Die Zukunft der Eisenbahnfreunde liegt im Nebel. Die Fahrten mit der Dampflok - Haupteinnahmequelle des Vereins - können bis auf Weiteres nicht veranstaltet werden.	FOTO: WZ-ARCHIV
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Die Zukunft der Eisenbahnfreunde liegt im Nebel. Die Fahrten mit der Dampflok - Haupteinnahmequelle des Vereins - können bis auf Weiteres nicht veranstaltet werden. FOTO: WZ-ARCHIV

Es wird eng

Eisenbahnfreunde brechen Einnahmen weg

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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2020 drohen den Eisenbahnfreunden Einnahmen in sechsstelliger Höhe wegzubrechen. Die Corona-Krise könnte für die Fans historischer Züge schlimmstenfalls existenzgefährdend werden.

Mächtige Dampfwolken sollten am morgigen Sonntag auf dem Gelände der Eisenbahnfreunde Wetterau am Bahnhof Bad Nauheim/Nord eigentlich gen Himmel steigen. Doch die Dampflok muss nicht angeheizt, für die 20 Kilometer lange Fahrt mit dem historischen Zug nach Münzenberg muss kein Proviant geladen werden. Der Saisonauftakt am 5. April fällt aus, denn für die Ausbreitung des Coronavirus wären die beengten Verhältnisse in den Waggons geradezu ideal.

Andere Vereine kommen nicht in Bedrängnis, wenn sie für einige Monate ihren Betrieb einstellen müssen, ganz anders bei den Eisenbahnfreunden. »Die normalen Fahrten auf der Wettertalstrecke sind unsere Haupteinnahmequelle und bringen etwa 150 000 Euro im Jahr«, erklärt Vorsitzender Stefan John. Ohne den Ticketverkauf sind die hohe Kosten für den Unterhalt der Strecke, Bauarbeiten auf dem Vereinsgelände und die Reparatur der Fahrzeuge nicht zu finanzieren.

»Allein für Ausgaben wie Strom, Miete und Versicherungen haben wir monatliche Kosten von 3500 Euro«, sagt John. Die Instandsetzung der Dampflok wird 150 000 Euro verschlingen, wobei ein Drittel bereits durch eine Spende der Sparkassen-Stiftung finanziert werden kann. »Alles, was wir anpacken, kostet viel Geld. Bei Gleisarbeiten fallen schnell mal 60 000 Euro an«, nennt der Vereinsvorsitzende ein weiteres Beispiel für den enormen Investitionsbedarf.

Keine Aufträge für Holztransporte

In diesem Jahr werden die Eisenbahnfreunde einige Pläne zurückstellen müssen. John erwähnt die Reparatur der Dampflok, die nur zerlegt wird - »das kostet kein Geld«. Ursprünglich sollte wegen der Reparatur eine andere Dampflok für die Fahrten ausgeliehen werden. Auch diese Geldausgabe wird sich der Verein notgedrungen ersparen. Die Termine für das Kulturprogramm »Zugluft« und den »Wetterauer Vogelzug, ein ornithologischer Ausflug, wurden bereits in den Herbst und den Winter 2020 oder ins Frühjahr 2021 verschoben.

Normalerweise könnten die Eisenbahnfreunde trotz der Corona-Krise Aufträge für Holztransporte abwickeln. Dich der Holzmarkt ist aufgrund des Baumsterbens in den Wäldern fast zusammengebrochen. »Wir konnten in diesem Jahr noch keinen einzigen Holzzug fahren lassen«, berichtet John. Er blickt skeptisch in die Zukunft, denn der Verein habe keine Rücklagen, lebe von der Hand in den Mund. »Wenn es bis zum Frühsommer so bleibt wie im Augenblick, wird es eng für uns«, betont der Vorsitzende, denn die Saison ende bereits im Oktober.

Unterstützung durch Gutschein-Kauf

Freunde der historischen Eisenbahn können Gutscheine für die Fahrten auf der 20 Kilometer langen Wettertalstrecke zwischen Bad Nauheim und Münzenberg erwerben. Nach Auskunft des Vereinsvorsitzenden Stefan John können die Gutscheine eingelöst werden, sobald die Corona-Krise vorbei ist und der Zugverkehr wieder läuft.

Seit Montag sind die Eisenbahnfreunde auch auf der Internetseite zu finden, die der Unterstützung der heimischen Wirtschaft dienen soll (www.badnauheimliebe.de). Dort können die Gutscheine erworben werden, eine Kontaktaufnahme mit den Eisenbahnfreunden ist unter der folgenden E-Mail-Adresse möglich: homepage@ef-wetterau.de.

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