Einsam: In acht Bad Nauheimer Kitas betreut der Notdienst rund 30 Kinder. Durch Kleinstgruppen soll die Ansteckungsgefahr minimiert werden.
+
Einsam: In acht Bad Nauheimer Kitas betreut der Notdienst rund 30 Kinder. Durch Kleinstgruppen soll die Ansteckungsgefahr minimiert werden.

Kitas und Schulen

Coronavirus: Notbetreuung nur für wenige Kinder

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
    schließen

Wer kümmert sich um die Kinder? In Zeiten des Coronavirus stellen sich viele Eltern diese Frage. Es gibt zwar eine Notbetreuung in Kitas und Schulen, doch die steht nur wenigen Familien zur Verfügung.

Immer mehr Unternehmen melden wegen Corona Kurzarbeit an und schließen. Viele Beschäftigte aus anderen Branchen können zu Hause arbeiten. In solchen Fällen kann die Betreuung von Kindern geregelt werden. Doch was ist mit Eltern, die ganz normal im Büro oder Handwerksbetrieb erscheinen müssen? Der Notdienst in Kitas und Schulen gilt nämlich nur für wenige Ausnahmen. Sind beide Elternteile oder ein Alleinerziehender in »kritischen Infrastrukturen« tätig, werden die Kinder weiter betreut. »Wenn der Vater Bankangestellter ist und die Mutter Krankenschwester, dann muss der Mann notfalls zu Hause bleiben«, nennt Kreispressesprecher Michael Elsaß ein Beispiel.

Nachdem die Landesregierung die Schließung aller Kindertagesstätten und Schulen bis nach den Osterferien angeordnet hatte, kam es zu Krisensitzungen in den Rathäusern. In Bad Nauheim wurde entschieden, in acht Kitas einen Notdienst anzubieten. »Alle Stadtteile sind abgedeckt«, sagt Pressesprecherin Linda Dönges. Ersten Erkenntnissen zufolge müssen nur etwa 30 Kinder betreut werden.

Coronavirus: 30 Kinder in acht Kitas

Wenn beide Elternteile unbedingt am Arbeitsplatz benötigt werden, etwa weil sie bei Polizei, Feuerwehr, in einem Krankenhaus, einer Apotheke oder im Jobcenter tätig sind, muss sich die Kommune um die Kinderbetreuung kümmern. Alle übrigen Eltern müssen improvisieren, bezahlten oder unbezahlten Urlaub nehmen, falls die Firma, bei der sie beschäftigt sind, nicht ohnehin die Arbeit eingestellt hat. Die Entscheidung, in Bad Nauheim Notdienst in acht Kitas anzubieten, obwohl nur 30 Kinder kommen, klingt zunächst absurd. Sie macht aber Sinn, weil Mini-Gruppen gebildet werden sollen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Eltern, deren Kinder bis auf Weiteres nicht in die Kita gehen können, haben laut Gebührensatzung für die Bad Nauheimer Kitas bei einer Pandemie keinen Anspruch auf Rückerstattung der Beiträge. »Wir werden der Stadtverordnetenversammlung empfehlen, die Eltern, deren Kinder nicht betreut werden, von der Gebühr freizustellen«, sagt Bürgermeister Klaus Kreß.

In den Wetterauer Schulen gelten nach Angaben von Dr. Rosemarie zur Heiden, Leiterin des Staatlichen Schulamts, klare Vorgaben des Kultusministers. Ein Notdienst ist in allen Schulen für die Klassen eins bis sechs gewährleistet. Auch in den Osterferien muss eine Betreuung angeboten werden. Für die Auswahl der Berechtigten gelten dieselben Kriterien wie in den Kindergärten. Die Gruppen sollen weniger als zehn Schüler umfassen, Klassenräume regelmäßig gelüftet werden. Um wie viele Schüler es sich im Kreisgebiet handelt, weiß zur Heiden nicht.

Lehrer müssen alle arbeiten - entweder als Betreuer oder um Schülern Aufgaben zu übermitteln. »Lehrkräfte aus Risikogruppen entscheiden in eigener Zuständigkeit, ob sie ihren Dienst weiterhin in der Dienststelle versehen oder ob sie von zu Hause aus arbeiten«, erklärt die Amtsleiterin.

Coronavirus: Viele Notmütter fallen aus

Eltern, die händeringend nach einer Betreuungsmöglichkeit suchen, können auch nicht auf die Großeltern ihrer Kinder zurückgreifen. Ältere Leute gehören zur Risikogruppe und sollen keinen persönlichen Kontakt mit Enkeln haben. Tagesmütter sind ebenfalls keine Alternative. Nach Auskunft von Kreispressesprecher Elsaß gilt für diese Betreuerinnen dieselbe Anordnung wie für Kitas. Wie der Verdienstausfall geregelt wird, werde zurzeit geprüft. »Nicht nur für Tagesmütter muss eine Lösung gefunden werden. Gleiches gilt für alle Personen, die freiberuflich für eine Kommune tätig sind, etwa in Musikschulen«, erläutert Elsaß.

Im Wetteraukreis gibt es nicht nur Tagesmütter, sondern auch 18 Notmütter. Ihr Einsatz wird vom Notmütterruf in Bad Nauheim koordiniert. Leiterin Chantal Francisco de Sousa hat alle Hände voll zu tun. »Ein Drittel der Notmütter fällt im Augenblick aus, weil sie ihre eigenen Kinder betreuen müssen. Leider darf dieser Personenkreis den Notdienst in Kitas und Schulen nicht in Anspruch nehmen«, sagt sie. Weitere Mitarbeiterinnen fielen aus, weil sie zur Risikogruppe gehören.

Deshalb könnten Notmütter nur noch in Familien tätig werden, die in einer sehr schwierigen Lage seien. Beispiel: Mutter fällt wegen einer Operation aus, Vater muss arbeiten, Kinder sind zu betreuen. Francisco de Sousa hat etliche Anfragen vorliegen, den meisten Familien kann sie aber wohl nicht helfen. »Wir haben alle angeschrieben und gebeten, sich möglichst selbst um die Kinder zu kümmern - wenn der Vater zum Beispiel im Homeoffice arbeitet.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare