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Fast so schön wie in Italien sitzt es sich am Brunnen am Kastanienrondell. Was Beatrice Miguel bei ihren Auslandsaufenthalten und danach erlebt hat, hat sie in zahlreiche Kladden geschrieben. Mittlerweile sind daraus Bücher entstanden.

"Einmal Italien und zu mir"

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Bad Nauheim(ihm). Viele Menschen träumen von Dingen, die sie niemals umsetzen. Bei Beatrice Miguel, die in Pohlheim bei Gießen wohnt und seit Kurzem in Bad Nauheim arbeitet, ist dies anders. In ihrem Buch "Una vita non basta - Einmal Italien und zu mir" erzählt sie davon. Miguels Traum geht auf einen Urlaub zurück, den die heute 56-Jährige 2010 in Kalabrien verbrachte und während dem sie sich in Italien verliebte. Der Wunsch war geboren, dort zu leben. Sie lernte Italienisch in der Volkshochschule, machte immer wieder Urlaub in Italien und schaute sich dabei nach Arbeit um. Vergeblich allerdings.

2013 stieß Beatrice Miguel dann aber auf die "Granny-Aupairs". Dieses Angebot richtet sich an Frauen ab 50 Jahren, die zu Familien ins Ausland gehen wollen, um dort die Kinder zu betreuen. Sie fand eine englische Familie in der Nähe von Rom, bei der sie sich bewarb - und es klappte. Geplant waren zwei Jahre.

Miguel besuchte einen Sprachkurs, wenn die Kinder in der Schule waren. Es gefiel ihr. "Ich habe im Kurs Menschen kennengelernt, mit denen ich heute noch in Kontakt bin", erzählt sie. Überraschend änderte die Familie nach fünf Monaten aber ihr Lebenskonzept, die Kinder siedelten zum Vater nach Deutschland um. Somit war der Aufenthalt wieder beendet, schweren Herzens kam Miguel zurück.

So war es nicht gedacht

"Ich hatte das Gefühl, ich habe meinen Traum noch nicht wirklich gelebt", erinnert sie sich. Sie nahm eine befristete Arbeit auf - und als der Vertrag auslief, beschloss sie, Italien erneut zu erkunden: diesmal, um vom Norden in den Süden zu reisen. Sie meldete sich bei der Internetplattform "Workaway" an, wo die Nutzer nach Jobangeboten im Ausland suchen können. Sie erhalten für ihre Mitarbeit Gastfreundschaft mit Kost, Logis und Einblicken ins Land.

Vor diesem halbjährigen Auslandsabenteuer stellte sich Miguel die Frage: "Wir wird mich die Reise verändern - welche Teile von mir nehme ich mit?" Sie wurde mit sich selbst konfrontiert, wie sie feststellte. Denn in den ersten vier Wochen lebte sie genauso wie in Deutschland: sie funktionierte.

Bei ihren Jobs in Italien hatte sie gleich zweimal Pech: Ein Landwirt und ein Ehepaar nutzten sie in Olivenhain und Haushalt aus, ließen sie statt der vereinbarten Halbtagstätigkeit ganztags schuften. Tagsüber arbeiten, abends im Zimmer sitzen, nichts vom Land sehen - so war das Konzept nicht gedacht. Miguel brach die Jobs ab, mietete ein Auto und fuhr die Mittelmeerküste entlang. Ohne Navigationssystem, nur mit Landkarte. Ihren Schritt bereute sie nicht: "Es war die richtige Entscheidung, nun war ich flexibel." Besonders schön war, als sie mehrere Wochen Wohnung und Haustiere eines befreundeten Paars in Ostia hütete, das in die USA verreist war. "Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich erlebt, was es heißt, im Hier und Jetzt zu sein", blickt sie zurück.

Während ihrer Reise schrieb sie mehrere Kladden voll, um zu Hause ein Buch über das Erlebte herauszugeben. Wieder zurück, brachte sie in wenigen Wochen "Una vita non basta" ("Ein Leben reicht nicht") auf Papier, veröffentlichte es Ende 2017. Miguel ist dabei ihr Autorinnenname, im wirklichen Leben heißt sie Runkel.

Nächstes Projekt: Kinderbuch

Gemeinsam mit Freundin Eva Saarbourg, die auch ihre Cover gestaltete, entwickelte sie anschließend das Programm "Ohrenschmaus im Doppelpack". Musik und Gesang garnieren Lesungen aus mittlerweile zwei Büchern. Denn viele Leute fragten sie: "Was hast du denn nach der Reise gemacht?" Die Antwort ist einfach, sie suchte Arbeit. Dies war als über 50-Jährige durchaus schwer. "Ich habe acht Stunden pro Tag vor dem PC gesessen und nach Stellen gesucht." Dranzubleiben zahlte sich aber aus - zunächst allerdings anders als gedacht. Sie wurde Baustellensekretärin, und zwar im Auftrag einer Zeitarbeitsfirma, was sie anfangs ausgeschlossen hatte. Ihre Erlebnisse bei der Jobsuche verarbeitete Miguel in dem Buch "Die eierlegende Wollmilchsau." Mittlerweile arbeitet sie an ihrem dritten Werk - diesmal ist es etwas für Kinder.

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