Nostalgie im Sprudelhof

Edle Mode, hohe Räder, viel Musik beim Jugendstilfestival

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Nostalgie pur konnten am Wochenende die Besucher des Jugendstilfestivals im Bad Nauheimer Sprudelhof erleben. Dabei gab es auch Einblicke in den Sport von anno dazumal.

Als "ein einzigartiges Erbe aus der Vergangenheit" beschrieb Erster Stadtrat Peter Krank den Jugendstil-Sprudelhof. Wo sonst könnte man die Belle Epoque besser aufleben lassen als in der größten geschlossenen Jugendstilanlage Europas? Am Wochenende feierte Bad Nauheim zum 13. Mal das Jugendstilfestival. Mode, Musik, Tanz und antike Vehikel bereicherten das Programm.

"Eine Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart, der Jugendstil erzählt von einer Geschichte", sagte Krank bei der Eröffnung. Bereits am Morgen hatte er die Fachtagung für Architekten, Ingenieure, Handwerker und Denkmalpfleger eröffnet. Eintauchen in eine längst vergangene Welt, sich verzaubern lassen vom Lebensgefühl des Jugendstils – mehrere Tage lang war dies wieder in der Stadt spürbar. Damen in feinstem Seidenchiffon und hohen Spitzenkragen, die gut behütet durch den Sprudelhof flanierten, Herren im maßgeschneiderten Frack, mit Zylinder oder auch in Streifenhosen – erneut ließ die Modegruppe des Jugendstilvereins den einzigartigen Charme der Belle Epoque wieder aufleben. Viele Gäste gesellten sich stilecht dazu und bereicherten das Gesamtbild im Sprudelhof.

Auch auf dem Tennisplatz spielte die Jugendstilmode eine besondere Rolle: Statt kurzem Tennisrock ging es für die Damen nach strenger Etikette auf den Platz, wie Ronald Thoms, Vorstandsmitglied des Tennisclubs Bad Nauheim, erklärte. "Die Knöchel der Damen waren mit langen Kleidern bedeckt." Darunter trugen die Damen Schnürkorsett und mehrere Unterröcke, ein Filzhut schützte vor der Sonne. Die Herren hingegen trugen weiß, das Hemd wurde in die Hose gesteckt, ein buntes Band ersetzte den Gürtel. Gespielt wurde früher mit Holzschlägern. Nach der Vorstellung der frühen Tennismoden bot der Tennisclub den Jugendstilcup an.

Mit Omas Fahrrad unterwegs

Sportlich ging es auch bei der zweiten Prinzessin-Louise-Sophie-Rad-Ausfahrt zu. Mehrere Touren auf historischen Rädern wurden angeboten. Inge Müller-Feldegg aus Usingen war erneut dabei. "Diesmal ging es auf der 17 Kilometer langen Strecke auch am Flugplatz vorbei", sagte die sportliche Dame, die wieder auf dem Fahrrad der Oma aus dem Jahr 1937 unterwegs war. "Früher habe ich das als Studentin genutzt." Beim Festival nahm die Usingerin auch am Geschicklichkeitsfahren und an den Rundkursen teil. Der Radfahrverein 1893 Groß-Gerau zeigte auch Hochräder.

Gut ein Dutzend Mal schon war der Lions Club Hessischer Löwe beim Festival dabei. Bei seinem Bilderflohmarkt gab es nicht nur Schnäppchen, sondern auch den einen oder anderen Schatz zu erwerben. Auf der Bühne sorgten mehrere Chöre und Ensembles für Unterhaltung: die Chorgemeinschaft "HinGehört", Intermezzo aus Nieder-Mörlen oder das Streicherquartett Omnia Strings. Bereits am Freitag war das Badehaus 7 beim Eröffnungskonzert voll besetzt. Geboten wurde nicht nur etwas für die Ohren, sondern auch für die Augen. "Eine passende Präsentation mit Fotos oder Gemälden zu den Persönlichkeiten des Jugendstils", erläuterte Michael Strecker (Strecker-Quartett). Am Samstagabend verwandelten sich die Badehäuser dank der Musikschule Bad Nauheim in "Räume der Musik". Außerdem gab es viele Tanzeinlagen des Alternativen Tanzclubs Bad Nauheim.

Vom Jugendstilfestival überrascht wurde das frisch vermählte Ehepaar Drabinski. Die historische Kulisse konnte aber auch trotz des Festivals für Hochzeitsfotos gut genutzt werden. Ein Bericht über den Restauratoren- und Kunsthandwerkermarkt folgt.

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