Sezgin Zorlu (r.), hier mit seinem Mitarbeiter Ahmed Al Abod, wollte sein "Vatan Grillhaus" für die nächsten Wochen ohnehin schließen, weil der Umsatz stark nachgelassen hat.
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Sezgin Zorlu (r.), hier mit seinem Mitarbeiter Ahmed Al Abod, wollte sein »Vatan Grillhaus« für die nächsten Wochen ohnehin schließen, weil der Umsatz stark nachgelassen hat.

Schließungsanordnung

Coronavirus: Wetterauer Gastronomen haben Angst vor der Pleite

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Gastronomen sind jetzt in der gleichen Lage wie Geschäftsinhaber - sie müssen schließen. Was die Wirte bewegt und wovor sie sich fürchten, erfuhr die WZ in Friedberg und Bad Nauheim.

In der Corona-Krise ändert sich die Lage täglich. So ist es auch mit diesem Bericht. Kurz nachdem unsere Mitarbeiterin mit Gastronomen in Friedberg und Bad Nauheim über deren Lage gesprochen hatte, verkündete die Landesregierung die Schließung von Lokalen ab heute Mittag. Straßenverkauf und Essenslieferung sind weiter erlaubt.

Das Ristorante »La Perla« in der Frankfurter Straße in Bad Nauheim hatte bereits seit Mittwoch nur noch sehr eingeschränkt offen, Inhaberin Olga Russo liebäugelte mit der Schließung. Während des Besuchs dieser Zeitung war das Lokal komplett leer - und das sollte laut Russo so sein. Gäste durften nur einzeln eintreten, um eine bestellte Speise abzuholen. »Wir haben auch Angst, dass wir uns anstecken und den Virus weitergeben«, sagt sie. Geld sei ihr letzter Gedanke, beantwortet sie die Frage, ob sie Bedenken wegen finanzieller Verluste hat. »Hauptsache, es bleiben alle gesund.«

Coronavirus: Einige Lokale waren bereits geschlossen

Das »Ducky’s« in der Ludwigstraße in Bad Nauheim hatte am Montag zum letzten Mal geöffnet. »Dann kam die Info, dass Restaurants nur noch bis 18 Uhr auf haben dürfen«, berichtet Inhaberin Nicole Duckworth. Sie und ihr Mann hätten sich daraufhin sofort für die Schließung entschieden. »Da wir schon seit längerem keinen Mittagstisch anbieten, hätte ein Weitermachen keinen Sinn gehabt.« Samstags- und sonntagsmittags sei normalerweise zwar offen, aber für zwei Tage hätte sich der Aufwand nicht gelohnt.

Ihr Hotelbetrieb stehe nur noch für Geschäftsreisende zur Verfügung, fuhr Duckworth fort. Und mit den Mitarbeitern hat sich das Lokal auf Urlaub geeinigt. »Sechs bis acht Wochen können wir durchhalten«, schätzt die Geschäftsfrau die wirtschaftlichen Konsequenzen ein. »Aber danach dürften Gespräche mit Banken kommen.«

In Friedberg auf der Kaiserstraße waren am Freitagvormittag fast alle Cafés zu, ähnlich sah es bei den Speiselokalen aus. In der »Fressgass« etwa, wo die Mitarbeiter Handschuhe trugen und desinfizierten, hatten nur noch drei von sieben Imbissen offen. »Ich habe es bis jetzt probiert, aber es läuft nicht«, schildert Sezgin Zorlu, Inhaber des »Vatan Grillhaus«. Deshalb hatte er bereits vor, ab Freitag vorübergehend dichtzumachen. Auf fast 90 Prozent schätzt er den Einnahmenrückgang. Seine Mitarbeiter will er weiter bezahlen, eventuell Kurzarbeit anmelden. Vor der Zukunft und einer möglichen Pleite hat Zorlu Angst. »Ich hoffe, dass die Regierung hilft.«

Coronavirus: Imbiss erst vor drei Monaten eröffnet

Malek Qazyzade, Inhaber des Pizza -Treffs, hatte bis Freitag die Absicht, weiter zu öffnen. »Solange es erlaubt ist, denn ich muss irgendwie meine Kosten decken«, sagt er. Seine Verluste seien ebenfalls hoch, lägen aber »nur« bei 50 Prozent, weil er bestelltes Essen ausliefert. Nach den neusten Infos der Regierung will er den Lieferservice erst mal nur bis Sonntag oder Montag weiterbetreiben, wie er auf Rückfrage mitteilt. »Dann schaue ich, wie die Lage ist. Wir müssen sehen, ob es sich rentiert und auch auf die Gesundheit der Mitarbeiter achten.«

Der dritte offene Imbiss in der »Fressgass« ist »Adam’s Schawarna Palast«. Inhaber Hani Otaibi sah nicht glücklich aus. »Ich bin erst seit drei Monaten hier, es wäre sehr schlecht, gleich zuzumachen«, sagt er. Er hoffe, dass nach dem 19. April alles gut wird.

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