DNA-Spuren auf dem Nageleisen

  • vonConstantin Hoppe
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Bad Nauheim (con). Mit einer Pistole bewaffnet und maskiert soll der angeklagte, 36-jähriger Litauer G. am Abend des 1. November 2019 ein Juweliergeschäft in Bad Nauheim überfallen und ausgeraubt haben. Der Besitzer des Ladens setzte sich gegen den Räuber zur Wehr und wurde bei dem Überfall unter anderem durch einen Pistolenschuss verletzt. Am Freitag standen in dem Verfahren vor dem Gießener Landgericht die polizeilichen Ermittlungen im Fokus:

Kriminaltechniker fertigten Aufnahmen an, die die Zustände in den Räumlichkeiten des Juwelierladens belegen: Unordnung, Kampfspuren und Blutspritzer fanden sich an vielen Stellen. Neben Pistolenhülsen und einer Patrone wurde auch ein Nageleisen gefunden, mit dem der Täter die Vitrinen eingeschlagen hat.

Dass man den Angeklagten in den Fokus der Ermittlungen stellen konnte, liegt aber vor allem an der DNA-Analyse beim Gerichtsmedizinischen Institut in Gießen: Hier wurden die verschiedenen Beweisstücke nach kleinsten DNA-Spuren untersucht. »Es ist immer etwas wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen«, erklärte die Sachverständige, die von den Untersuchungen der Beweisstücke berichtete. Insbesondere zwei Stücke zeigten dabei neben der DNA des Geschädigten auch die des Angeklagten: An der Jacke, die der Ladenbesitzer zur Tatzeit trug, und an einem Nageleisen, das im Laden gefunden wurde. Nach einer biostatistischen Auswertung anhand der Spuren auf der Kleidung ist die Wahrscheinlichkeit etwa zehn Milliarden größer, dass die Spuren von dem Geschädigten und dem Angeklagten stammen anstatt dem Geschädigten und einer weiteren unbekannten Person. »Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war es der Angeklagte, der diese Spuren hinterlassen hat«, erklärte die Sachverständige. Eine weitere solche biostatistische Untersuchung soll nun noch zum aufgefundenen Nageleisen angefertigt und zum nächsten Sitzungstermin nachgereicht werden. »Könnte es sein, dass die DNA des Angeklagten zufällig auf die Kleidungsstücken des Geschädigten gekommen ist - etwa durch ein Treffen auf der Straße?«, fragte Staatsanwalt Alexander Hahn nach. »Es ist schwer vorstellbar, dass man solche Spuren bei einem zufälligen Kontakt auf der Straße hinterlassen könnte«, sagte die Sachverständige.

Zudem ist der Angeklagte bereits einschlägig vorbestraft: Bereits 2018 wurde er für einen versuchten Wohnungseinbruch und Diebstahl vom Landgericht in Frankfurt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, die noch nicht abgelaufen ist.

Zudem wurden noch vier weitere Verfahren gegen G. vorläufig aufgehoben, so lange das Verfahren am Gießener Landgericht noch nicht beendet wurde: Alle vier sollen sich im Oktober 2019 zugetragen haben, unter anderem ein Einbruch in Butzbach am 31. Oktober - nur ein Tag vor dem Überfall auf den Juwelierladen in Bad Nauheim. Auch in diesen Fällen brachten DNA-Spuren den Verdacht auf G.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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