Die große Orgel in der Dankeskirche wird nicht nur ein neues Klangbild, sondern auch ein neues Gesicht bekommen. FOTOS: HMS
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Die große Orgel in der Dankeskirche wird nicht nur ein neues Klangbild, sondern auch ein neues Gesicht bekommen. FOTOS: HMS

Dankeskirche bekommt große Orgel

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim(hms). Nach nur zweieinhalb Jahren Spendensammeln und einem aktuellen Stand von rund 350 000 Euro steht jetzt fest: Die Dankeskirche kann wieder eine große Orgel bekommen. Dazu äußern sich der Vorsitzende des Orgelbaukreises und Kirchenvorstand, Dr. Volker Gräfe, und Pfarrerin Meike Naumann.

Der Kirchenvorstand hat nun die "große Lösung" des Orgelneubaus beschlossen. Was heißt das finanziell?

Gräfe: Langfristig war für die Dankeskirche immer eine große Orgellösung geplant. Das Projekt war allerdings in zwei Stufen vorgesehen. Die erste sollte für 650 000 Euro gebaut werden. Durch die Umsetzung in einem Schritt sparen wir unter dem Strich rund 100 000 Euro, weil Mehrausgaben für zusätzlichen Planungsaufwand, doppelte Baustelleneinrichtung, für einen notwendigen Umbau und Preissteigerungen wegfallen. Wir liegen jetzt bei Gesamtkosten von etwa 950 000 Euro. Das ist weit weniger als ursprünglich für die Realisierung der beiden Stufen kalkuliert.

Was beinhaltet die große Lösung?

Gräfe: In der Größe wird die Orgel vergleichbar mit dem jetzigen Instrument sein. Geplant sind 45 bis 50 Register, Pedal und drei Manuale. Zum Vergleich: Die erste Stufe hätte nur 25 bis 29 Register und zwei Manuale gehabt. Aus klanglichen Gründen soll die Orgel bis einen Meter nach vorne gezogen werden. Das Fernwerk, welches unverändert erhalten bleibt, wird endlich perfekt angebunden. Wir wollen auch die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, vom zusätzlichen Notenbildschirm, bei dem der Organist durch Gesten blättern kann, bis hin zu einer MIDI-Schnittstelle zum Aufzeichnen von Improvisationen. Das soll auch junge Leute ansprechen, da die Orgel für Ausbildungszwecke genutzt wird.

Welche Voraussetzungen muss das Instrument mitbringen?

Gräfe: Die Kantorenstelle an der Dankeskirche ist eine der wenigen A-Stellen in der Landeskirche, mit Schwerpunkt Orgel. Dementsprechend muss das Instrument die Voraussetzungen mitbringen, um diesem Anspruch, etwa an Klangvielfalt, gerecht zu werden. Dies wurde auch von Verantwortlichen der Kirchenleitung betont, die uns nach dem bisherigen sehr positiven Projektverlauf ausdrücklich ermunterten, den jetzt vollzogenen Schritt zu gehen.

Woher nimmt die Kirchengemeinde jetzt den Mut, das zu stemmen?

Naumann: Wir waren 2017 bewusst sehr vorsichtig, weil wir die Resonanz nicht einschätzen konnten. So hätten wir mit der ersten Stufe zunächst in akzeptabler Zeit wenigstens eine kleine Orgel bekommen. Kirchenmusik hat in unserer Gemeinde eine große Tradition und Musik als Teil der Seelsorge ist uns sehr wichtig. Viele Menschen finden in ihr Trost und Halt. Und gerade die Orgel ist für viele eine Herzensangelegenheit. Entsprechend hoch ist die Spendenbereitschaft. Die vorgesehene Bestandsaufnahme hat ergeben: Wir liegen jetzt weit vor unserem Plan. Außerdem konnten wir kürzlich die Orgel in der Johanneskirche verkaufen. Der Erlös fließt ebenfalls in die Spendensumme. Auch haben wir noch ein langes Zeitfenster, um den Restbetrag sammeln zu können.

Gibt es denn Fördermittel aus Land und Bund? Es ist ja keine Restaurierung, bei welcher der Denkmalschutz greift.

Gräfe: Deswegen hatten wir beim Bund auch keinen Erfolg. Vom Land Hessen haben wir zwar nur sehr geringe Fördermittel erhalten, aber die Schirmherrschaft unseres Ministerpräsidenten Volker Bouffier hilft uns indirekt sehr.

Beeinträchtigt das Orgelvorhaben andere notwendige Ausgaben der Kirchengemeinde zum Beispiel für das Dach der Wilhelmskirche oder die Umgestaltung des Innenraums der Dankeskirche?

Naumann: Natürlich lassen sich Wechselwirkungen nie ausschließen. Allerdings gibt es für die verschiedenen Vorhaben auch unterschiedliche Spenderinnen und Spender. Der Orgelbaukreis konzentriert sich ganz auf das Projekt Orgel und entlastet an dieser Stelle die Kirchengemeinde.

Orgelmusik in der Dankeskirche ist ein wichtiges Kulturmerkmal der Kurstadt. Wird sich die Stadt daran beteiligen?

Gräfe: Seit Projektbeginn ist Bürgermeister Kreß einer unserer offiziellen Unterstützer. Wir führen natürlich Gespräche mit der Stadt. Tausende Konzert- und Gottesdienstbesucher im Jahr, darunter viele Kurgäste, erfreuen sich an der Orgel. Die große Bedeutung der Dankeskirche und ihrer Orgel wird auch von der Stadt gesehen. Wir hoffen natürlich, dass dies sich letztlich auch in einem Zuschuss äußert.

Wie geht es weiter? Wann können Sie der Öffentlichkeit etwas präsentieren?

Naumann: Wir bitten jetzt die Landeskirche um eine Haushaltsvormerkung für den Zuschuss und beantragen die Genehmigung für die Ausschreibung. Im Frühjahr 2021 rechnen wir mit den konkreten Angeboten der Orgelbauer. Dann wird es auch eine öffentliche Präsentation der Ideen geben. Von der Beauftragung bis zum Bau werden dann rund drei bis vier Jahre vergehen. 2025 soll die Orgel fertig sein.

Wie viel Spendengelder und Drittmittel sind noch nötig?

Gräfe: Wenn wir den zu erwartenden Zuschuss durch die Landeskirche abziehen, brauchen wir noch rund 440 000 Euro. Dazu sprechen wir nun auch Stiftungen an und hoffen, dass in der Wetterau ansässige Unternehmen unser Anliegen unterstützen. 2025 war übrigens auch das zu Projektbeginn angestrebte Datum - aber jetzt mit der großen Lösung.

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