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Alles klar für den Start in den Ruhestand: Ende April schließt der 70-jährige Klaus Ruppert sein »Anwaltshaus Bad Nauheim«.

Anwalt Ruppert hört auf

Ein Weltstar als wichtigster »Mandant«

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Anwalt Klaus Ruppert hat in familiäre Abgründe geschaut. Im Alter von 70 Jahren kann er darauf gut verzichten, gibt seine Kanzlei auf. Der Bad Nauheimer hat die Stadt über die Juristerei hinaus geprägt.

Dieser Spruch hat zwar einen »Bart«, aber Klaus Ruppert lässt ihn gerne hören, passt er doch genau zur Tätigkeit des Bad Nauheimer Anwalts. »Sprecht ihr noch miteinander, oder habt ihr schon geerbt?«, zitiert der 70-Jährige lachend und ist sofort bei seinem Spezialgebiet - dem Erbrecht. Unzählige Male hat es Ruppert mit total zerstrittenen Familien zu tun bekommen, vor allem mit Geschwistern, die nur noch über Anwälte kommunizieren. Schaut er auf solche Streitereien zurück, fällt dem Juristen der Abschied nicht schwer. »Ende April kommt ein neues Projekt: drei Monate Pause.«

In wenigen Wochen wird der 70-Jährige sein »Anwaltshaus Bad Nauheim« schließen. Weder die Tochter noch einer seiner Mitarbeiter wollte übernehmen. »Junge Leute scheuen das Risiko, suchen Sicherheit, gehen lieber in ein Unternehmen oder den Öffentlichen Dienst«, erklärt der Bad Nauheimer. Dabei kann sich der Sprung in die Selbstständigkeit durchaus rentieren. Weil die Kanzlei gut lief, weil Ruppert fähige Mitarbeiter und Kollegen hatte, konnte er viel Zeit in ehrenamtliche Aktivitäten investieren.

Juristerei nicht in die Wiege gelegt

Die Juristerei war ihm nicht in die Wiege gelegt. »Ich kam in der Schule drauf. Ich hatte keine allzu guten Noten, aber ein starkes Gerechtigkeitsgefühl, setzte mich für Mitschüler ein.« Als junger Mann eröffnete er eine kleine Kanzlei in seinem Privathaus und arbeitete parallel halbtags an der Uni. Wenig später tat sich Ruppert mit einem Kollegen zusammen und zog in Räume in der Bahnhofsallee. Mitte der 80er Jahre erfolgte die Gründung des »Anwaltshauses Bad Nauheim« in einer schönen Villa in der Frankfurter Straße.

Die Immobilie wird verkauft - dann ist endgültig Schluss. Der 70-Jährige kann die ewigen, teils frustrierenden Auseinandersetzungen ums Erbe hinter sich lassen. Viele Fälle ähneln sich: Das Familienoberhaupt setzt ein Kind als Erbe ein, die Geschwister wollen den Pflichtteil. Solche Konflikte ziehen sich oft über Jahre hin, weil das Testament nicht eindeutig formuliert ist, weil beide Seiten ewig auf ihren Standpunkten beharren. »Immer ist von Gerechtigkeit die Rede, aber in Wahrheit geht es nur ums Geld«, sagt Ruppert mit bitterem Unterton.

»Vater« des Elvis-Presley-Vereins

Für ihn war es ein Ausgleich vom Alltag, sich in Ehrenämter zu stürzen. Fast schon vergessen: Es war Klaus Ruppert, der den Elvis-Presley-Verein auf den Weg brachte und mit anderen die ersten Festivals organisierte. Dieser Event ist heute nicht mehr aus Bad Nauheim wegzudenken. »Lange Jahre hatte ich keinen Gedanken an Elvis verschwendet. Erst bei einer Veranstaltung im Dolce fiel mir auf, welche Bedeutung der Weltstar für viele Bad Nauheimer hat.« Er sprach Zeitzeugen wie Hans-Ulrich Halwe und Mitstreiter wie Klaus Ritt an. Ein Restaurant in der Reinhardstraße wurde zum Elvis-Lokal. 1998 erfolgte die Vereinsgründung im Hotel Grunewald.

Doch auch dieses Engagement war nicht frei von Frust. Zehn Jahre nach Gründung kam es zu Querelen im Verein. »Die Mafia aus Wiesbaden«, wie Ruppert die Opponenten nennt, übernahm die Macht. Die Gründer Ruppert und Ritt zogen sich enttäuscht zurück. Vor dem Elvis-Ausflug hatte es den Anwalt in die Politik verschlagen. Eher zufällig wurde er Anfang der 90er Jahre Ortsvorsteher von Rödgen/Wisselsheim. Ende der 90er erhielt er ein SPD-Stadtverordneten-Mandat. Doch er blieb nur eine Wahlperiode.

Bürgerstiftung aufgebaut

Fortan galt sein Interesse der Bürgerstiftung. »Parteipolitik verträgt sich nicht mit Stiftungsarbeit«, sagt Ruppert. Die Gründung bedeutete enormen Aufwand, den der Jurist ohne Kanzlei-Team nicht hätte stemmen können. Bis 2018 war Ruppert eine Art Geschäftsführer, dann legte er das Amt in jüngere Hände.

Bald gibt der 70-Jährige auch die Kanzlei auf. Angst, in ein Loch zu fallen, hat er nicht. »Mit meiner charmanten Frau wird es nie langweilig. Zudem haben wir drei Enkel, ein vierter kommt bald.« Die Grundlagen für den Ruhestand sind geschaffen. Mit der Tochter wurde die Wohnung getauscht. Sie übernahm das große Haus in Wisselsheim, ihre Eltern die Wohnung in der Innenstadt. Der Sohn wohnt in Lüneburg, ist dort als Oberarzt an einem Krankenhaus tätig.

Alles klar für den Start zur letzten Etappe. Und sollte es Klaus Ruppert doch mal in den Fingern jucken, hat er schon eine Idee. »Die Beratung von Firmengründern wäre eine sinnvolle Tätigkeit.«

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