hed_ihm_Apo2_230621
+
Stiche oder Bisse treten momentan bei vielen auf - und sie jucken extrem. Apothekerin Julia Farrell berichtet von einem deutlich erhöhten Bedarf an Mitteln gegen entzündliche Hautausschläge. Ob tatsächlich Grasmilben Schuld sind, ist unklar.

Quaddeln und Ausschlag

Rätselhafte Invasion in der Wetterau: Verursachen Grasmilben das Jucken?

  • VonPetra Ihm-Fahle
    schließen

Zahlreiche Menschen im Wetteraukreis sind aktuell mit stark juckenden Stichen übersät. Sind Grasmilben die Ursache? Noch ist das nicht klar.

Wetteraukreis – Es begann am Samstag, als eine Internet-Nutzerin in einer Bad Nauheimer Facebook-Gruppe fragte: »Hat hier jemand auch so viele kleine Stiche, ohne zu sehen, woher sie kommen?« Sie drehe noch durch. »Ich denke, nachdem ich im Garten war, aber sicher bin ich mir nicht. Es sind so viele. Ich sehe keine Mücken oder Sonstiges.«

Die Frau erhielt viele Antworten von ratlosen Personen, die ebenfalls mit Stichen (oder Bissen) übersät sind. »Bin gefühlt den ganzen Tag am Kratzen. Fast am ganzen Körper. So schrecklich!«, schrieb eine Frau. »Samstagabend ging es bei etlichen los, die den Tag auf dem Flugplatz Ober-Mörlen verbrachten«, schilderte jemand. Nicht jeder Betroffene war allerdings in der Natur unterwegs gewesen. Einige Eltern gingen mit ihren Kindern zum Doktor, weil die Schule wissen wollte, ob die Hauterscheinungen ansteckend sind.

Invasion in der Wetterau: Ausschlag von Grasmilben und Eichenprozessionsspinnern ähneln sich

Der eine oder andere berichtete von Besuchen beim Arzt oder in der Apotheke. Oft erhielten sie die Auskunft, die Stiche kämen von Grasmilben: Winzige Larven, die auf Gräser und Sträucher klettern und sich auf vorbeistreifende Lebewesen fallen lassen. Es kursierten aber auch Stimmen, die den Eichenprozessionsspinner als Ursache sehen (siehe obiger Artikel). Laut einiger Internet-Quellen ähneln sich die Hautveränderungen durch Grasmilben und Eichenprozessionsspinnern stark.

Eine Umfrage in der Facebook-Gruppe sollte räumlich eingrenzen, welche Bad Nauheimer am meisten betroffen sind. Das Resultat ergab einen Schwerpunkt auf der Kernstadt (116), gefolgt von Nieder-Mörlen (45), Steinfurth (12), Schwalheim (6), Rödgen (3) und Wisselsheim (3). Es meldeten sich aber auch Personen aus Kommunen wie Friedberg, Ober-Mörlen, Rosbach, Nieder-Wöllstadt und Beienheim. »Ganz Ober-Mörlen ist betroffen«, schrieb eine Frau. Eine Friedbergerin berichtete: »Ich habe gerade bei meinem Hausarzt angerufen. Dort ist jeder zweite Patient davon befallen.« Es gebe schon gar keine Termine mehr, sondern die Praxis verweise auf die Apotheken, um sich frei verkäufliche Mittel zu kaufen.

Grasmilben oder Mücken: Apothekerin in der Wetterau gibt Tipps gegen den juckenden Ausschlag

Die WZ hat in der Bad Nauheimer Kurapotheke nachgefragt. »Wir haben seit einigen Tagen einen deutlich erhöhten Bedarf an Mitteln, die gegen entzündliche Hautausschläge notwendig sind«, sagt Apothekerin Julia Farrell. Was es letztlich ist, sei aktuell noch nicht bekannt: Ob Grasmilben oder sehr kleine Mücken, die auch durch Netze in die Wohnung gelangen können. »Allerdings kommen die Menschen mit sehr ähnlichen Beschwerden zu uns, sie sind ziemlich zerstochen und es sieht aus wie kleine Insektenbisse, die extrem jucken.« In solchen Fällen rät die Apotheke zu einer lokalen Behandlung mit Gel. Möglich seien auch cortisonhaltige Präparate, die es in leichterer Dosierung auch rezeptfrei gebe. Ein weiterer Tipp der Apothekerin ist es, sich schnell abzubrausen, wenn man nach Hause kommt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare