Die Organisation der Sinfoniekonzerte kostet eine Menge Zeit, doch es macht viel Freude, sagt Diethard Bauer. Das liegt auch daran, dass viele Konzertbesucher dankbar sind, dass es ein solches Angebot nach wie vor in Bad Nauheim gibt - denn noch vor zehn Jahren stand die Fortführung auf der Kippe.
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Die Organisation der Sinfoniekonzerte kostet eine Menge Zeit, doch es macht viel Freude, sagt Diethard Bauer. Das liegt auch daran, dass viele Konzertbesucher dankbar sind, dass es ein solches Angebot nach wie vor in Bad Nauheim gibt - denn noch vor zehn Jahren stand die Fortführung auf der Kippe.

Verein zur Förderung sinfonischer Musik in Bad Nauheim

Sinfonische Musik in Bad Nauheim: Diethard Bauer erhält den Bürgerpreis

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Von Ruhestand ist bei dem 76-jährigen Diethard Bauer keine Rede. Der Vorsitzende des Vereins zur Förderung sinfonischer Musik ist kürzlich für sein großes Engagement ausgezeichnet worden.

Bad Nauheim – Die Rückmeldungen der Besucher sind die größte Bestätigung. Wenn das Konzert zu Ende ist, das Orchester die Bühne verlassen hat und die hinausgehenden Besucher zu Diethard Bauer sagen: »Das war wieder ein schönes Konzert.« Der 76-Jährige lächelt. »Das motiviert.«

Genauso die Dankbarkeit, die viele empfinden, gerade Senioren - die größte Besuchergruppe der sinfonischen Konzerte im Jugendstil-Theater. Oft schon hat jemand zu Diethard Bauer gesagt, wie wichtig es sei, dass es die Sinfoniekonzerte in Bad Nauheim gebe. »Viele wollen nicht mehr nach Frankfurt oder nach Gießen fahren.« Dank des Vereins zur Förderung sinfonischer Musik Bad Nauheim müssen sie das auch nicht. Die Konzerte sind vor der Haustür - in der Regel viermal pro Jahr im Jugendstiltheater des Dolce.

Vorsitzender des Vereins zur Förderung sinfonischer Musik in Bad Nauheim mit Bürgerpreis ausgezeichnet

Seit acht Jahren ist Diethard Bauer Vorsitzender des Vereins, der für die komplette Organisation der Konzerte zuständig ist. Nun ist Bauer für sein Engagement mit dem Bürgerpreis Oberhessen ausgezeichnet worden.

»Ich war nie ein Vereinsmensch«, sagt er. Dass er einer geworden ist, begann im Grunde auf einer Busrundreise durch Kanada. Ein paar Sitzreihen entfernt saß ein älteres Paar mit einer Zeitung. »Es war die Wetterauer Zeitung.« Damit fing die Bekanntschaft an - das Paar kam aus Bruchenbrücken und kannte sich gut in der Kulturszene aus.

So kamen die Bauers dazu. Zuerst engagierte sich Diethard Bauer im Vorstand des Vereins Freunde des Theaters Alte Feuerwache. Über zehn Jahre. Schnell kam die Mitarbeit in der Koordinierungsgruppe Sprudelhof hinzu.

Zu wenig Geld in der Stadtkasse Bad Nauheim – Verein rettet Fortbestand der Reihe

Dann, 2011, stand die Fortführung der damals noch städtischen Sinfoniekonzert-Reihe auf der Kippe. Für ein Kulturangebot, das ohnehin ein Minusgeschäft sei, sei zu wenig Geld in der Stadtkasse, hieß es. Ein grundsätzliches Problem in Deutschland, sagt Bauer. »Kulturveranstaltungen sind fast immer defizitär. Da müssen Sie überall um Geld betteln.« Damit die Reihe dennoch erhalten bleiben konnte, gründete sich der Verein. Zunächst nur organisatorisch unterstützend, doch 2013 übernahm er die gesamte Organisation und die Finanzierung.

»Wir haben zuerst die Werbetrommel gerührt« - und als Belohnung einen Besucherzuwachs gehabt, wie Diethard Bauer erzählt. Das sei auch nötig. Ins Jugendstil-Theater passen rund 700 Besucher. »Mit nur 300 Leuten sind die Konzerte nicht deckbar.«

Wunschtraum des Vereinsvorsitzenden: ausverkauftes Sinfoniekonzert in Bad Nauheim

Es müssten schon 500, 600 Gäste sein, damit der Verein die (auch dann entstehende) Differenz ausgleichen könne. Und: »Ich habe es lange nicht für möglich gehalten, aber die Musik klingt anders, wenn der Saal nicht voll ist.« Das merke er bei den Generalproben. »Ein Wunschtraum ist, dass wir es noch einmal schaffen, dass ein Sinfoniekonzert ausverkauft ist«, sagt Bauer. So wie 2012 - das einzige Konzert, in dem Besucher gestanden haben, weil alle Plätze belegt waren.

Am Anfang, als ein Vorsitzender für den Verein gesucht und Bauer gefragt wurde, hieß es: »Da ist nicht so viel zu tun.« Diethard Bauer schmunzelt beim Erzählen. »Es ist richtig in Arbeit ausgeartet.« Um Termine kümmern, Verträge schließen, Helfer finden (zum Beispiel für den Einlass) - und nach Förderern suchen. Hinzukommen rechtliche Vereinbarungen, etwa die Anmietung des Saals, Honorarverträge mit Orchestern, Anmeldungen bei der GEMA. Ein bisschen so, als leite man ein Unternehmen.

Vorsitzender Diethard Bauer des Vereins in Bad Nauheim hat Freude am Organisieren und Helfen

Der Verein hat 65 Mitglieder. »Aber die Zahl ist rückläufig«, da der Altersdurchschnitt hoch ist. Neumitglieder jeden Alters sind herzlich willkommen, sagt Bauer. »Ich gehöre noch zu den jüngeren Mitgliedern«, sagt der 76-Jährige. Und irgendwann müsse sich ein Nachfolger finden. Eine Weile wolle Bauer den Verein aber noch unterstützen. Allein, weil es ihm so viel Freude bereite. Zu organisieren einerseits.

Andererseits: »Ich möchte einfach gerne helfen.« Vor allem aber wegen seiner Leidenschaft für Musik - diese in einem Konzertsaal von einem Orchester gespielt zu erleben, ist etwas Besonderes, »nicht vergleichbar mit Video- oder Tonaufnahmen«. Wer noch nie bei einem der Konzerte gewesen ist, dem empfiehlt Bauer: »Einfach offen sein, hingehen, die Musik und die Atmosphäre auf sich wirken lassen.« Zum Beispiel am 14. November: Das Junge Sinfonie-Orchester Wetzlar spielt Werke von Liszt, Debussy und Dvorák. Diethard Bauer freut sich schon darauf. Wenn die ganze Vorab-Arbeit erledigt ist, die Gäste erwartungsvoll im (hoffentlich vollen) Jugendstil-Theater sitzen - und die ersten Töne erklingen.

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