Im Mittelpunkt steht Kantor Frank Scheffler mit der Fortsetzung des Bach-Zyklus.
+
Im Mittelpunkt steht Kantor Frank Scheffler mit der Fortsetzung des Bach-Zyklus.

Diese Musik lässt Lasten fallen

  • vonGerhard Kollmer
    schließen

Bad Nauheim (gk). Nach über dreimonatiger Zwangspause durfte die beliebte Mittwochskonzert-Reihe in der Dankeskirche endlich wieder beginnen. Viele Interessierte ließen es sich nicht nehmen, die 45-minütige Auftaktveranstaltung (als Benefizkonzert für den Orgelneubau) zu besuchen - trotz weiterhin bestehender coronabedingter Einschränkungen.

Im Mittelpunkt des von Pfarrerin Meike Naumann liturgisch umrahmten Orgelkonzerts stand wiederum Kantor Frank Scheffler mit der Fortsetzung seines Bach-Zyklus. Aus dem in Johann Sebastian Bachs Weimarer Jahren entstandenen »Orgelbüchlein« interpretierte Scheffler in gewohnter Souveränität drei der insgesamt 46 Choralvorspiele - u. a. »In dir ist Freude«, BWV 615. Sie bestechen - trotz ihrer scheinbaren Schlichtheit - durch das kontrapunktische Raffinement ihrer Konstruktion. Anspruchsvolles einfach aussehen zu lassen: Auch das ist eine der vielen Facetten von Bachs Genialität.

»Nun danket alle Gott«: Die Choralkantate (BWV 192) entstand um 1730 in Leipzig. Auch von ihr gibt es eine Orgelbearbeitung, die im Mittwochskonzert erklang. Sie beginnt meditativ und verströmt im zweiten und dritten Satz eine fast tänzerische Leichtigkeit. »Preist den Herrn mit der Zither, spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe! Singt ihm ein neues Lied, greift voll in die Saiten und jubelt laut!« Diese Verse aus Psalm 33 wählte Pfarrerin Meike Naumann als Motto ihrer Meditation. »Singt dem Herrn ein neues Lied!«

Nach Monaten, die von vielfältigen, seit Kriegsende 1945 nicht mehr erlebten Beschränkungen geprägt waren, gelte es nun, innerlich und äußerlich wieder frei zu werden, Lasten fallen und »die Seelen ihre Schwingen ausbreiten zu lassen«, sagte Meike Naumann. Das Hören von Musik sei eine der wirksamsten Hilfen dabei. Dies gelte auch für den gemeinsamen Gesang, auf den die Konzertteilnehmer leider noch verzichten mussten.

Beschwingte Leichtigkeit

Dafür beschenkte sie Kantor Scheffler mit seiner mustergültigen, alle Schwierigkeiten dieses virtuosen Werks meisternden Interpretation von Bachs virtuoser Triosonate C-Dur. Nach dem heiteren Allegro des ersten beeindruckte besonders das Largo des zweiten Satzes. Auch der Schlusssatz im Allegro atmet den Geist beschwingter Leichtigkeit - ganz im Sinne der Veranstalter, die mit einem sommerlich-fröhlichen Programm die Herzen bewegen wollten. Dass selbst in tiefster Finsternis - eingekerkert und auf die Hinrichtung wartend - Hoffnung im Glauben an Gott möglich ist, zeigte Pfarrerin Naumann mit einem Gebet Dietrich Bonhoeffers, der wenige Wochen vor dem Untergang des »Tausendjährigen Reiches« von den braunen Henkern ermordet wurde.

Das Coronavirus wird, auch wenn es in unserem Land Tausenden den Tod gebracht hat, den Sieg nicht davontragen - schon gar nicht über unsere Herzen. Dazu hat auch das kleine sommerliche Konzert in der Dankeskirche seinen Teil beigetragen. Es war ein rundum gelungener, mit viel Applaus bedachter, hoffnungsvoller Auftakt der »Post-Corona-Saison«.

Das nächste Mittwochskonzert ist für den 29. Juli um 19 Uhr in der Dankeskirche geplant. Es trägt den Titel »Orgel und Harfe«. Die Harfe spielt Monica Rincon, an der Orgel ist Frank Scheffler zu hören. Den liturgischen Rahmen gestaltet Pfarrerin Susanne Pieper.

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare