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Peter Steiber und Susann Schöburg-Steiber (»Bijoux am Park«) beobachten ein eher vorsichtiges Kaufverhalten der Kunden.

Wetterauer Modegeschäfte nach dem Lockdown

Einzelhandel: Lage entspannt sich, aber noch keine Erholung

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Modegeschäfte berührte die Pandemie auf besondere Weise. Die Branche ordert Kollektionen im Vorfeld, konnte die Ware nicht immer zurückgeben. Wie ist die Lage in Bad Nauheim und Friedberg?

Zwei Kundinnen stöbern im Kindermodengeschäft »Juna Joules« in den Kolonnaden in Bad Nauheim. Noch vor wenigen Monaten war dies pandemiebedingt ein undenkbares Bild. »Erholt hat sich das Geschäft noch nicht. Aber dank verschiedener Maßnahmen der Stadt, auch durch das Online-Portal ›Bad Nauheim-Liebe‹, sind wir einigermaßen durch die Zeit gekommen«, sagt Inhaberin Pia Linkenbach. Es gab ihren Worten zufolge viele Tiefen, aber auch lichte Momente. »Das lag auch an der treuen Kundschaft.« Viele Menschen nahmen die Angebote demnach sehr gut an, ob online oder als Verkauf am Tisch an der Ladentür.

Zweiter Lockdown? Wohl eher nicht!

»Momentan ist die Lage in Ordnung bis teilweise gut, je nach Wetterlage«, sagt Linkenbach. Das habe weniger mit dem pandemischen Geschehen zu tun als mit den Gegebenheiten im klassischen Einzelhandel. Schönes Wetter sei von Vorteil, die langen Schlechtwetterphasen gerade im Anschluss an die Pandemie dagegen seien nicht gut gewesen. Dass die Geschäfte noch mal schließen, glaubt die 46-Jährige vor dem Hintergrund der Impfkampagne nicht wirklich. »Wenn, würde man vernünftigere Maßnahmen entwickeln als alles wieder runterzufahren.«

Bettina Olmo-Martin zieht ein farbenfrohes Kleid von einem Ständer und zeigt es. »Die Menschen suchen noch Sachen für die Ferien. Und auch wer zu Hause bleibt, will schön aussehen.« So beschreibt die Inhaberin von »nice2have« die aktuelle Lage. Während des Lockdowns hätten die viele Kunden dem Modegeschäft in der Kurstraße die Stange gehalten, weshalb Olmo-Martin unterm Strich zufrieden ist.

Ob sich der Einzelhandel jemals erholt, werde sich zeigen. »Aber wir haben durch die Krise die Digitalisierung bei uns im Laden stark vorangetrieben. Uns hat das über die Krise im Grunde sehr hinweggeholfen.« Der Kundenkontakt habe über soziale Medien wie WhatsApp, E-Mail und den Online-Shop gut funktioniert. »Falls noch mal so was kommt, haben wir die Weichen gestellt, um zu überleben«, betont die 59-Jährige. Nach dem Lockdown sei der Nachholbedarf zunächst sehr groß gewesen. Das Geschäft hält laut Olmo-Martin weiterhin alle Hygiene- und Abstandsregeln ein, manche Kunden seien gleichwohl noch besorgt wegen möglicher Ansteckungsgefahren. Nach wie vor besteht daher die Möglichkeit, Termine zum Einkaufen zu vereinbaren. »Man muss umdenken«, stellt die Geschäftsfrau fest.

Jochen Ruths, Mitinhaber von »Mode Ruths« in der Friedberger Kaiser- und der Bad Nauheimer Reinhardstraße, sieht momentan verschiedene Faktoren, die den Geschäftslauf beeinflussen. »Hauptfaktor ist die Ferienzeit, einige Leute sind im Urlaub.« Daher sei die Kundenfrequenz geringer als vor einigen Wochen. »Aber wir sind normal unterwegs. Nun steht die Deltavariante vor der Tür, und die Frage: Wie kommen wir durch? Es ist noch nicht vorbei«, sagt der 45-Jährige.

An-der-Tür-Verkauf hilft durch die Krise

Mode und Schmuck sind miteinander verbunden, aber es gibt Unterschiede, wie Peter Steiber und Susann Schönburg-Steiber von »Bijoux am Park« in der Bad Nauheim Parkstraße wissen. »Schmuck ist ein festbleibender Wert. Das ist leichter als in der Textilbranche mit ihren saisonalen Kollektionen«, erklärt Schönburg-Steiber. Als Juweliergeschäft sei »Bijoux am Park« relativ gut durch die Pandemie gekommen, auch wenn die Zeit mühsam war und zu hohen Einbußen führte. »Anlässe gibt es immer, wie Geburtstag und Kommunion«, schildert die 54-Jährige. Mit An-der-Tür-Verkauf und persönlicher Belieferung habe sich das Geschäft geholfen. »Wir haben jede Situation genutzt, die sich geboten hat, um in Kontakt mit dem Kunden zu bleiben.« Wie Peter Steiber sagt, lässt sich von einer Erholung des Unternehmens noch nicht wirklich sprechen. »Die Kunden sind immer noch verhalten, da wir zu einer Branche gehören, die viel Luxus verkauft und nicht die Basisbedürfnisse abdeckt«, sagt der 61-Jährige.

Was die Lage erleichtert, ist nach Ansicht des Geschwisterpaars auch die Wiederbelebung der Stadt durch die wieder geöffneten Cafés. Angst, dass im Herbst alles wieder schließen muss, sei aber da, wie die beiden bekennen.

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