Eine Covid-19-Infektion wäre äußerst gefährlich für ihn. Jetzt freuen sich die beiden über den Impftermin am Samstag.
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Liebevoll pflegt Nicole Thuy-Neubert ihren schwerstbehinderten Partner Jochen Scholz. Eine Covid-19-Infektion wäre äußerst gefährlich für ihn. Jetzt freuen sich die beiden über den Impftermin am Samstag.

Warten auf die Impfung

Erleichterung: Schwerstbehinderter aus der Wetterau erhält nach langer Wartezeit einen Impftermin

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Nicole Thuy-Neubert aus Nieder-Mörlen wartete lange, bis ihr schwerstbehinderter Partner endlich geimpft werden möge. Jetzt ist ein Termin in Aussicht, wenn auch anders als gedacht.

Menschen, die zuhause auf die Corona-Impfung warten, weil sie aus gesundheitlichen Gründen kein Impfzentrum aufsuchen können, werden teilweise auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Nicole Thuy-Neubert, die ihren schwerstkranken Partner Jochen Scholz betreut, konnte ein Lied davon singen. Bis vor Kurzem zumindest, denn zwischenzeitlich hat das Gesundheitsamt des Wetteraukreises reagiert. Scholz, ein 47-jähriger früherer IT-Fachmann in einer Großbank, erlitt vor sechs Jahren spontanes schweres Hirnbluten. Seitdem muss er intensiv gepflegt werden.

Nieder-Mörlen: Eltern konnten den Schwerstbehinderten nicht besuchen

Momentan kommen nur Pflegekräfte und Therapeuten ins Haus der 52-Jährigen und ihres Partners. »Seine Eltern konnten ihn nicht besuchen, da sie im Hochtaunuskreis zwar geimpft sind, aber ihr Sohn nicht«, erzählt Thuy-Neubert. Seit sieben Wochen sei das Paar beim Impfzentrum Büdingen registriert - er für eine Heimimpfung und sie für einen Termin vor Ort. Das war nicht alles, was Thuy-Neubert versuchte.

»Eine Bekannte sagte mir, man könne sich in dringenden Fällen direkt ans Gesundheitsamt wenden. Ich habe unsere Unterlagen daraufhin dorthin geschickt.« Bis Ende April, eventuell auch früher, habe der Hausarzt angekündigt, einen Hausbesuch zwecks Impfung zu machen.

Ende April wäre der Nieder-Mörlenerin allerdings zu spät gewesen. Sie lobt ihren Hausarzt, der zeitnah immer wieder informiert habe, wann mit einem Impfstart zu rechnen sei. »Er sieht auch die Wichtigkeit der Impfung für meinen Partner und andere Schwerbetroffene«, sagt sie.

Corona-Pandemie: Odyssee für Schwerstbehinderten aus Nieder-Mörlen und seine Partnerin

Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, hat Thuy-Neubert sämtliche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Das Team von fünf Pflegekräften vom Balkan, das an ihrer Seite steht, wird routinemäßig einmal pro Woche getestet. »Die Firma schickt eine Box mit Schnelltests. Die Mitarbeiter testen sich einmal pro Woche am Kaffeetisch bei mir. Dankenswerterweise stellt mein Arbeitgeber einen Test pro Woche für mich zur Verfügung.«

Für Besucher, auch für unsere Reporterin, hält sie selbst gekaufte Schnelltests aus dem Supermarkt vor. Pandemiebedingt komme momentan allerdings niemand.

Sollte sich Jochen Scholz mit Covid-19 anstecken, wäre das laut Thuy-Neubert eine Katastrophe. »Er hat starke Schluckbeschwerden und muss regelmäßig abgesaugt werden; er bekommt seine Nahrung über eine Magensonde. Eine Corona-Erkrankung wäre lebensgefährlich, denn die Lunge ist extrem vorgeschädigt. Aufgrund der extremen Schluckbeschwerden aspiriert er regelmäßig Speichel in die Lunge.«

Haben eine Odyssee hinter sich: Jochen Scholz und Nicole Thuy-Neubert.

Hohe Impfpriorität: Schwerstbehinderter erhält Impfung nicht zu Hause

Bei Scholz besteht hohe Impfpriorität, weshalb Thuy-Neubert im Januar sofort bei der Terminvereinbarung in Wiesbaden anrief. Parallel probierte sie es online, kam aber nicht durch. »Eine Dame an der Info-Hotline sagte mir, dass mein Partner in die Kategorie 1 fällt, die für über 80-Jährige oder Schwerstpflegefälle vorgesehen ist. Als ich Tage später ins Online-Portal reinkam, war die Möglichkeit für Schwerstbehinderte rausgenommen.« Über die Langsamkeit, mit der Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern impfe, sei sie sehr traurig gewesen. Sie habe große Angst um ihren Partner gehabt. Umso größer war die Freude, als am Samstag ein Mitarbeiter des Gesundheitsamts anrief und kurzfristig Impftermine für die Familie anbot, allerdings im Impfzentrum Büdingen. Für ihren Partner bestellt Thuy-Neubert nun einen Krankentransport. »Es wäre für Jochen weniger belastend gewesen, wenn sie nach Hause gekommen wären, aber wir werden vermutlich mit Biontech geimpft. Daher bin ich superglücklich.«

Wetterau: Impfungen zu Hause durch Hausärzte

Laut Kreispressesprecher Michael Elsaß haben einige Hausärzte bereits mit den Impfungen zuhause begonnen. Dafür verwendeten die Mediziner die Impfstoffe, die der Wetteraukreis den Praxen zur Verfügung gestellt habe. »Limitierender Faktor ist der fehlende Impfstoff«, sagt Elsaß. Das Land habe Briefe verschickt und den Menschen hinsichtlich einer Impfung zuhause Hoffnungen gemacht, die niemals durch die Strukturen der Impfzentren erfüllbar seien. »Wir haben in Kooperation mit den Hausärzten Unterstützung, um dennoch für Impfungen vor Ort zu sorgen«, sagt Elsaß. Es gebe eine Liste des Landes, auf der sich alle Menschen eintragen konnten, die zu Hause geimpft werden wollten. »Diese Liste wurde uns jetzt zugeleitet. Wir prüfen die Liste, rufen alle Betroffenen an und fragen nach ihrem Hausarzt. Dann machen wir entsprechende Listen, die wir den Hausärzten zukommen lassen, zusammen mit dem dafür notwendigen Impfstoff. Der Hausarzt macht dann den Termin.«

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