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Eintauchen in eine besondere Epoche

  • vonCorinna Weigelt
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Bad Nauheim(cor). Es tut schon weh, wenn die Bad Nauheimer auf ihre Kerb verzichten müssen. Auf der anderen Seite ist aber auch Verständnis spürbar, dass eine mehrtägige Großveranstaltung wie die Kerb in Pandemie-Zeiten nicht stattfinden darf. Alternativ hatte der Verein "Erlebnis Bad Nauheim" kurzfristig die Idee, einen verkaufsoffenen Sonntag anzubieten, der nicht nur zum Shoppen einladen, sondern auch Unterhaltung bieten sollte. Heraus kam das Jugendstil-Wochenende. Das Angebot lockte am Sonntag Besucher in die Innenstadt. Auch die Sonne ließ sich am Nachmittag blicken, wohingegen der Samstag noch von Regen begleitet worden war.

Absagen, aber viele Kunden

Unterstützung erhielt "Erlebnis Bad Nauheim" von der Stadt und von den Bad Nauheimer Salontänzern, die das "Jugendstil-Wochenende" in der Innenstadt sichtbar machten. Im Mittelpunkt der Tanzformationen steht bei den Salontänzern die Pflege alter Gesellschaftstänze. Die Tanzpaare boten an verschiedenen Orten in der Stadt stilvolle Tanz-Darbietungen.

Eingeladen wurde auch der Radfahrer-Verein 1893 Groß-Gerau mit seinen historischen Hochrädern. "Leider mussten wir vor einigen Tagen absagen", teilte Vereinsvorsitzender Udo Kühnel mit. "Gerne sind wir dann beim nächsten Jugendstilfestival wieder dabei." Auch die Modegruppe des Jugendstilvereins konnte leider nicht teilnehmen. "Wir sind trotzdem zufrieden", sagte Natascha Schmidt, Vorsitzende von "Erlebnis Bad Nauheim. Viele Kunden hätten den Sonntag für einen Besuch in den Geschäften eingeplant und das Angebot schließlich auch genutzt.

Kurgäste-Boom um das Jahr 1900

Ausgebucht waren am Wochenende die Stadtführungen, die an zwei Tagen angeboten wurden. Los ging es wie immer am Treffpunkt des Stadtmarketings. Der Stadtrundgang führte die Teilnehmer zu vielen sehenswerten Jugendstil-Objekten der Kurstadt. Wer sich da bestens auskennt, ist Gästeführerin Irene El-Sayed, die am Samstag die Gruppe durch die Stadt leitete. Vorbei am Benekebrunnen ging es in die Sprudelhof-Anlage, danach durch den Kurpark, vorbei an der Dankeskirche zur Trinkkuranlage, ehe der Ernst-Ludwig-Ring und die Karlstraße ebenso Historie boten. "Stellen Sie ruhig Fragen, das freut mich immer besonders", sagte El-Sayed, die den Gästen den informativen Bogen von der Zeit des Salzsiederdorfes über den ersten Kurbetrieb bis hin zum Jahr 1900 spannte, als die Stadt einen Kurgäste-Boom erlebt hatte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts reichten die Badeanlagen für die wachsende Zahl der Kurgäste nicht mehr aus. Es entstanden neue Bade- und Kuranlagen im Jugendstil. Die Zahl der Kurgäste stieg auf über 35 000 im Jahr, darunter viele Russen und Amerikaner.

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