Berge von Briefwahlunterlagen müssen am Sonntagabend auch in der Trinkkuranlage Bad Nauheim abgearbeitet werden. Das Trendergebnis zu ermitteln hat viel Zeit in Anspruch genommen.
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Berge von Briefwahlunterlagen müssen am Sonntagabend auch in der Trinkkuranlage Bad Nauheim abgearbeitet werden. Das Trendergebnis zu ermitteln hat viel Zeit in Anspruch genommen.

Kommunalwahl in der Wetterau

Stadtverordnetenversammlung Bad Nauheim: Der Trend ist dunkelgrün

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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FW/UWG und Grüne sind die Sieger der Kommunalwahlen in Bad Nauheim - zumindest sagen das die Trendergebnisse von Sonntagabend aus.

Bad Nauheim (bk). FW/UWG und Grüne sind die Sieger der Kommunalwahlen in Bad Nauheim - zumindest sagen das die Trendergebnisse von Sonntagabend aus. Aufgrund des hohen Briefwähleranteils ist allerdings durch das Kumulieren und Panaschieren noch mit erheblichen Veränderungen zu rechnen. Das vorläufige Endergebnis wird möglicherweise erst am Mittwoch oder Donnerstag vorliegen.

FW/UWG, die 2016 erstmals stärkste Kraft wurden, aber nur knapp vor der CDU lagen, haben den Vorsprung ausgebaut und kommen auf 29,01 Prozent, Das entspricht zwar nur einem Zuwachs von 0,9 Prozent, der Abstand zur Union hat sich aber auf fast fünf Prozent vergrößert.

Die Grünen lieferten sich bei der Auszählung der Stimmen lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU um Platz zwei. Unter dem Strich kam die Umweltpartei schließlich auf 23,59 Prozent (plus 13,2), die Union pendelte sich bei 24,20 Prozent ein (minus 3,0).

Die Freidemokraten hatten sich ausgerechnet, ihr gutes Ergebnis von 2016 weiter ausbauen zu können. Das gelang den Liberalen nicht, im Gegenteil: Sie landeten bei 9,54 Prozent, was einen Verlust von etwa 3,4 Prozent bedeutet. Eindeutiger Wahlverlierer scheint die SPD zu sein. Laut Trend können die Sozialdemokraten lediglich 13,65 Prozent verbuchen, 7,2 Prozent weniger als 2016.

Wahlen in Bad Nauheim: Wer erhält wie viele Mandate?

Die Zahl der Mandate lässt sich nicht mit dem Ergebnis von 2016 vergleichen. Bislang gab es 45 Stadtverordneten-Mandate. Die Fraktionen hatten allerdings bereits vor Jahren beschlossen, die Zahl auf 41 zu reduzieren. Dem Trend zufolge bringen es die Freien Wähler auf zwölf Sitze, CDU und Grüne auf jeweils zehn. Die Sozialdemokraten können nur noch fünf Vertreter ins Stadtparlament entsenden, die FDP vier. Die Wahlbeteiligung ist in Corona-Zeiten erwartungsgemäß leicht angestiegen und erreicht 48,53 Prozent vor fünf Jahren hatten 45 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

»Nach unserem Gespräch werden wir eine Flasche Sekt aufmachen«, freute sich Grünen-Stadtverbandsvorsitzende Brigitta Nell-Düvel über das beste Wahlergebnis, das die Grünen bislang in Bad Nauheim erzielt haben. In der Kurstadt habe die Umweltpartei sicher vom Bundestrend profitiert, die wichtigsten Themen - Klimawandel, Verkehrswende, soziale Gerechtigkeit und Verteidigung der Demokratie - seien aber auch konsequent auf die kommunale Ebene übertragen worden. »Zudem haben wir uns stets um eine sachliche Herangehensweise bemüht und uns aus allen Querelen herausgehalten«, sagte Nell-Düvel.

Das sensationelle Trendergebnis sei Resultat eines engagierten Wahlkampfs in den Sozialen Medien und mit herkömmlichen Methoden. So hätten die Mitglieder rund 350 Plakate geklebt. Was die Grünen mit ihrer neuen Stärke anfangen werden, ließ die Stadtverbandsvorsitzende offen. Gerüchten, wonach bereits vor der Wahl über eine Jamaika-Koalition (CDU, Grüne, FDP) gesprochen worden sei, erteilte Nell-Düvel eine eindeutige Absage: »Von solchen Planungen ist mir nichts bekannt.«

Kommunalwahl Bad Nauheim: FW/UWG punktet in Nieder-Mörlen

Auch die Freien Wähler sind mit dem Trendergebnis sehr zufrieden, wie Fraktionschef Markus Theis sagte. Der Vorsprung gegenüber der CDU, die in Bad Nauheim früher eine Hochburg hatte, sei auf fast fünf Prozent angewachsen. Besonders gefreut hat sich Theis über das Resultat in Nieder-Mörlen. »Durch unsere klare Ablehnung einer Bebauung des Friedhofsparks sind wir dort stärkste Kraft geworden.« Gegenüber 2016 legten die Freien Wähler in Nieder-Mörlen gut zehn Prozent zu, während die CDU, die zuletzt einen Schlingerkurs steuerte, mehr als elf Prozent verlor. Strebt die UWG jetzt eine Koalition an? Theis: »Nur mit uns geht ein Zweier-Bündnis, aber es muss inhaltlich passen.«

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