Vor der Tür werden die letzten Reste der Baustelle aufgeladen, im Café Bienenkorb wird um die Existenz des Betriebs gebangt.
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Vor der Tür werden die letzten Reste der Baustelle aufgeladen, im Café Bienenkorb wird um die Existenz des Betriebs gebangt.

Durch Umbau in Schieflage: Bäckerei Stark insolvent

Bad Nauheim (bk). Feierstimmung herrschte am Freitag in der unteren Hauptstraße: Politiker gaben ihrer Freude über den Abschluss der Sanierungsarbeiten und die gelungene Gestaltung Ausdruck. Bei Bäckermeister Georg Stark dürfte das Fest einen bitteren Beigeschmack hinterlassen haben, er musste bereits im September Insolvenz beantragen, am Montag wurde das Verfahren eröffnet.

»Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hängen eindeutig mit dem Umbau zusammen, die Umsätze sind in dieser Zeit regelrecht eingebrochen«, sagt der 46-jährige Geschäftsmann. Stark gibt allerdings nicht auf, hofft, das Café Bienenkorb (Hauptstraße 3) sowie die Filialen in der Fußgängerzone (Ecke Stresemann-/Friedrichstraße) und der Homburger Straße retten zu können. Vorsichtig optimistisch äußert sich gegenüber der WZ auch Insolvenzverwalter Markus Walter, ein Rechtsanwalt aus Frankfurt.

Aus Sicht von Georg Stark ist es unerklärlich, warum für Instandsetzung und Umbau eines Straßenteilstücks von 370 Metern Länge 20 Monate benötigt wurden. »Oft waren gerade mal vier Arbeiter auf der Baustelle, nur am Ende wurde die Sache intensiv vorangetrieben«, hat der Bäcker und Konditor beobachtet. Im Sommer hatte sich angedeutet, dass einigen Geschäftsleuten in der unteren Hauptstraße die Luft ausgehen könnte. Von einem Verlust in Höhe von 200 000 Euro hatte damals die Radio-, Fernseh- und Elektrotechnik-Firma Nowak und Peichl berichtet, der Bäckerei waren rund 90 Prozent des normalen Umsatzes weggebrochen.

Die Leidenszeit des 64 Jahre alten Familienbetriebs, der von Georg Stark in dritter Generation geführt wird, hatte 2008 begonnen. Umbau Parkstraße, Sanierung Trinkkuranlage, Instandsetzung Kurstraße – alles Projekte in unmittelbarer Nähe der Hauptfiliale. Im April 2013 wurde dann mit den Arbeiten in der Hauptstraße begonnen. Oft konnten die Kunden mit dem Auto nicht vor den Laden fahren oder dort nicht parken. Zu Fuß verirrten sich immer weniger Leute dorthin, auch wenn die Bäckerei überall für ihre erstklassige Qualität gelobt wird. Schließlich ist Stark der einzige verbliebene Backbetrieb in der Kurstadt, bei der Konkurrenz handelt es sich ausschließlich um Filialen, die von außerhalb beliefert werden.

»Deutlich teurer stimmt nicht«

Die lange Bauzeit – der 46-Jährige hätte bei anderer Herangehensweise sechs Monate für ausreichend gehalten – ist der Hauptgrund für die Schieflage des Betriebs. »Hinzu kommen explodierte Energiepreise und enorme Schwankungen bei den Rohstoff-Kosten«, erklärt Stark und nennt ein Beispiel. Für das Kilo Haselnüsse seien in diesem Jahr bis zu 17 Euro verlangt worden – ein absurder Preis, den ein Bäcker nicht vollständig an die Kunden weitergeben könne.

Apropos Preise: Hartnäckig hält sich in Bad Nauheim das Gerücht, die Bäckerei Stark sei deutlich teurer als die Konkurrenz. »Wie dieser schlechte Ruf entstanden ist, kann ich mir nicht erklären. Tatsache ist: Meine Waren kosten genauso viel oder weniger als in den anderen Bäckereien«, betont der Inhaber.

Der Bäckermeister hat den Kampf um die Existenz des Betriebs und den Erhalt der 26 Voll- und Teilzeitstellen angenommen. »Wir werden mit allen Mitteln versuchen, eine Schließung zu verhindern«, sagt Stark. Er ist optimistisch, die Umsatzzahlen in den nächsten Monaten deutlich nach oben korrigieren und spät, fast schon zu spät die Früchte der neugestalteten Hauptstraße ernten zu können. Schließlich können sich die Geschäftsleute dort jetzt deutlich besser präsentieren und Außenbewirtschaftung anbieten. Das wird sich jedoch erst im späten Frühjahr bemerkbar machen.

Die Entscheidung, ob es im Café Bienenkorb und in den Filialen weitergeht, soll bereits im März fallen, wie Insolvenzverwalter Markus Walter bestätigt. Erste positive Meldung: Es ist genügend Substanz da, um das Insolvenzverfahren zu eröffnen. Das ist am Montag geschehen. Zu den Aktiva zählt zum Beispiel das Haus in der Hauptstraße 3, das sich im Familienbesitz befindet. »Wir hoffen jetzt nicht zuletzt aufs Weihnachtsgeschäft«, sagt Insolvenzverwalter Walter. Zu der Frage, wo gespart werden könnte, will sich der Rechtsanwalt derzeit nicht äußern.

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