Claudia Tust übergibt ihre mitgebrachte Teedose an Geschäftsinhaberin Kirsten Heil.
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Claudia Tust übergibt ihre mitgebrachte Teedose an Geschäftsinhaberin Kirsten Heil.

Bundesweite Aktion

Einkaufen ohne Verpackungsmüll in Bad Nauheim – Diese Betriebe beteiligen sich

  • VonHarald Schuchardt
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Einkaufen ohne überflüssige Verpackung - das ist das Ziel der Initiative »Einmal ohne, bitte«. Vier Betriebe in Bad Nauheim beteiligen sich an der Aktion.

Schon mehrere Jahre versucht Claudia Tust, beim Einkauf Verpackungsmüll zu vermeiden. So hat sie immer genügend Behälter dabei, um darin gekaufte Wurst, Käse oder andere lose Lebensmittel zu »verpacken«. Holt die Bankangestellte, die vor zehn Jahren mit ihrer Familie von Oberursel nach Bad Nauheim gezogen ist, im Teehaus »Cha-Lo« in der Parkstraße losen Tee, dann hat sie ihre Teedose dabei.

Als die Mutter zweier Kinder im Herbst in der Zeitschrift »Öko-Test« einen Bericht über die im Februar 2019 in München gegründete Initiative »Einmal ohne, bitte« las, überlegte sie sich, ob es nicht möglich sei, auch in Bad Nauheim Geschäfte für den verpackungsfreien Einkauf zu begeistern. Tust setzte sich mit der Initiative in Verbindung und ließ sich Info-Material schicken. Ziel der Kampagne ist es, die Verpackungsflut zu bekämpfen, indem sie Läden sichtbar macht, in denen die Kunden Lebensmittel aller Art unverpackt kaufen können. Für das Projekt wurde ein Aufkleber entwickelt, der den Schriftzug »Einmal ohne, bitte« trägt. Damit sollen Geschäfte, Stände, Supermärkte, aber auch Restaurants, die Speisen zum Mitnehmen anbieten, gekennzeichnet werden, wenn sie die Möglichkeit bieten, Ware unverpackt einzukaufen und eigene Behälter vor Ort befüllen zu lassen.

Mehr Verpackungsmüll durch Corona – Vier Betriebe in Bad Nauheim beteiligen sich an Initiative

Aktuell haben sich 824 Geschäfte und Gastronomiebetriebe zwischen Hamburg und München der Aktion angeschlossen, dank Tust sind auch vier aus Bad Nauheim dabei. In den letzten Wochen hatte Tust bei ihren Einkäufen immer Flyer dabei. Sie sprach zahlreiche Geschäftsinhaber in Bad Nauheim an, ob sie sich an der Aktion beteiligen wollen. Tust: »Gerade in Corona-Zeiten fällt ja noch mehr Verpackungsmüll an, alleine durch die Bestellung von Speisen und Getränken.« Mehrere Geschäftsinhaber waren von der Idee durchaus angetan, hatten aber wegen der Pandemie-Regeln Bedenken. »Einige überlegen noch, doch ich bleibe dran«, sagt Tust.

Sofort Ja gesagt hat Kirsten Heil, Inhaberin des Teehauses »Cha-Lo«. »Das war für mich keine Frage. Verpackungsfreies Einkaufen gibt es bei uns schon seit 35 Jahren«, sagt die Geschäftsfrau. Ihre Stammkunden haben beim Einkauf immer ihre Teedose dabei. »Wir füllen die Ware dann direkt in die Dose«, sagt Heil, die allerdings mit Beginn der Corona-Pandemie ein Problem gehabt hat: »Der Verkauf von loser Ware war für ein halbes Jahr untersagt. Niemand wusste ja zunächst, wie sich das Virus verbreitet.« Zahlreiche Stammkunden kamen im ersten »Corona-Halbjahr« nicht mehr.

Einkaufen ohne Verpackungsmüll in Bad Nauheim: Wer Behälter mitbringt, wird belohnt

Inzwischen sind die Regeln geändert, und mit den bekannten Hygienemaßnahmen wie Plastikabtrennungen, Masken und Abstand darf in dem Tee-Fachgeschäft der Tee wieder in die mitgebrachten Behälter gefüllt werden. »Das ist dank einer Empfehlung des hessischen Umweltministeriums jetzt wieder möglich«, sagt Tust, die auch Stammkundin im Unverpacktladen »Nix-Drum-rum« am Marktplatz ist. »Seit der Eröffnung am Nikolaustag 2019 kaufe ich dort ein«, erzählt Tust, die auch Laden-Inhaberin Simone Schmidt auf die Initiative aufmerksam gemacht hat. »Das ist auf jeden Fall eine ganz wichtige Sache, und ich hoffe, dass nach Corona noch mehr Geschäftsinhaber in Bad Nauheim mitmachen«, sagt Schmidt.

Mit der Café-Bar »Levante« in der Karlstraße macht nun auch das erste Restaurant mit - ebenso wie das Geschäft »Mini Asia« in der Hauptstraße. »Seit sechs Jahren bieten wir Mittagessen an, und die meisten Kunden bringen schon immer ihre Behältnisse mit«, sagt Laden-Inhaber Ravi Shanker Arenja.

Er verrät noch seinen besonderen »Bonus«, während er den Aufkleber im Eingangsbereich anbringt: »Wer seine eigenen Behälter mitbringt, bekommt immer etwas mehr Essen. Mit Zuckerbrot und Peitsche kann man viel erreichen.« Da muss auch Tust herzhaft lachen.

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