Caroline Fisseler hat ihr Abitur an der Ernst-Ludwig-Schule gemacht. Aktuell nimmt sie an einem Journalistenwettbewerb teil. FOTO: PV
+
Caroline Fisseler hat ihr Abitur an der Ernst-Ludwig-Schule gemacht. Aktuell nimmt sie an einem Journalistenwettbewerb teil. FOTO: PV

"Eine Frage der Lebenseinstellung"

  • vonred Redaktion
    schließen

Bad Nauheim(pm). Caroline Fisseler nimmt aktuell an einem Journalistenwettbewerb der Young Leaders GmbH teil. Dieser sieht vor, einen Artikel zu schreiben, der den Auftritt des Technischen Hilfswerks (THW) beim Jugendpressekongress im September thematisiert. Sie hat in diesem Jahr ihr Abitur an der Ernst-Ludwig-Schule gemacht. Das Hauptthema ihres Artikels ist das Ehrenamt, der an dieser Stelle als Gastbeitrag veröffentlicht wird.

Der Mensch ist ein Egoist - Auf dieser Annahme beruht das moderne Wirtschaftssystem nach Adam Smith. Darwin behauptet, dass nur die Besten im Überlebenskampf gewinnen könnten. Doch wie ist es dann noch möglich an Philanthropie, Nächstenliebe und soziales Handeln zu glauben? Warum sind Menschen motiviert freiwillig hilfsbereit zu sein und wieso ist diese scheinbar paradoxe Eigenschaft so tief im Menschsein verankert?

Unser System der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland zeigt: Egoismus und Soziales müssen einander nicht widersprechen. In Deutschland wird beispielsweise für eine Grundsicherung im Krankenversicherungssystem gesorgt. Davon lebt das Prinzip der Demokratie: Menschen sind zufriedener und haben mehr freie Zeit, um über gesellschaftlich relevante Themen zu diskutieren.

Warum aber stürzt sich ein Feuerwehrmann in ein brennendes Haus, wenn dieser dabei sein eigenes Leben aufs Spiel setzt? Die Antwort liegt tiefer.

Das Gewissen und ein tiefsitzender Gerechtigkeitssinn, von dem viele Philosophen ausgehen, bestimmen die Handlungsweise vieler Menschen. Sie vermitteln uns schnell, was als Ungerechtigkeit gilt, besonders wenn es jemandem deutlich schlechter geht als anderen. Bei vielen entsteht ein Drang dieses Defizit auszugleichen. Darum wird unterlassene Hilfeleistung allgemein als unmoralisch angesehen, gerade weil durch eine einfache Handlung Leben gerettet werden kann.

Ehrenämtler verbindet, mutig an Herausforderungen heranzugehen und selbst im kleinen Rahmen etwas zu bewirken. Wir alle tragen diese Eigenschaft in uns.

Glückshormone durch das Helfen

Aus wissenschaftlicher Sicht ist klar, dass bei einer helfenden Aktion Glückshormone ausgeschüttet werden. Der Helfer entwickelt ein Verlangen mehr helfen zu wollen und die geholfene Person verhält sich im Allgemeinen höflicher und dankbarer.

Ich selbst habe im Schulsanitätsdienst und Jugendbeirat immer wieder gemerkt, dass ich nach einem Einsatz oder einem vollendeten Projekt glücklicher bin als vorher. Es fühlt sich gut an zu wissen, dass mithilfe der Fähigkeiten und Möglichkeiten, die man in dem Moment hat, anderen eine Last abgenommen werden kann - ohne je etwas zurückfordern zu wollen.

Dieses Gefühl treibt viele an sich auf die Mission zu begeben, Corona-Teststationen oder Lager für Geflüchtete aufzubauen, obwohl sie die Geflüchteten noch nie zuvor kennengelernt haben.

In Potsdam, auf dem 172. Jugend Presse Kongress der Young Leaders GmbH, treffen sich ehrenamtlich engagierte Jugendliche, um journalistische Fertigkeiten zu erlernen. Dort berichtet am 12. September Albrecht Broemme, Ehrenpräsident des Technischen Hilfswerks (THW) vor jungem Publikum über das Thema: "Kompetenz, professionell, freiwillig - Nur so geht Katastrophenschutz".

Jeder Einzelne zählt. Bereits ab dem Alter von sechs Jahren kann man sich einbringen. Broemme selbst war Leiter der Berliner Feuerwehr, für die er sich schon seit jungen Jahren begeistert.

Ehrenamtlich engagiert zu sein heißt nicht, auf andere Freizeitaktivitäten verzichten zu müssen, denn körperliche Fitness beispielsweise komme bei den Einsätzen nicht zu kurz, wie es im Werbefilm dargestellt wird.

Zurückschrecken müsse man nicht, denn es komme auf die Perspektive an: "Wenn einer sagt: Ich habe zwei linke Hände, dann sage ich: Je nachdem, wie man es sieht, habe ich die auch" - Denn nicht nur der Wille zu helfen sind Grundvoraussetzung, sondern auch gut helfen lernen zu wollen, auch ohne vorher Fachkenntnisse haben zu müssen. Mitglied zu sein "ist eine Frage der Lebenseinstellung". Passend dazu zitiert Broemme John F. Kennedy: "Wenn deine Gesinnung, den vielen, die arm sind nicht helfen kann, kann sie auch die wenigen nicht retten, die reich sind".

Diejenigen, die nun fürchten, sie hätten nicht genug Zeit fürs Ehrenamt, beruhigt der Ehrenpräsident, denn es müsse keine primäre Aufgabe im Leben sein. Er hofft, dass zukünftige Führungskräfte ehrenamtlich engagierte Mitarbeiter fördern, auch wenn diese ihre Arbeit für einen Einsatz unterbrechen müssen.

Muss für ein erfülltes Leben

Gutsein ist ein entscheidender Teil des Menschseins in unserer sozial verzweigten Gesellschaft.

Helfen ist also kein Zwang, aber wie wir jetzt wissen, ein Muss für ein erfülltes Leben.

Caroline Fisseler

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare