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Hinter dem Waldhaus werden bis Ostern Bäume geschlagen. Anselm Möbs (l.) und Eckhard Richter begutachten die Arbeiten der Forstwirte.

Waldarbeiten

Den Bad Nauheimer Hochwald fit halten im Klimawandel

  • vonHanna von Prosch
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Waldpflege und Holzernte, Nachhaltigkeit und Durchforstung hängen eng damit zusammen, ob der Hochwald in Bad Nauheim noch für viele Generationen gesund bleibt.

Die Motorsäge der zwei Forstwirte schweigt im Moment. Gerade haben sie eine rund 90 Jahre alte Buche gefällt - fachmännisch, mit Vorsicht, wie sie es in ihrer dreijährigen Ausbildung gelernt haben. Im Schlag, wie die Forstleute diese Stelle nennen, sieht es nun für ein paar Wochen sehr unordentlich aus. Revierförster Eckhard Richter und Bereichsleiter Anselm Möbs von Hessen Forst begleiten die Aktion.

Im vergangenen Sommer hat Richter den Baumbestand begutachtet und dabei die zum Fällen ausgesuchten Bäume mit schrägen oder senkrechten Strichen markiert. »Ich kann an der Belaubung sehen, ob ein Baum gesund ist oder nicht. Für das Nutzholz prüfe ich die Zielstärke, also einen Stammdurchmesser von etwa 70 Zentimetern in Brusthöhe.« Gefällt werden aber auch Buchen, die für Trockenheit anfälliger sind, wenn dadurch eine Eiche mit langer Lebensdauer im Wachstum gefördert wird. Aus der Nutzung genommen, also nicht gefällt, werden die Habitatbäume. »Sehen Sie in der Abzweigung des Stamms dort auf halber Höhe die Bruthöhle? Der Baum muss stehen bleiben, um die Artenvielfalt nicht zu gefährden«, sagt Richter.

Abtransport mit Pferden

An einem anderen Baum befinden sich drei waagerechte rote und weiße Striche: »Die markieren die Rückegasse. Das heißt, hier darf der Forstschlepper fahren, um die dicken Stämme herauszutransportieren«, erklärt der Revierförster. Der Begriff kommt daher, dass Pferde auch jetzt noch die dünneren, schon entasteten Stämme von etwa 25 Zentimetern Durchmesser aus dem Wald herausrücken. Das wird im April auch im Hochwald der Fall sein. Alle 40 Meter gibt es eine solche Gasse. Nur hier ist der Boden verdichtet, sodass 90 Prozent des Waldbodens von Schäden verschont bleiben. Für einen Erholungswald wie den Hochwald ist das von Bedeutung.

Die Forstleute machen sich sehr viel Gedanken um den Wald. »Gesund bleibt er nur, wenn das Ökosystem stimmt. Wir können das steuern und den Wald für den Klimawandel fit halten«, erklärt Möbs. Die Forstleute achten darauf, dass viele Generationen von Bäumen auf einer Fläche stehen, sodass sie sich aus sich selbst heraus erneuern können. Müssten sie wegen Schädlingsbefall eine ganze Fläche roden, hätten sie die Chance, dort so aufzuforsten, dass ein Dauerwaldsystem entsteht. »Wir holen nie mehr Holz aus dem Wald als nachwächst. Das ist sehr wichtig«, betont Anselm Möbs.

Kohlendioxid einsparen

»Viele Menschen verstehen nicht, warum wir Bäume schlagen,« sagt Richter, »aber jeder will Holzmöbel oder Parkett und verbraucht Papier und Klopapier. 1,5 Kubikmeter sind das pro Kopf und Jahr, Alt- und Papierrecycling eingerechnet. Wo soll das herkommen?« Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle. Ein dicker Baumstamm speichere viel Kohlendioxid. Das bleibe bei der Verarbeitung im Stamm und gehe nicht mehr in die Atmosphäre. Außerdem spare man durch das Verbrennen von Restholz und Ästen und die Verarbeitung zu Pellets andere fossile Brennstoffe, die wesentlich mehr Treibhausgase erzeugten. »Wir würden um 14 Prozent mehr CO2 in die Luft schicken, wenn keine Holzprodukte mehr verwendet würden«, sagt Richter.

Und was bringt das Nutzholz an Erlös? »Der Preis richtet sich nach Baumart, Qualität und Dicke. Für einen Festmeter, der sich aus Stammlänge und Kreisfläche berechnet, bekommt die Stadt als Eigentümer durchschnittlich 60 Euro. Die Esche, die am Vormittag gefällt wurde, bringt wahrscheinlich 150 Euro«, schätzt Richter. Bis Ostern sollen die Arbeiten beendet sein. Danach wird das Holz abtransportiert.

Relativ viele Eichen

Der heutige Hochwald ist mit 244 Hektar im Besitz der Stadt Bad Nauheim, während der Frauenwald als Staatswald Landesbesitz ist. Im Laufe der Jahrhunderte ist der ehemalige Bad Nauheimer Staatsbäderwald von einem Nieder- in einen Hochwald übergegangen. Das bedeutet, das niedrig wachsende Gehölz, wie es als Brennholz für die Salzsiederei gebraucht wurde, verschwand, und die Bäume wuchsen in die Höhe. Damals bestand der Wald aus einem hohen Eichenanteil, denn die Eichenrinde wurde zur Gerberei genutzt. Noch heute hat der Hochwald einen weit über dem Landesdurchschnitt (zehn Prozent) liegenden Anteil von 45 Prozent an Eichen, davon bemerkenswert viele alte Bäume. Die Nadelhölzer liegen mit zehn Prozent weit unter dem Landesdurchschnitt von 50 Prozent.

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