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Damit der Akku nicht explodiert: Niddataler Feuerwehren bilden sich in Bad Nauheim fort

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Von: Michael Humboldt

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Die Feuerwehrleute aus Kaichen und Bönstadt haben im Bad Nauheimer Autohaus Marnet wichtige Informationen erhalten, wie sie bei Unfällen mit E-Autos vorgehen sollen. © pv

Die Elektromobilität ist ein Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft. Deshalb müssen auch Helfer wie Feuerwehrleute ständig hinzulernen, um im Notfall die richtigen Stecker ziehen zu können.

Die Freiwilligen Feuerwehren aus Niddatal haben sich am Freitag im Bad Nauheimer Autohaus Marnet getroffen, um sich dem Thema Elektromobilität zu widmen. Feuerwehr-Mitglied Erland Frech, der hauptberuflich als Service-Mitarbeiter fungiert, dankte in seiner Begrüßungsrede den Frauen und Männern aus Kaichen und Bönstadt für ihr Interesse und ihre Aufmerksamkeit, denn immerhin wurde zweieinhalb Stunden über mögliche Gefahren bei Unfällen mit Elektro-Autos referiert. Dafür verantwortlich zeichnete als kompetenter Moderator Werkstattleiter Oliver Weitzel, der den an diesem Abend verhinderten Betriebsleiter Markus Grebing vertrat.

Unzählige Komponenten

Im Jahr 2021 fielen rund 3,5 Prozent aller 2021 verkauften Hybrid-Autos einem Brand zum Opfer. Doch wie gehen Feuerwehrleute in solchen Fällen vor, wenn sie die Motorhaube heben? »Bei uns gibt es Rettungs-Leitfäden im Laptop«, erläutert Erland Frech. Dennoch, so der Feuerwehr-Experte, sei es wichtig, die Unfall-Fahrzeuge stets gut beurteilen zu können. »Da gibt es unzählige Komponenten und neue Techniken. Wir müssen einfach wissen, wann und wo wir in Notfällen den richtigen Stecker ziehen müssen«, betont Erland Frech.

Die Antriebsbatterie der meisten Elektroautos liefert eine Spannung von 400 Volt. Die Feuerwehrleute müssen somit in Notfällen wissen, wie diese entkoppelt wird. Werkstattleiter Oliver Weitzel erklärte den Gästen aus Niddatal unter den Hebebühnen im Autohaus Marnet punktgenau den Aufbau von Hybrid- und reinen Elektro-Fahrzeugen und deren Funktionsweise.

Weiterbildung und Herausforderungen

»Wir haben hier die neuesten Infos über Entspannung von Stromquellen bei Unfällen mit Elektro-Fahrzeugen bekommen. Diese Weiterbildung war für uns hoch interessant«, lobte der Kaichener Wehrführer Raimund Schultes. Für die Bevölkerung könne es doch beruhigend sein, dass sich die Feuerwehr immer wieder diesen neuen Herausforderungen stelle, fügte dessen Stellvertreter Jörn Erlenmaier hinzu. Und der Bönstädter Wehrführer Patrik Limbach lobte im Beisein des stellvertretenden Stadtbrandinspektors Oliver Mantel das Engagement der Autohändler.

Werkstattleiter Oliver Weitzel ging insbesondere auch auf die Gefahren der Lithium-Akkus ein. »Schon bei einer Erwärmung auf 80 Grad bei diesen Akkus sollte man die Feuerwehr holen. Wir haben die Teilnehmer der Wehren aber vorrangig geschult, sich selbst zu schützen, damit es nicht zum Thermal Runaway kommt«, sagte Weitzel. Denn beim Thermal Runaway wird der Akku mit Überschreiten einer Temperaturgrenze sehr schnell sehr heiß. Die Hitze löst weitere Reaktionen aus, sodass innerhalb von Millisekunden unaufhaltsam mehrere Hundert Grad erreicht werden. Die Gefahr ist dabei groß, dass sich der Akku entzündet und explodiert. All diese Gefahren-Szenarien sind in Niddatal durch die Schulung in Bad Nauheim minimiert worden.

Brandgefahr

Beim mehrstündigen Laden von E-Fahrzeugen kann durch Alterungsprozesse der Kontakte, an Klemmstellen in der Zuleitung oder durch unsachgemäße Installation ein erhöhter Widerstand im Stromkreis entstehen. Das kann zu übermäßiger Erwärmung und damit zu Brandgefahr führen. Zum Einsatz kommen heute fast ausschließlich Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ionen). Bei einigen Hybrid-Modellen sind noch Nickel-Metallhydrid-Akkus verbaut. Die früher verbreiteten Blei- oder Nickel-Cadmium-Akkus spielen keine große Rolle mehr. Mittlerweile werden Akkus für Elektrofahrzeuge auch als Batterie bezeichnet.

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