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Pfarrer Friedhelm Pieper hält im Gottesdienst in der Auferstehungskirche in Frankfurt-Praunheim seine Abschiedspredigt.

Er lebt die Freundschaft

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Bad Nauheim (pm). Der in Bad Nauheim wohnende ehemalige Pfarrer von Nieder-Mörlen, Friedhelm Pieper, ist in den Ruhestand verabschiedet worden. Zuletzt war er als Referent für interreligiösen Dialog mit Schwerpunkt Judentum und Naher Osten beim Zentrum Oekumene in Frankfurt tätig. Oberkirchenrat Detlev Knoche würdigte im Verabschiedungsgottesdienst das Wirken Piepers und erinnerte an die zahlreichen Stationen in dessen Pfarrdienst.

Nach dem Studium in Tübingen, Jerusalem und Hamburg und dem Vikariat in Raisdorf bei Kiel (heute: Schwentinetal) trat Pieper seine erste Pfarrstelle 1987 in Kiel-Kroog an und übernahm bald danach die Leitung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein. 1993 wurde er zum Jugendpfarrer des Kirchenkreises Kiel berufen.

Im selben Jahr wurde er zum Generalsekretär des Internationalen Rates der Christen und Juden (ICCJ) gewählt und zog mit seiner Familie nach Hessen. Für sechs Jahre stand Piepers Schreibtisch im ehemaligen Haus des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber in Heppenheim. Von dort aus betreute Pieper das internationale Netzwerk christlich-jüdischer Gesellschaften und war Mitorganisator internationaler Konferenzen in Moskau, Kiew, Sevilla, Montevideo, Riga und Utrecht. »Es war für mich eine enorme Horizonterweiterung, Juden und Christen in so vielen unterschiedlichen Ländern zu begegnen und ihre Fragen und Themen kennenzulernen«, blickt Pieper zurück.

Audienz mit Papst Franziskus

In der Zwischenzeit hatten Pieper, seine Ehefrau, Pfarrerin Susanne Pieper, und seine Kinder Hessen als Lebensmittelpunkt lieb gewonnen, sodass nach Ende des Vertrags beim ICCJ ein Wechsel in den kirchlichen Dienst in Hessen angestrebt wurde. Das Ehepaar wurde 2003 in den Dienst in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) übernommen. Die Christuskirchengemeinde Nieder-Mörlen wählte 2004 Friedhelm Pieper zum Nachfolger von Jörg-Michael Schlösser, während Susanne Pieper Pfarrerin in der Kernstadtgemeinde Bad Nauheim wurde. »Es tat gut, nach dem internationalen Wirken mal wieder vor Ort mit den engagierten Menschen in Nieder-Mörlen Kirchenleben zu gestalten und zu pflegen«, macht Friedhelm Pieper deutlich. Gern erinnert er sich an die gute ökumenische Zusammenarbeit mit Pater Jacob und der katholischen Nachbargemeinde.

Die EKHN hatte aber auch ein Interesse, die internationalen Erfahrungen Piepers zu nutzen, und so wurde der Nieder-Mörler Pfarrer 2009 zum Europareferenten des Zentrums Oekumene gewählt. Pieper blieb engagiert im christlich-jüdischen Dialog und nahm an einer Audienz mit Papst Franziskus teil. Er war Mitglied in der Delegation des Ministerpräsidenten Volker Bouffier bei dessen Reise 2011 nach Israel und in die palästinensischen Gebiete

Im Mai 2013 wurde Friedhelm Pieper zum Evangelischen Präsidenten des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit gewählt, ein Amt, das er auch weiterhin innehat. Sein Engagement führte ihn 2016 am Zentrum Oekumene in die Stelle des Referenten für interreligiöse Beziehungen mit Schwerpunkt Judentum und Naher Osten.

Nicht so ganz in den Ruhestand

Dass er in den letzten Jahrzehnten eine stetige Verbesserung der jüdisch-christlichen Beziehungen feststellen durfte, bewege ihn zutiefst, wenn man die Geschichte des jüdischen Leidens bedenke, sagte Pieper bei seiner Verabschiedung. Dass er ein wenig zur Verbesserung des christlichen Verhältnisses zum Judentum habe beitragen dürfen, erfülle ihn mit großer Dankbarkeit. Friedhelm Pieper dankte seiner Frau Susanne und seinen Kindern, die die Wechsel in seiner beruflichen Laufbahn mitgetragen hätten.

So ganz in den Ruhestand geht Pieper noch nicht: Er bleibt als Präsident der christlich-jüdischen Gesellschaften tätig. In dieser Eigenschaft wirkte er auch mit bei der Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Bundeskanzlerin Angela Merkel - nur zwei Tage nach seiner Verabschiedung aus dem hauptamtlichen kirchlichen Dienst.

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