"Eine Tat der Liebe"

  • vonHanna von Prosch
    schließen

"Sie brauchen mir nicht zu danken, ich gab es ja nicht Ihnen. Ich habe zu danken, für das, was Gott mir Gutes getan hat". Das sagte ein Spender zum Vorsitzenden des Kirchbauvereins, Pfarrer Otto Wissig. Dieser trieb zwischen 1893 vom Grundstückserwerb – hier stand der ehemalige Kursaal über einer keltischen Siedlung – bis zur Einweihung 1906 den Kirchenbau der Dankeskirche inmitten des aufblühenden Weltbades voran.

"Sie brauchen mir nicht zu danken, ich gab es ja nicht Ihnen. Ich habe zu danken, für das, was Gott mir Gutes getan hat". Das sagte ein Spender zum Vorsitzenden des Kirchbauvereins, Pfarrer Otto Wissig. Dieser trieb zwischen 1893 vom Grundstückserwerb – hier stand der ehemalige Kursaal über einer keltischen Siedlung – bis zur Einweihung 1906 den Kirchenbau der Dankeskirche inmitten des aufblühenden Weltbades voran.

Es war ein mutiges Unterfangen und finanzielles Wagnis. Spenden von "1000 Mark bis einen Pfennig", zupackende Hilfe und Stiftungen machten Bau und Ausstattung schließlich möglich. Die Dankeskirche kann man somit als Stifterkirche bezeichnen. Ihr Name dient bis heute dazu, "eine Tat der Liebe gegen unsere Kurgäste in Berücksichtigung ihrer körperlichen und seelischen Bedürfnisse" zu sein, wie es in der Festschrift von 1906 heißt.

Stiftungen haben sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche Tradition. Im Mittelalter erwarben wohlhabende Leute sogenannte Pfründe: Altar- und Messpfründe dienten dazu, die Tätigkeiten und die Besoldung des Pfarrers zu sichern. Reiche Bürger erkauften sich damit eine gute Versorgung im Alter oder Fremde das Bleiberecht.

Ablassbriefe und Naturalien

Die Kirchenstiftung diente dem Bau und Unterhalt der Gotteshäuser. Kamen nicht genug Gelder herein, stoppte der Bau für ein paar Jahre. Auch Ablassbriefe waren eine willkommene Form, um Kirchenbauten zu finanzieren.

Stifter aus reichen oder edlen Geschlechtern animierten wiederum, Andere zur guten Tat, denn dann gebührte ihnen häufig eine Grabstelle innerhalb der Kirche.

Nicht zu unterschätzen waren schon damals die freiwilligen Leistungen derjenigen, die am Bau selber Hand anlegten oder Naturalien beibrachten. Darüber hinaus wurden Altäre, Fenster und Kleinkunstwerke gestiftet. Jeder Stifter wurde in den Kirchenbüchern vermerkt und öffentlich genannt. Außerdem war schon damals die Kollekte, oft weit über die eigene Gemeinde hinaus erbeten, eine einträgliche Finanzquelle.

Auch an der Dankeskirche sind neben Bad Nauheimer Bürgerinnen und Bürgern, oft von weither kommende Kurgäste und prominente Stifter beteiligt. Die Kanzel stiftete S.K.H. Großherzog Ernst Ludwig, nachdem die aus Antwerpen stammende Theodora Konitzky darauf bestanden hatte, die Orgel nach modernsten Gesichtspunkten von der Königlich-Württembergischen Orgelbauwerkstatt Walcker bauen zu lassen. Fenster, Altar, Taufgruppe, Glocken, Turmuhr, Bibeln und zahlreiches Gerät waren Spenden von Bad Nauheimer Familien zum Beispiel Langebartels, Schwab, Sprengel, Schmidt, Hüffell, Gurlitt, Dr. Hahn, Dr. Bauer.

Der damalige Kirchbauverein arbeitete, wie der heutige Orgelbaukreis, ehrenamtlich und beteiligte auch die Handwerker und Geschäftsleute mit Spendenideen an dem ambitionierten Stifterbau.

Zinsen eines Lebenswerks

In dem Stifterbuch, das anlässlich des Neubaus der Orgel angefertigt wird, sind alle Geber genannt, auch diejenigen, die 2011 das Fernwerk und jetzt die Orgel finanziell unterstützt haben – sofern ihre Zustimmung vorliegt.Nach wie vor sind die Kirchen bei besonderen Ausgaben auf freiwillige Zuwendungen angewiesen. Wer heute spendet, tut dies aus persönlicher Verbundenheit, aus Dankbarkeit oder Mitgefühl und er sucht einen konkreten Zweck. Viele ältere Menschen wünschen sich, ›mit warmen Händen‹ zu geben und spenden zu Lebzeiten, bestimmen im Testament ein Vermächtnis oder schließen mit ihrer Bank einen "Vertrag zugunsten Dritter auf den Todesfall".

So erwachsen daraus die Zinsen eines Lebenswerks, die für Generationen anderen Menschen Freude, Trost und Hoffnung geben.

Für die neue Orgel in der Dankeskirche sind bereits 200 000 Euro Spenden eingegangen. Insgesamt sind rund 600 000 Euro nötig, 325 000, um den Auftrag zu vergeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare