Ungewohntes Bild: In Zeiten der Corona-Krise ist die Friedberger Kaiserstraße weitgehend verwaist.	FOTO: NICI MERZ
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Ungewohntes Bild: In Zeiten der Corona-Krise ist die Friedberger Kaiserstraße weitgehend verwaist. FOTO: NICI MERZ

Wer darf, wer nicht?

  • vonNici Merz
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Bad Nauheim/Friedberg (bk). Für manche Geschäftsinhaber ist es in Zeiten der Corona-Krise gar nicht so einfach, zu entscheiden, ob sie weiter öffnen dürfen oder nicht. Auch die städtischen Kontrolleure müssen erst mal ganz genau in die Verordnung der Landesregierung schauen, um eine Entscheidung treffen zu können. Wie sich an den Beispielen Bad Nauheim und Friedberg zeigt, stellen sich aber immer mehr Bürger auf den Notstand ein, Zweifelsfälle werden geklärt.

Nach Ansicht von Peter Krank, Erster Stadtrat in Bad Nauheim, wirken die Appelle an die Bürger. Am Donnerstag seien nur noch sehr wenige Menschen in der Innenstadt unterwegs gewesen. Als Beispiel für verantwortungsbewusstes Handeln nennt er »Pane e Vino« auf dem Aliceplatz, ein Laden, der italienische Delikatessen verkauft.

Keine Schlangen mehr vor Eissalon

In den letzten Tagen war es häufig zu Beschwerden gekommen, weil die Gäste, die im Freien tranken, aßen und sich unterhielten, keinen Mindestabstand einhielten, um sich vor Ansteckung zu schützen. »Die Inhaberin hat von sich aus entschieden, zu schließen, obwohl sie als Lebensmittelhändlerin und Gastronomin geöffnet haben dürfte«, sagt Krank. Ein ähnliches Beispiel gibt es in Friedberg. Dort hat der Eissalon »Cortina« in der Kaiserstraße den Betrieb eingestellt - als Gastronomiebetrieb dürfte er eigentlich weiterverkaufen. Bei »Cortina« hatten sich lange Schlangen von Kunden gebildet, die keine zwei Meter Abstand hielten. Der Erste Stadtrat von Bad Nauheim appelliert an alle Betreiber von Läden, die noch geöffnet sind, auf die Einhaltung von Hygienevorschriften und Mindestabständen zu achten.

Bei einigen Geschäften ist es auf den ersten Blick nicht ersichtlich, ob sie von der Schließungsanordnung betroffen sind oder nicht. Etwa »Cho La« in der Bad Nauheimer Parkstraße, wo Geschenkartikel und Tee angeboten werden. Laut Krank wird dieses Geschäft als Lebensmittelhändler eingestuft.

Ein ähnlicher Fall ist das Kaufhaus Weyrauch am Aliceplatz, das lebensnotwendige Artikel des täglichen Bedarfs, aber auch andere Waren im Sortiment hat. Die Geschäftsführung hat sich mit der Stadt geeinigt, nur das Erdgeschoss geöffnet zu lassen, wo in erster Linie Hygieneartikel, Lebens- und Futtermittel veräußert werden (WZ von gestern). Die übrigen Stockwerke werden geschlossen. Wie Sören Weyrauch erklärt, wird die Vereinbarung vom heutigen Freitag an umgesetzt. »Wir mussten zunächst Material beschaffen, um die Zugänge vom Erdgeschoss in die oberen Etagen abzusperren.«

Tipp: »Kontaktfrei« einkaufen

Die Geschäftsführung stehe in ständigem Kontakt mit den Beschäftigten, die genau auf die nötige Hygiene achteten. Ob für ein Teil des Personals Kurzarbeit beantragt werde, sei noch nicht entschieden. »Die Krise trifft uns sehr, sehr hart. Ich gehe davon aus, dass wir diese Regelung für zwei, drei Monate beibehalten müssen«, sagt Weyrauch.

Restaurants dürfen bis 18 Uhr öffnen, viele Betreiber haben aber seit Mittwoch geschlossen - nur ein Mittagstisch anzubieten, lohnt sich nicht. Einige liefern den Kunden Essen nach Hause. Auch die Friedberger Einzelhändler-Organisation »Friedberg hat’s« macht sich für »kontaktfreies Einkaufen« stark. Wer wissen möchte, ob Händler oder Dienstleister zurzeit tätig sind, kann sich im Internet unter www.friedberg-hats.de/ mitglieder informieren.

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