Damals in der DDR

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Wetteraukreis (pm). Siegfried Wittenburg, 1952 im mecklenburgischen Warnemünde geboren, war bis zu ihrem Ende 1990 Bürger der DDR. Im Jahr 1977, im Alter von 25 Jahren, entdeckte der ausgebildete Funkmechaniker seine Leidenschaft für die Fotografie. Seine Impressionen vom Alltag im "Arbeiter- und Bauernstaat" gewannen Preise, geriet dadurch aber auch ins Visier der Stasi.

Wetteraukreis (pm). Siegfried Wittenburg, 1952 im mecklenburgischen Warnemünde geboren, war bis zu ihrem Ende 1990 Bürger der DDR. Im Jahr 1977, im Alter von 25 Jahren, entdeckte der ausgebildete Funkmechaniker seine Leidenschaft für die Fotografie. Seine Impressionen vom Alltag im "Arbeiter- und Bauernstaat" gewannen Preise, geriet dadurch aber auch ins Visier der Stasi.

In insgesamt vier Vorträgen an der Sankt-Lioba-Schule, und der Ernst-Ludwig-Schule in Bad Nauheim sowie dem Friedberger Burggymnasium berichtete Wittenburg von seinen Erfahrungen als DDR-Bürger, Künstler und Chronist seiner Zeit. Die Oberstufenschülerinnen und -schüler dieser drei Schulen, die die DDR nur noch aus dem Geschichtsunterricht kennen, zeigten großes Interesse an den Fotos und Erzählungen, die einen Bogen von den 50er Jahren bis zur friedlichen Revolution von 1989 spannten und einen Einblick in das Alltagsleben der Bürger in der DDR gaben.

Dieses Projekt ist dem Einsatz von Dr. Brigitte Wavra von der Sankt-Lioba-Schule, Anja Knobloch-Neisel vom Burggymnasium und Britta-Karin Witzmann von der Ernst-Ludwig Schule zu verdanken. Der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung, gebührt der Dank, dass sie großzügig die Kosten der Vortragsreihe übernahm.

Wittenburg, der aus einem systemkritischen protestantischen Elternhaus stammt, machte es sich als organisatorischer Leiter des Fotoclubs "Konkret" zur Aufgabe, das Alltägliche genau zu beobachten und dies bedeutete für ihn, Widersprüche zwischen Anspruch im ersten "sozialistischen Staat auf deutschem Boden" und der Wirklichkeit fotografisch festzuhalten.

Wie sich die Wirklichkeit auf die Bürger der DDR auswirkte, davon konnte Wittenburg den Oberstufenschülern in seinen Vorträgen einen eindringlichen Bericht geben. Bereits ein simples Klassenfoto belegt den Druck, der in dieser Zeit auf Schüler, Eltern und Lehrer ausgeübt wurde: Wer nicht in FDJ-Uniform erschien, galt als verdächtig. Die Lehrkräfte hatten aus dieser "Demonstration" den Schluss zu ziehen, dass Schüler samt Eltern nicht systemkonform sind.

Der Vermerk "A" oder "I" hinter dem Namen auf der Klassenliste konnte den weiteren beruflichen Lebensweg entscheidend beeinflussen.

Ein "A" für Arbeiter und ein "I" für Intelligenz signalisierte, wer zur Arbeiterklasse gehörte und wem das Abitur und ein Studium verweigert werden konnte. Mit viel Unverständnis wurde darauf reagiert, wie stark der Einfluss des Staates war.

Dass man sich einem totalitären Regime aber auch nicht widerstandslos ausliefern musste, verdeutlichte Wittenburgs Beispiel. Erfolge als Künstler hatte er dennoch oder vielleicht auch gerade deshalb.

Im Rahmen seines Vortrags präsentierte Wittenburg zahlreiche seiner Arbeiten – Fotografien in Schwarz-Weiß, in denen ungeschönt der Alltag in der DDR gezeigt wurde. Die Bildsprache war eindringlich und emotional.

Einig waren sich die drei Initiatorinnen darüber, dass Zeitzeugenbefragungen ein wichtiger Bestandteil des modernen Geschichtsunterrichts sein können. Dies zeigte sich an diesem Vortrag mit seinem kritischen Blick auf das Gestern und Heute.

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