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Wo ist eigentlich Bad Nauheim auf der LGS?

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Bad Nauheim (sch). »Warum präsentiert sich Bad Nauheim nicht auf der Landesgartenschau?« Eine Frage, die nicht nur von den kulturell interessierten Besuchern der LGS gestellt wird. Bei einer WZ-Umfrage auf dem LGS-Gelände im Goldsteinpark wurde deutlich, dass die Mehrheit der Besucher gerne mehr über die Geschichte und die Besonderheiten der Kurstadt erfahren würde. Doch Infotafeln oder einen Werbestand der Stadt gibt es nicht.

Bürgermeister Bernd Witzel verweist im Gespräch mit der WZ auf die Bad Nauheim Information der Stadtmarketing und Tourismus GmbH (BNST) im Stadtzentrum. »Die Landesgartenschau Bad Nauheim ist Bad Nauheim«, sagt Witzel. »Wir konnten nicht noch einen Stand auf dem Gelände am Goldstein aufstellen.« Die Distanz des Goldsteinparks zur Innenstadt und eine mangelhafte Ausschilderung mit Verweis auf die BNST halten jedoch nicht weniger Landesgartenschau-Besucher davon ab, ihrer Neugierde über die Kurstadt nachzugehen.

Gleich am Eingang des LGS-Geländes am Goldstein drängt sich die Frage auf: »Was ist eigentlich das alte Gemäuer zur Rechten und das prächtige Gebäude im Jugendstil zur Linken?« Antworten in Form von Schildern oder eines Infostandes mit Broschüren gibt es am Goldstein nicht. Die gibt es nur bei der Bad Nauheimer Information. Viele Besucher werden mit Bussen direkt beim Eingang der LGS am Kurpark oder vor dem Goldsteinpark abgesetzt. Die Orientierungslosigkeit der Ortsfremden ist leicht vorstellbar. Immerhin: Am Kassenhäusschen gibt es einen Lageplan. Das hilft einer 80-jährigen Besucherin der LGS aber wenig. Interessiert betrachtet sie die Postkartenausstellung der Arbeitsgemeinschaft Geschichte.

»Die LGS ist schwierig für Menschen mit Gehbehinderung«, sagt sie. »Zu Fuß in die Stadt zu kommen, ist für mich schlecht, und die LGS-Bahn fährt dort nicht hin.« Das bemängeln auch eine Besucherin aus Alzenau und ihre 73-jährige Mutter aus Ronneburg. An der Haltestelle der LGS-Bahn fehle ein Fahrplan, und laufen könne die ältere Dame den Weg zur Information in die Stadtmitte nicht. »Als Besucher der LGS haben wir von Bad Nauheim noch nichts erfahren«, sagen beide.

»Das war ein bisschen wenig«

Zwei Besucher aus Erfstadt bei Köln nutzen die WZ-Umfrage promt, um die Reporterin mit Fragen zur Geschichte und Architektur Bad Nauheims zu bombadieren. Sie hätten sich ein paar Informationen vorweg im Internet herausgesucht, wüssten daher, dass Nauheim ein Bad ist, hätten von Salz und Salinen gelesen. Von der Abwesenheit der Stadt in der Landesgartenschau sind sie enttäuscht: »Das war ein bisschen wenig. Die Stadt würde uns schon interessieren.« Solche Informationen gibt es, laut Bürgermeister Witzel, auf dem Weg zwischen den beiden LGS-Geländen im Sprudelhof: durch die Ausstellungen des Steinfurther Rosenmuseums. »Wir wollten die Leute nicht auf geschlossenem Gelände über Bad Nauheim informieren«, sagt Witzel.

Das sieht der Wetterauerkreis anders und liefert ein gutes Beispiel, wie man bei den Besuchern der LGS das Interesse an der Region weckt. Der »Marktplatz Wetterau« im Goldsteinpark, wegen der blauen Farbe am Flachdach auch »Tankstelle« genannt, bietet jede Menge Infos zu Geschichte und Veranstaltungen des Kreises und stellt in Rotation verschiedene Gemeinden der Wetterau vor. Ausgenommen hiervon: Bad Nauheim. »Die Stadt hat sich nicht angemeldet«, sagt »Marktplatz«-Mitarbeiter Markus Claßen und liest aus dem Programmheft vor: »Rockenberg, Münzenberg, Glauberg, Ortenberg...« Lauter Berge, aber kein Bad.

»Es fehlt eine Tourismus-Information«

Warum die Stadt es bisher nicht für nötig befunden habe, sich auf dem Gelände der LGS (weder am Goldstein, noch im Kurpark) zu profilieren und so um das Interesse der Besucher zu werben, ist auch zwei Bad Nauheimern und ihren Augsburger Gästen schleierhaft. »Es fehlt eine Tourismus-Information, um herauszufinden, was die Stadt war und ist«, sagen die Augsburger. »Die Leute hier können gar nicht wissen, dass es Führungen gibt, es fehlt ein Hinweis auf die Stadt«, sagen die Kurstädter. Bad Nauheim habe so viel zu bieten. Aber man müsse die LGS-Besucher neugierig auf die Stadt machen, müsse sie animieren, auch unabhänging von der Landesgartenschau wieder zu kommen.

Sogar konkrete Vorschläge werden gemacht: »Die Leute sollten am Drehkreuz schon angesprochen werden, dort bräuchte man einen fest installierten Ständer mit Broschüren und Infos«, sagt eine Bad Nauheimerin. Dass Besucher wiederkommen, gelingt laut Witzel auch ohne weitere Infostände auf der LGS. Gestern Nachmittag empfing der Bürgermeister den 100 000. Besucher der Landesgartenschau. Vielleicht würde sich der hunderttausendunderste Besucher trotzdem über ein bisschen mehr Bad Nauheim auf der LGS freuen.

Katja Heiderich (BNST): »Drei Mal soviele Besucher, Anrufe und Mails wie sonst«

Keine Infos über Bad Nauheim auf der Landesgartenschau? Nein, sagt BNST-Geschäftsführerin Katja Heiderich, es gebe sehr wohl Informationen. Zumindest demnächst. Die BNST lässt gerade eine Minibroschüre produzieren, die an den Kassen ausgelegt wird. »Wir rüsten nach«, sagt Heiderich. Die Broschüre enthält einen Stadtplan, auf dem alle Sehenswürdigkeiten der Stadt nummeriert aufgeführt und erläutert sind. Ein »Imageflyer«, der Lust auf Bad Nauheim machen soll.

Außerdem gebe es diverse andere Maßnahmen, um die Stadt zu präsentieren. So habe man Bad Nauheimer Themen ins LGS-Gelände integriert: Installationen des Rosenmuseums, das Rosencafé im Badehaus 3 des Sprudelhofs, und bei den Themengärten gibt es einen über Rosen und einen über Elvis. »Und auch im Veranstaltungskalender ist die Stadt präsent«, sagt Heiderich.

Die Bad Nauheim Information in den Kolonnaden wird laut der BNST-Geschäftsführerin drei Mal so viel besucht, auch die Mails und die Anrufe hätten sich verdreifacht. Viele Besucher informierten sich vor ihrem Besuch über die Stadt, fragten nach Parkplätzen oder bestellen telefonisch Broschüren. »Wir verschicken derzeit sehr große Mengen an Info-Material«, sagt Heiderich.

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