Auch Geschäftsführerin Ute Latzel trifft sich momentan vermehrt über Online-Dienste zum Gespräch, wie hier über "Skype".
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Auch Geschäftsführerin Ute Latzel trifft sich momentan vermehrt über Online-Dienste zum Gespräch, wie hier über »Skype«.

Müfaz-Corona-Angebote

Einsam in der Corona-Krise: Müfaz bietet Gespräche mit der Plaudertasche

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Für Kinder ist die Corona-Krise nicht ohne. Der Nachwuchs kann nicht in Kita und Schule, ist meistens zu Hause, fühlt sich gelangweilt und muss aus der Ferne lernen. Das Müfaz Bad Nauheim hilft.

Munter klingt es aus dem Hörer: »Hallo, hier ist Susanne Pfaff.« Im ersten Moment stutze ich, dann fällt es mir wieder ein: Mit dem Mütter- und Familienzentrum (Müfaz) in Bad Nauheim habe ich vereinbart, mich für meine Recherche über die Telefon- und Online-Angebote der Einrichtung durch eine »Plaudertasche« anrufen zu lassen. Pfaff ist eine der Frauen, die nach Absprache mit Menschen telefonieren, die durch die Corona-Krise ans Haus gefesselt sind, sich einsam fühlen und Gesprächsbedarf haben.

»Die meisten haben Druck zu reden. Manche haben ihre eigene Stimme schon ewig nicht mehr gehört«, sagt Pfaff. Normalerweise ist die 57-Jährige für den Notmütterruf des Müfaz beruflich aktiv, doch momentan geht sie nicht in Familien, da sie zur Risikogruppe gehöre. Stattdessen ist sie bei dem neuen Angebot »Plaudertaschen« mit von der Partie.

»Das Müfaz hat sich überlegt, womit wir Familien in der Corona-Krise unterstützen können«, schildert Geschäftsführerin Ute Latzel. Für alle Generationen ist etwas dabei, denn das Müfaz ist auch Mehrgenerationenhaus und wird vom Bundesfamilienministerium gefördert. Mit Latzel habe ich mich einige Tage vorher über den Bildtelefonie-Dienst Skype getroffen.

Einsam in der Corona-Krise: Üblicher Tagesablauf fehlt

»Der übliche Tagesablauf fehlt in den Familien, und es ist wichtig, den Kindern eine Struktur zu geben«, sagt sie. Rituale wie morgens aufstehen, sich anziehen und frühstücken leisteten dies. »Die Kinder müssen derzeit sehr viel beschäftigt werden, was für etliche eine große Herausforderung ist«, sagt sie.

Die Jungen und Mädchen dürften nicht in den Kindergarten, abgesehen von der Notbetreuung. »Sie vermissen ihre Freunde, die sie sonst an fünf Tagen in der Woche in der Kita sehen«, erklärt Latzel. Vier Offerten mache die Einrichtung nun: zum einen ein Online-Morgenkreis für die Kita »Kinderparadies« und den Mini-Kindergarten. »Sie treffen sich jetzt jeden Morgen über ›Zoom‹.« Nicht alle, aber ein Teil habe sich angemeldet.

Ein weiteres Angebot ist »Müfaz at Home«, das ebenfalls über »Zoom« läuft. An jedem Werktag treten von 15 bis 15.30 Uhr Sandra Piprek, Chantal Francisco de Sousa und Anja Böttcher vor die Kamera, wo sie im Wechsel backen (montags), spielen (dienstags und donnerstags), basteln (mittwochs) und lesen (freitags). »Wir sind keine YouTuber und Influencer, wir haben keine Erfahrung mit diesen Angeboten, doch wir lernen mit jedem Tag dazu«, konstatiert Latzel.

Vierter Baustein der Müfaz-Online-Offerten ist eine Sprechstunde von Inka Kamradt für Mütter und Väter, die ihren Kindern beim »Homeschooling« helfen müssen. »Sie beantwortet den Eltern Fragen, gibt Tipps, wie sie die Kinder motivieren können und wie man Mathe und Co. mit ihnen lernen kann.«

Einsam in der Corona-Krise: Online probieren geht leider nicht

Zurück zu Susanne Pfaff und dem Plaudertelefon. Mit ihr und den Kolleginnen hat das Müfaz Ideen zu Plauderthemen erarbeitet, wie sie mir erzählt: »Über das Wetter, Urlaub, Freunde, Hobbys, Familie, Bücher, Musik.« Spreche sie ein oder zwei Themen an, komme die Unterhaltung meist rasch in Gang. »Wir fragen die Leute nicht aus. Je nach Bedarf kann ein Gespräch bis zu einer Stunde dauern, wobei eine Wiederverabredung möglich ist.« Professionelle Hilfe im Sinne einer Telefonseelsorge sei es aber nicht. »Hat jemand psychische Probleme, sind wir nicht die richtigen Ansprechpersonen. Wir haben aber eine Liste mit passenden Telefonnummern«, erläutert die Bad Nauheimerin.

Nun teste ich eines der anderen Angebote, ich melde mich zum »Backen mit Sandra« über »Zoom« an. Sandra Piprek steht zu Hause in ihrer Küche. »Wie geht’s euch denn so?«, fragt sie gut gelaunt in die Kamera. Eine kleine Gruppe Kinder und ihre Eltern ist zugeschaltet, macht mit, als die 50-Jährige einen Kirschkuchen backt. Eine halbe Stunde dauert das »Meeting«, an dessen Ende Piprek bereits das Ergebnis zeigt - denn sie hat vorgebacken. Online probieren geht leider nicht.

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