Martin Arneburg wirft einen Blick in die Befehlsstelle der Polizei im Colonel-Knight-Stadion. Mit der neuen Kamera wird das Geschehen auf der Tribüne beobachtet.
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Martin Arneburg wirft einen Blick in die Befehlsstelle der Polizei im Colonel-Knight-Stadion. Mit der neuen Kamera wird das Geschehen auf der Tribüne beobachtet.

Eisstadion: Kampf gegen Krawall und Bengalos

Bad Nauheim (chh). Donnerstag, 31. Oktober 2013: Dunkle Rauchschwaden ziehen durch das Colonel-Knight-Stadion. Während der EC Bad Nauheim und die Lausitzer Füchse auf dem Eis um den Sieg kämpfen, zünden mitgereiste Anhänger aus Weißwasser Bengalische Feuer und eine Rauchbombe.

Die Beamten bilden sofort eine Kette und trennen die aufgebrachten Fanlager. Nach der Schlusssirene werden die Gästefans zum Bus geführt. Das Ende eines turbulenten Abends? Nicht für einen Anhänger des EC Bad Nauheim. Er steigt in den Wagen und verfolgt den Fanbus der Lausitzer auf der A 5. Bei Münzenberg kurbelt er das Fenster herunter und bewirft das Fahrzeug mit Pyrotechnik. Willkommen bei einem Brisanz-Spiel der DEL 2.

Schlägereien, Beamtenbeleidigung, Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz: Der Aufstieg des EC Bad Nauheim in die zweithöchste deutsche Eishockeyliga ist auch für die Polizei eine große Herausforderung. »Zwischen einigen Fanlagern herrscht Krieg«, sagt Polizeihauptkommissar Ulrich Römer. Insbesondere bei sogenannten Brisanz-Spielen wie zum Beispiel die Derbys gegen Kassel und Frankfurt haben die Beamten alle Hände voll zu tun. Um Krawalle und das Abbrennen von Pyrotechnik in den Griff zu bekommen, werden die Spiele im Colonel-Knight-Stadion neuerdings aufgezeichnet. Zudem leistet sich die Polizei mit Martin Arneburg einen SKB, einen »szenekundigen Beamten«.

Der 49-jährige Polizeioberkommissar ist seit der letzten Runde beim EC im Einsatz – sowohl bei Heim- als auch bei Auswärtsspielen. In Bad Nauheim empfangen Arneburg und seine Kollegen die Gästefans am Parkplatz und begleiten sie zum Stadion. Während die Fans ihre Mannschaft anfeuern, hat er die Tribünen im Auge. »Ich kenne meine Pappenheimer. Ich beobachte und versuche, mit dem ein oder anderen zu sprechen.« Nach den Spielen bringt Arneburg die Fans wieder zum Bus. Kein leichtes Unterfangen. Der Weg zum Parkplatz an der Frankfurter Straße führt durch den Park. Alkohol, Dunkelheit, ein Teich: Keine gute Kombination. Sitzen die Gäste sicher und trocken im Bus, endet der Einsatz.

Als SKB ist Arneburg aber nicht nur an Spieltagen gefragt. Er steht auch regelmäßig im Kontakt mit der Polizei in den Städten der anderen Clubs. So weiß er zum Beispiel schon vor dem Spiel, wie viele Fans in etwa anreisen werden und ob sich unter ihnen auch gewaltbereite Anhänger befinden. »Die anderen SKBs kennen schließlich auch ihre Pappenheimer.« Zudem stöbert Arneburg regelmäßig in Fanforen und sucht nach Hinweisen. Mit Erfolg: Vor dem Gastspiel der Bietigheim Steelers kontrollierten die Einsatzkräfte einen Fanbus.

Sie fanden Pyrotechnik, Drogen und einen Baseballschläger. »Wir haben etliche Strafverfahren eingeleitet«, sagt Arneburg. Seit er als SKB im Einsatz ist, hat er bereits 18 Fälle bearbeitet. Darunter Verstöße gegen das Sprengstoff- und das Versammlungsgesetz, Körperverletzungen und Beamtenbeleidigung. »In den meisten Fällen haben die Ermittlungen zu Stadionverboten geführt, die für die gesamte Liga gelten.« Wegen Vorfällen in Bad Nauheim sind die Spielstätten für neun Personen Tabu, darunter auch für zwei EC-Anhänger.

Arneburg will die Situation in der DEL 2 nicht dramatisieren – »wir sprechen hier nicht von Zuständen wie im Fußball« –, trotzdem sei die Entwicklung besorgniserregend. So hätten sich bereits Fußball-Rowdys aus Dresden und Cottbus unter die Gäste gemischt. Sie dürften nur bedingt am Eishockey interessiert sein.

10 000 Euro teures Kamerasystem

Die szenekundigen Beamten sind laut Polizeihauptkommissar Römer aber nur ein Baustein im Konzept der Polizei. Ein weiterer ist die neue Videoanlage, die beim Spiel gegen die Kassel Huskies zum ersten Mal zum Einsatz kam. An beiden Seiten der Stehkurve hängen die Kameras, in der neu eingerichteten Befehlsstelle können die Beamten das Geschehen auf einem Bildschirm verfolgen. »Die Kameras sind jeweils auf den anderen Block ausgerichtet, sie sind schwenk- und zoombar«, sagt Römer, der betont, dass ausschließlich Eishockeyspiele überwacht würden. »Niemand wird beim normalen Schlittschuhlaufen gefilmt.« Es könne jedoch sein, dass auch Jugendspiele überwacht würden, allerdings nur, wenn sich im Vorfeld Probleme abzeichneten. Wie auch die Präsenz von SKB Martin Arneburg sollen die Kameras in erster Linie abschreckend wirken. Laut Römer hat die neue Technik rund 10 000 Euro gekostet.

Dass sich die Chaoten vor oder nach dem Spiel im Kurpark an die Gurgel gehen, können die Kameras nicht verhindern. Auch nicht, dass ein wild gewordener EC-Anhänger auf der Autobahn mit Bengalos um sich schmeißt. Besagter Mann muss sich übrigens wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor Gericht verantworten. Wegen eines Stadionverbots wird er das Colonel-Knight-Stadion zudem für lange Zeit nicht mehr von innen sehen.

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