In ungewohnter Besetzung tritt die Kalli-Velten-Band im Sprudelhof auf. Die kühlen Temperaturen animieren Jochen Schäfer am Keyboard dazu, Variationen von "Stille Nacht, Heilige Nacht" zu spielen. FOTOS: LOD
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In ungewohnter Besetzung tritt die Kalli-Velten-Band im Sprudelhof auf. Die kühlen Temperaturen animieren Jochen Schäfer am Keyboard dazu, Variationen von "Stille Nacht, Heilige Nacht" zu spielen. FOTOS: LOD

Wie auf einem warmen Weihnachtsmarkt

  • vonHarald Schuchardt
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Bad Nauheim(har). Einmal im Monat spielt die Kalli-Velten-Band beim Clubabend des Jazzclub im Gasthaus Wiedemann. Ab März war damit coronabedingt Schluss. Ein erster Versuch, an der alten Wirkungsstätte aufzutreten, scheiterte an den geltenden Corona-Auflagen.

Nun hat Bandleader Herbert Knihs einen Weg gefunden, endlich wieder einmal aufzutreten. Am Samstag gab die Kalli-Velten-Band - benannt nach dem im Januar 2018 verstorbenen Bandgründer Kalli Velten - unter den Arkaden vor dem Badehaus 2 im Sprudelhof ein erstes öffentliches Konzert seit Ausbruch der Corona-Pandemie.

Möglich wurde dies durch die Initiative von Christoph Tilhard, dem Inhaber von Star Waffles, der in den zurückliegenden Wochen an gleicher Stelle bereits mehrere Konzerte regionaler Künstler ermöglicht hat. ( Die WZ berichtete). Da allerdings herrschten noch fast hochsommerliche Bedingungen. Ganz anders war dies am Samstag der Fall. Es war feucht und kalt, doch zumindest blieb es bei einem Großteil des Konzerts trocken. "Oh, jetzt sind schon mehr Zuschauer da, als die Band Mitglieder hat", witzelte Bandleader, Gitarrist und Sänger Herbert Knihs während des Aufbaus. Doch die Besucherzahl stieg auf mehr als das Zehnfache der fünfköpfigen Band. In zwei Pavillons fanden die Jazzfans Platz, natürlich wurde auf den entsprechenden Abstand geachtet, ebenso wie an den Stehtischen und den beiden Zeltgarnituren, die noch schnell im Freien aufgestellt worden sind.

"Denkt Euch einfach, es wäre ein Konzert auf dem Weihnachtsmarkt, dann wäre es fast zu warm", meinte Knihs, was Jochen Schäfer am Keyboard dazu animierte Variationen von "Stille Nacht, Heilige Nacht" zu spielen.

Der blinde Musiker, der viele Jahre in Bauernheim lebte, war eigens mit dem Zug aus Marburg angereist, um den regulären Pianisten Karlheinz Grabowski zu vertreten. Der 84-Jährige war gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden und auf Krücken zum ersten "Nach-Corona-Konzert" seiner Band gekommen.

Unter den Besuchern war auch Volker Omanns, der reguläre Schlagzeuger der Band, der nach einer Rücken-OP noch nicht ganz fit ist. Den Friedberger ersetzte der Butzbacher Jacques Roussell.

Mit dabei von der "Stammbesetzung" waren neben Knihs noch Bassist und Bluesharp-Spieler Friedhelm Jordan und Sängerin Carola Hachenburger. "In dieser Besetzung haben wir noch nie gespielt", meinte Knihs. Das war aber während des Konzerts kaum zu spüren, sieht man von den Ansagen der Tonarten durch Knihs vor den einzelnen Songs einmal ab.

Mini-Comeback

Mit dem Swingklassiker "Sweet Sue" eröffnete das Quintett das Konzert, gefolgt vom Evergreen "In Hamburg sind die Nächte lang" in einer speziellen "Bad-Nauheim-Version, die wir extra komponiert haben", witzelte Knihs. Der bunte Melodienstrauß reichte von Jazz- und Swingstandards über Bluesklassiker bis hin zu Evergreens, Schlagern und einigen Oldies. Das kam bei den Besuchern bestens an und die sangen bei Trude Herrs Klassiker "Ich will keine Schokolade" ebenso mit, wie beim Retro-Hit "A night like this" von Caro Emerald aus dem Jahre 2009.

Und beim Bluesklassiker "Kansas City" setzte sich auf Bitten von Knihs und den Besuchern Heinz Grabowski als "Special Guest" doch noch ans E-Piano, denn "das singt bei uns immer der Heinz" so Knihs. Viel Beifall gab es für das nicht geplante "Mini-Comeback" des Bad Nauheimers.

"Schön, dass sie wieder spielen", freute sich eine Besucherin an diesem regnerischen, aber höchst musikalischen Spätnachmittag.

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