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Wohnungsbauprojekt

Eine Industriebrache mit viel Potenzial

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Ein Koloss aus Beton und Stahl mitten im Wohngebiet: Das war der Maschinenbaubetrieb Dingeldein & Herbert in Schwalheim. Ende 2019 hatte er die Arbeit eingestellt, jetzt gibt es Wohnbaupläne.

Nach 83 Jahren hatte die Geschäftsführung der Apparate- und Maschinenbaufirma Dingeldein & Herbert GmbH & Co KG im Herbst 2019 den Gang zum Amtsgericht antreten müssen. Nach dem Insolvenzantrag war das Unternehmen nicht mehr zu retten, im Dezember wurde der Betrieb eingestellt, 17 Mitarbeiter waren betroffen.

Eine Aufgabe des vorläufigen Insolvenzverwalters war es, das Inventar der Firma zu versteigern. Die wertvolle Immobilie gehörte dagegen nicht zur Insolvenzmasse. Das rund 5200 Quadratmeter große Grundstück bietet sich für eine Wohnbebauung geradezu an. Es dauerte deshalb auch nicht lange, bis sich ein Investor gefunden hatte. »Ich habe das Gelände erworben, im März wurde der Kaufvertrag notariell beglaubigt«, sagt Rafael Jantos, Makler, Bauträger und Abbruchunternehmer aus Bad Nauheim. Er möchte in das Areal insgesamt rund 15 Millionen Euro investieren - wenn die Stadt mitzieht.

Ziel: 40 bis 50 Wohnungen

Zurzeit bieten die ausgeräumten Produktionshallen, die Büros und vielen Garagen mitten im Wohngebiet ein eher tristes Erscheinungsbild. Überall liegt noch ein wenig Abfall rum, die Technik könnte in einem Industriemuseum Platz finden. Der Käufer möchte Hallen und Büros vorerst vermieten oder dort selbst seine Maschinen abstellen. »Stehen solche Gebäude längere Zeit leer, gibt es meist Vandalismus oder Schmierereien. Das soll durch eine vorübergehende Nutzung verhindert werden«, sagt Jantos. Interesse zeigten etwa Eigentümer von Oldtimern, die Nutzfläche von rund 3000 Quadratmetern bietet genügend Raum für historische Fahrzeuge.

Mittelfristig schwebt dem Investor der Bau von 40 bis 50 Eigentumswohnungen in einigen Mehrfamilienhäusern vor. »Ein solches Konzept passt, denn das Grundstück liegt mitten im Wohngebiet. Wenn sich hier nichts bewegen lassen sollte, dann läuft etwas schief in der Stadt«, betont der Unternehmer. Auf drei Seiten sind Wohngebäude zu sehen, im Osten liegt der Fußballplatz des SV Schwalheim. Jantos zufolge gehört ein Teil des Sportareals zu dem Grundstück, das er erworben hat. Diese Fläche benötige er allerdings nicht unbedingt für sein Projekt. Die neuen Wohneinheiten lägen im Grünen am Flüsschen Wetter, mit Blick auf den Schwalheimer Kirchturm.

Noch kein Gespräch mit Rathaus

Da er jetzt erst in die Planungsphase einsteige, seien mit dem Rathaus noch keine Gespräche geführt worden. Größere Schwierigkeiten erwartet der Investor dabei nicht. Bislang gebe es für das Gebiet keinen Bebauungsplan, möglich sei somit grundsätzlich die Errichtung von Wohneinheiten nach den Bestimmungen des Paragrafen 34 Baugesetzbuch. Danach muss sich eine Bebauung »in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen«.

Jantos: »Hält die Stadtverwaltung einen Bebauungsplan für erforderlich, hätte ich damit kein Problem. Auch gegenüber alternativen Vorschlägen für eine Wohnbebauung bin ich aufgeschlossen.« In Bad Nauheim fehle Wohnraum, solche brachliegende Gewerbeimmobilien, die bereits versiegelt seien, böten sich für diesen Zweck an.

Nahe an der Kernstadt

Derzeit stellt er sich den Bau von mehreren Mehrfamilienhäusern und einer Tiefgarage vor. Mehr als zwei oder drei Geschosse möchte der Investor nicht hochziehen, das moderne Erscheinungsbild solle der »bodenständigen« Umgebung angepasst werden. »Wolkenkratzer werden hier keine entstehen«, versichert der Bad Nauheimer. Etwas höher können seiner Ansicht nach die Wohnhäuser ausfallen, die im Norden des Geländes stehen (Richtung Faulweide/Edelweißstraße), weil auf den dortigen Nachbargrundstücken bereits Gebäude mit zwei Etagen plus Dachgeschoss zu finden sind.

Aufgrund der guten Lage sieht Jantos genug Bedarf für Eigentumswohnungen mit zwei bis vier Zimmern. »Die Kernstadt ist nicht weit entfernt, mit dem Rad fährt man in wenigen Minuten zu den Großmärkten im Langen Morgen oder auf dem Stoll-Gelände.« Der Kaufpreis werde naturgemäß niedriger ausfallen als bei vergleichbaren Angeboten in Bad Nauheim selbst.

Lieber heute als morgen würde der Investor mit seinen Bauaktivitäten beginnen. Doch er wird sich gedulden müssen. Froh wäre Jantos, noch in diesem Jahr mit dem Abbruch starten zu können. Zunächst müsse allerdings Baurecht geschaffen werden.

Notfalls mit Bebauungsplan

Im Rathaus wird die Absicht von Investor Rafael Jantos, auf dem Gelände der ehemaligen Firma Dingeldein & Herbert in Schwalheim Wohnraum zu schaffen, prinzipiell begrüßt. »Der Verkauf des Grundstücks ist uns bekannt, eine Planung liegt noch nicht vor. Das Konzept einer Wohnbebauung ist erst mal super«, sagt Bürgermeister Klaus Kreß. Passe sich das Projekt an die von Wohngebäuden geprägte Umgebung des Dingeldein-Areals an, könne das Baurecht nach Paragraf 34 des Baugesetzbuchs geschaffen werden. »Falls nicht, muss ein Bebauungsplan aufgestellt werden«, erläutert der Rathauschef.

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